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Der LWL vor 50 Jahren

In der Reihe "Der LWL vor 50 Jahren" werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Welche Ereignisse beschäftigten die Leute? Welche Projekte standen an? In der Reihe gehen wir diesen Fragen anhand von Originalquellen aus dem Archiv LWL nach.

Alle Texte, die Sie hier finden, sind von Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) - Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen geschrieben worden.

1971

Eröffnung des Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold

Die Eröffnung des 1.Teils des Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold jährt sich in diesem Sommer bereits zum Fünfzigstem Mal. Doch dessen Bau wurde bereits 1960 vom Landschaftsausschuss des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, zusammen mit dem westfälischen Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale in Hagen, beschlossen.

Der Bau begann dann aber erst im Mai 1966 und ging von da an stetig voran, sodass 1971 ca. 50% der damaligen Arbeiten abgeschlossen waren.

Haupthaus des münsterländischen Gräftenhofes (Foto: Landesbildstelle Westfalen, Münster i. W., Landeshaus)

Am 7. Juni 1971 um 16:00 Uhr fand die Eröffnungsfeier im dortigen Haupthaus des münsterländischen Gräftenhofes statt. Um 11:30 Uhr fand bereits eine Vorbesichtigung und Pressebesprechung für Vertreter der Presse statt.

Zu Beginn der Feier wurden alle Anwesenden zunächst von Herrn Ernst Knäpper, dem damaligen Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, begrüßt. In seiner Ansprache erklärte er explizit, warum entschieden worden war, dieses Freilichtmuseum zu errichten. Hauptgrund hierfür war, ein „dokumentarisches Bild der Kulturellen Vergangenheit“ des Raumes greifbar darzustellen.

Daraufhin folgte eine Ansprache des Museumsdirektors Herrn Dr. Josef Schepers, in der es vor allem um die Gesamtplanung und den Stand des Aufbaus ging. Anschließend folgte ein Grußwort an die Gäste durch den Direktor des belgischen Freilichtmuseums Bokrijk, Herrn Dr. J. Weyns.

Am Ende folgten dann die Schlussworte und die Eröffnung des Freilichtmuseums durch den Direktor des Landschaftsverbandes Herrn Walter Hoffmann. In seiner Ansprache blickte er nochmal auf die wesentlichen Etappen der Vorbereitungsarbeit zurück und dankte allen Mitwirkenden.

Im Anschluss erfolgte ein Rundgang durch die Baugruppen und ein kleiner Imbiss im Gräftenhof. Die ganze Veranstaltung wurde derweil musikalisch durch Studenten der nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold unterstützt.

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/906

Besuch gehörloser Kinder aus England

Im Mai 1971 besuchte eine Gruppe gehörloser Kinder aus der englischen Grafschaft Durham, das Landeshaus in Münster. Die Kinder und ihre Begleiter, die zu der Zeit Gast der Westfälischen Gehörlosenschule in Dortmund-Hacheney waren, wurden von Landesrat Herbert Neseker, Leiter der Abteilung für Sozialhilfe und Sonderschulen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, herzlich begrüßt. Zwischen der Gehörlosenschule in Dortmund und der Grafschaft Durham bestand seit 1970 eine Partnerschaft, im Zuge derer bereits im vorangegangenen Jahr Kinder aus Dortmund in England zu Gast gewesen waren.          

Herr Neseker begrüßte die Partnerschaft, da das Integrieren von behinderten Kindern in die Gesellschaft, neben der Integration in die unmittelbare Umgebung, Fauch den Kontakt zu Kindern im selben Alter und mit ähnlichen Behinderungen in anderen europäischen Ländern umfasse. Auch der Leiter der Besuchergruppe, Leonard Smith, zuständig für die Organisation des Bildungswesens für hörgeschädigte Kinder in Durham, wies auf die Notwendigkeit internationaler Kontakte unter behinderten Kindern hin.                                                                     

Neben dem Besuch des Landeshauses waren auch zahlreiche weitere Unternehmungen geplant. So standen eine Sauerlandfahrt zum Möhnesee, ein Besuch im Bergbaumuseum in Bochum und eine Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn auf dem Programm. Der Besuch in Bonn unter der Leitung des Direktors der Gehörlosenschule Dortmund, Friedrich Möller, rundete den Besuch in Deutschland ab.

In der zweiten Jahreshälfte 1971 war dann wieder eine Gruppe Kinder aus Dortmund in England zu Gast.

Modell der neuen Westf. Sonderschule für Gehörlose, Dortmund-Hacheney (Foto: Archiv LWL, Bestand 847/Fotoalbum)

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/188

Verabschiedung des Landesrates Josef Ostermann am 24. Februar 1971

Nach 23 Jahren Dienst in der landschaftlichen Selbstverwaltung, ging der für den Hochbau zuständige Landesrat Josef Ostermann am Ende des Februars 1971 in den Ruhestand. Die Verabschiedung im kleinen Kreise fand an seinem 65. Geburtstag, dem 24. Februar 1971, im Landeshaus statt. Bereits im Vorhinein lehnte Ostermann ein Abschiedsgeschenk ab, stattdessen wurde in seinem Namen eine Spende an ein SOS-Kinderdorf getätigt.

Als Sohn eines Amtsbaumeisters geboren, studierte Ostermann selbst Architektur und beendete seine Ausbildung als Regierungsbauführer mit dem Regierungsbaumeisterexamen. Wenige Jahre später wurde er zum Regierungsbaurat ernannt und war Leiter an der Heeresbaudienststelle in Russland, Frankreich und im Heimatkriegsgebiet, ehe er sich von Mai 1945 bis Januar 1946 in Kriegsgefangenschaft befand. Nach seiner Freilassung war er für wenige Jahre Dozent an der Staatsbauschule in Lübeck, ehe er seinen Dienst als Regierungsbaurat beim LWL (damals: Provinzialverband Westfalen) 1948 antrat. Später wurde er zum Provinzialoberbaurat befördert und kurz darauf 1954 zum Landesrat gewählt. 1965 fand seine Wiederwahl statt.

Während seiner Verabschiedung wurde die Wertschätzung für seine geleistete Arbeit nochmals zum Ausdruck gebracht. Ostermann hatte in seinem Schwerpunkt, den Bau von psychiatrischen Anstalten, moderne Erkenntnisse der Medizin mit einbezogen und so dazu beigetragen, dass aus alten Bewahranstalten kompetente Fachkrankenhäuser wurden. Ganz nach seinem Vorsatz, dass Gebäude für die Ansprüche der Bewohner errichtet werden sollten.

Nach seinem offiziellen Abschied kündigte Ostermann an, dass er während seines Ruhestandes ehrenamtlich bei der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz tätig werden würde.

Josef Ostermann (Foto: © LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/333
  • Archiv LWL, Best. 115/188

1970

Verkehrsfreigabe der Weserbrücke bei Petershagen am 9. November 1970

„Die Verkehrsfreigabe der Weserbrücke bei Petershagen erfolgt formlos in Anwesenheit des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen am 9. November 1970 um 15:30 Uhr.“ – so hieß es in der Einladung für die örtliche Presse im Raum Minden.

Bei der in der Einladung genannten Brücke, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gebaut wurde, handelte es sich um eine von insgesamt acht Brücken, die ab 1966 im Großraum Minden entstanden.

Textfeld: Südansicht mit Fähre (Foto: LWL)Die Brücke verbindet die B 61 bei Petershagen mit der B 482 bei Lahde und ersetzte die Fährverbindung, die seit geraumer Zeit zwischen den Ufern pendelte. Sie ist Teilstück einer neuen Straßenverbindung zwischen Bohmte und Stadthagen, die die Bezeichnung

L 770/772 trägt und eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur des nördlichen Kreisgebietes Minden darstellt, die es den Verkehrsteilnehmern ermöglicht, den Stadtbereich Minden großräumig zu umfahren.

Die Eröffnungs-Feierlichkeit begann mit einer Ansprache des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, Dr. Riemer. Der Minister ging in seiner Rede auf die Bedeutung dieser Verkehrsfreigabe ein. Er machte deutlich, dass es der Landesregierung nicht reiche, nur die Ballungsräume mit einer guten Infrastruktur auszustatten. Vielmehr zeige gerade dieses Projekt, dass auch die Randgebiete einen Zugang zu einem modernen Straßennetz bekommen sollen. Außerdem verwies er auf die hohen Summen, die das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1970 bereits für den Aus- und Umbau der Landstraßen ausgegeben hatte.

Neben Dr. Riemer waren auch der LWL-Direktor Hoffmann und die Bürgermeister der Städte Petershagen und Lahde, Rauch und Wiegmann, bei der Eröffnung der Brücke anwesend. Nach der Ansprache wurde die Brücke symbolisch durch das Wegräumen eines Absperrbockes freigegeben. Vom östlichen Brückenkopf ging es dann für die anwesenden Gäste auf die Westseite, wo sie von Vertretern der Gemeinde Petershagen begrüßt wurden. Um 16:30 Uhr erfolgte dann die Freigabe für den Verkehr.

Wie die Zeitung Westfalen-Blatt am 10. November 1970 berichtete, waren zu der Eröffnung der Weserbrücke mehr Menschen gekommen, als erwartet worden waren. Die Brücke, so die Zeitung, sei „schwarz von Menschen“ gewesen, die die Feierlichkeiten erleben wollten.

Südansicht mit Fähre (Foto: LWL)

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/880

150 Jahre Landeskrankenhaus Benninghausen

Bereits 1240 begründete der Ritter Johann von Erwitte durch eine Stiftung das Zisterzienserinnenkloster Benninghausen, das 1698 in der Hand von Nonnen begann als Krankenhaus zu fungieren und im 18. Jahrhundert mehrfach durch die Äbtissin Sophia von Oheimb ausgebaut wurde. Erst durch die Säkularisation König Friedrich Wilhelm III. wurde das Kloster aufgelöst und unter dem ersten Oberpräsidenten von Westfalen, Freiherr Ludwig von Vincke, zu einem Landesarmenhaus umgewandelt.

In der Hausordnung des Landesarmenhauses wurde festgelegt: „Durch strenge, aber gerechte, durch ernste, aber freundliche, durch nachdrückliche aber liebreiche Behandlung sollen der Inspector, die Geistlichen, der Arzt und der Hausverwalter die Häuslinge erziehen und regieren, ihr Ansehen behaupten; sie werden dann mit der Furcht auch die Liebe derselben erwecken und ihr Vertrauen gewinnen.“

Ab 1825 wurden verwahrloste Jungen und Mädchen aufgenommen und durch die Ausbildung in den Anstaltswerkstätten und der Landwirtschaft ausgebildet, um sie „von ihren bösen Gewohnheiten und Neigungen wieder zu entwöhnen und […] ihnen Achtung für Sitte und Recht und einen wahrhaft frommen Sinn einzuprägen, sie ferner in den nöthigsten Elementar-Schulkenntnissen zu unterrichten und außerdem in technischen Fertigkeiten zu üben!“

Darüber hinaus diente das Landeskrankenhaus über Jahre hinweg als Kriegsgefangenenlager, Regimentsquartier, Hilfsstrafgefängnis, Heilstätte für Tuberkulose-Kranke und Altersheim. Aber auch Geisteskranke, Fürsorgezöglinge, Trinker, Geschlechtskranke und Korrigenden wurden hier behandelt.

Zum 150. Jubiläum des Landeskrankenhauses luden die Landesräte Prof. Dr. Dr. Kurt Gedicke und Herbert Neseker, sowie Landesmedizinaldirektor Dr. Helmut Kemper (Leiter des Landeskrankenhauses) die Presse ein, um nicht nur über den feierlichen Tag zu sprechen, sondern auch das ernste Thema der immer älter werdenden Bevölkerung anzusprechen.

In der Bronzezeit wurde der Mensch durchschnittlich 18 Jahre, um Christi Geburt 22 Jahre, im Mittelalter waren es bereits 35 Jahre. In den 1970ern waren es nun schon 70 bis 75 Jahre. Damalige Statistiken besagten, dass es im Jahre 1980 in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 8,5 Millionen Menschen in einem Alter von über 65 Jahren geben sollte. Dementsprechend stieg natürlich auch die Nachfrage an Pflegeplätzen in den Landeskrankenhäusern, da mit dem zunehmenden Alter auch die Anzahl von Alterserkrankungen einherging.

So folgerte der Landschaftsverband, dass es nicht nur eine Einrichtung von Langzeitkrankenhäusern für den Sonderbereich für psychisch Alterskranke geben sollte, sondern dass die Gesellschaft als Ganzes Möglichkeiten finden müsse, Alterskranke nach ihrer erfolgreichen Behandlung wieder in ihr früheres Leben eingliedern zu können, da es sonst bald zur extremen Knappheit an Plätzen in den Landeskrankenhäusern kommen würde.

Zur Feier des 150. Jubiläums wurde ein Festheft herausgegeben, welches nicht nur die gesamte Geschichte des Landeskrankenhauses widerspiegelt, es zeigt außerdem die damaligen Behandlungspraktiken und einige Bilder über das Gebäude und die Bewohner des Hauses.

Zisterzienserinnenkloster Benninghausen, Barockportal des Haupthauses (Foto: Fotograf nicht überliefert © LWL-Medienzentrum für Westfalen)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 843/0284
  • Archiv LWL, Best. 115/885

Beschäftigungstherapie in den Landeskrankenhäusern

Am 14. bis zum 25.September 1970 fand die Ausstellung „Künstlerische Aktivitäten in westfälischen Landeskrankenhäusern“ im Lichthof des Landeshauses statt, welche den Vorurteilen der damaligen Bevölkerung, dass psychisch Kranke nicht mehr fähig sein eine sinnvolle Tätigkeit auszurichten, entgegenwirken sollte. So wurden verschiedene Werke von Patienten und Patientinnen ausgestellt, die innerhalb Beschäftigungstherapie entstanden waren.

In seiner Einladung schrieb Landesverwaltungsdirektor Herbermann „In den westfälischen Landeskrankenhäusern werden die Patienten nicht mehr vorwiegend ‚untergebracht‘ […], sondern es wird alles getan, um die individuellen Aktivitäten der psychisch Kranken in den verschiedenen Bereichen zu unterstützen.“ So haben die Landeskrankenhäuser neben der medikamentösen Behandlung darauf Wert gelegt, die Patienten mit Arbeit und Beschäftigung zu therapieren.

Bei der Rehabilitation der psychisch Kranken fiele der Arbeits- und Beschäftigungstherapie ein nicht unbedeutender Teil der Behandlung zu, da sie sowohl der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, dem Training von motorischen Fähigkeiten sowie der Entfaltung der Persönlichkeit des Patienten diene. So wurde von den Ärzten angenommen, dass das Erfolgserlebnis der Patienten, etwas mit eigenen Händen zu erschaffen, die Heilung positiv beeinflussen könne.

Bereits am 10. September wurden ausgewählte Teilnehmer der Presse durch die Ausstellung geführt, in welcher immer wieder betont wurde, dass neben der Behandlung der Patienten, auch die anschließende Wiedereingliederung in die Gesellschaft für die weitere Entwicklung der geistigen Krankheit wichtig sei. Daher wurde die Ausstellung dafür konzipiert, tiefverwurzelte Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber psychisch Kranken zu lockern und somit die Rehabilitation und soziologische Integration zu vereinfachen.

So wurde die Ausstellung „Künstlerische Aktivitäten in westfälischen Landeskrankenhäusern“ genutzt, um die Gesellschaft für ein wichtiges Thema in der Krankenbehandlung zu sensibilisieren.

Einladung zur Ausstellung "Künstlerische Aktivität in Westfälischen Landeskrankenhäusern", 14. September 1970 (Foto: LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/877

Neueröffnung des Museums für Vor- und Frühgeschichte

Nach dem letzten Krieg war das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte völlig zerstört. Es dauerte über ein Vierteljahrhundert, ehe ein kleiner Teil wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Daher fand am 05.04.1970 eine Feier für die Neueröffnung statt.

Die Feierlichkeiten begannen mit einer Begrüßung des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. Sassenroth berichtete von der Geschichte des Museums und den Bemühungen des Provinzialverbandes Westfalen - dem Vorläufer des heutigen Landschaftsverbandes - , das Museum wieder neu aufzubauen.

Entstanden ist das Museum 1925 aus dem Landesmuseum der Provinz Westfalen, nachdem die Sammlungen der Kunst- und Kulturgeschichte von den Sammlungen der Vor- und Frühgeschichte getrennt wurden. 1934 machte sich der Museumsteil dann selbstständig, ehe es 1945 völlig im Krieg zerstört wurde. Glücklicherweise konnten die wertvollsten Teile der Bestände, die Bibliothek und das Archiv durch Auslagerung gerettet werden, der Rest wurde vernichtet.

Nach dem Krieg über die folgenden Jahre hinweg, wurden die geretteten Bestände sowie Fundgut aus Nachkriegsausgrabungen in Behelfsbaracken untergebracht. 1961 begann man mit Restaurierungen.

1957 entschied man sich schließlich für einen Wiederaufbau und erstellt ein Raumprogramm. Ein Wettbewerb für die Suche eines Architekten wurde ausgeschrieben. 1959 erhielt Dipl.-Ing. Hans Spiertz den ersten Preis. 1963 folgte die Grundsteinlegung, es dauerte jedoch bis 1966 bis man die ersten Bauabschnitte beziehen konnte. Im Januar 1970 fand dann schließlich die Neueröffnung statt.

Es folgte eine Ansprache des Museumsdirektors Dr. Hans Beck zur Aufstellung der Schausammlung, in welcher er ebenfalls über die im Krieg untergegangenen Sammlungen sprach und die Bemühungen die wertvollsten Teile der Bestände auszulagern. Der Tag endete mit einer Führung von Dr. Beck durch die neuste Ausstellung.

Somit wurde durch die Ausstellung "Steinzeit und ältere Bronzezeit in Westfalen" nach 27 Jahren wieder eine Schausammlung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2003 zog das Museum in einen Neubau in Herne und seit 2007 kennen wir es unter dem Namen LWL-Museum für Archäologie Westfälisches Landesmuseum.

Blick in die Ausstellungsräume des neuen Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte. Hier: Teil eines Grabungsprofils durch die Spaltenfüllung in der Balver Höhe (Kreis Arnsberg). Im Vordergrund unter anderem Stoßzahn eines Mammuts aus der Lippe (Eiszeit) und Geweihstange eines Rentiers (Foto: LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 110/516
  • Archiv LWL, Best. 115/864

Verabschiedung des Landesrates Heinrich Alstede (8.Januar 1970)

Heinrich Alstede trat am 21.April 1949 als Referent der Personalabteilung in den Dienst des LWL ein. Nachdem er ab Februar 1952 stellvertretender Leiter des Landesfürsorgeverbandes war, übernahm er mit seiner Wahl zum Landesrat ab dem 1.April 1954 die Leitung der Hauptfürsorgestelle bis zu seiner Pensionierung am 31.Dezember 1969.

Auch ehrenamtlich setzte er sich für Schwerbeschädigte, insbesondere für Kriegsblinde ein. Er förderte die Wohnungsfürsorge für Kriegsbeschädigte sowie Kriegshinterbliebene und engagierte sich für deren Rehabilitation. Er beteiligte sich beispielsweise an der Errichtung des Kriegsblinden-Kurheimes in Berleburg, der Planung des Kriegsblinden-Rehabilitationszentrums am gleichen Ort und half bei der Gründung der Blindenhörbücherei in Nordrhein-Westfalen.

Er war Vorsitzender des Bundesausschusses für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene beim Bundesministerium des Innern sowie der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Blindenhörbüchereien. Für seine Leistungen wurde Herr Alstede mehrfach mit dem Goldenen Ehrenzeichen sowie der Goldenen Ehrenmedaille von mehreren Organisationen der betroffenen Schwerbeschädigten ausgezeichnet. Am 17.11.1969 wurde ihm durch den Regierungspräsidenten Dr. Schneeberger (Bezirksregierung Münster) das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Über 15 Jahre stand er im Dienst des LWL, ehe er aus Altersgründen sein Amt als Leiter der Hauptfürsorgestelle niederlegen musste. Sein Verabschiedung fand 08.01.1970 im Hotel Rheinischer Hof in Münster statt. In verschiedenen Ansprachen wurde sein herausragendes Engagement geehrt. Landesdirektor Hoffmann betonte, dass Alstede den Ansatz des LWL, Gesetze menschlich zu handhaben, "gerade noch in den Grenzen der Legalität" umgesetzt hätte, damit er seinen Mitmenschen wirkungsvoll helfen konnte.

Ernst Knäpper, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, erinnerte an die Wahl Alstedes zum Landesrat und Leiter der Hauptfürsorgestelle 1954. Es sei nur durch Alstedes "Kenntnisse, Toleranz, menschliche Wärme und Zuverlässigkeit" möglich gewesen, dass er einstimmig durch die 4. Landschaftsversammlung 1966 wiedergewählt wurde. In seinen eigenen Abschiedsworten widmete sich Alstede seinem Werdegang und Lebensweg, welcher ihn Stück für Stück dem sozialen Bereich nähergebracht und schließlich in den Dienst des Landschaftsverbandes geführt hatte.

1969

Ausstellung jugendgefährdener Schriften am 9.Mai 1969 im Landeshaus Münster

"Die Tür zum großen Sitzungssaal des Landeshauses in Münster wird streng bewacht", schrieb die Westfälische Rundschau am 10.05.1969 - einen Tag nach dem ungewöhnlichen Ereignis, welches man nur mit besonderer Einladung erleben konnte.

Am 9. Mai 1969 tagten die beiden Landesjugendwohlfahrtsausschüsse der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) zusammen mit dem Landesjugendring in Münster.

 

Zu diesem Anlass luden die Bundesarbeitsgemeinschaft Aktion Jugendschutz - mit Unterstützung vom Landesjungendamt des LWL und des Jugendamtes der Stadt Münster - Wissenschaftler, Pressevertreter, Politiker und Erzieher zu einer halboffenen Ausstellung und Diskussion über jugendgefährdende Schriften ins Landeshaus Münster ein.

Ausgestellt wurden Romane, Bildhefte, Schriften und Kurzfilme, die bildlich beschrieben oder zeigten, wogegen sich die Aktion Jugendschutz aussprach: "Schriften, die geeignet sind, Kinder oder Jugendliche sittlich zu gefährden. [...] Dazu zählen vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende sowie den Krieg verherrlichende Schriften."

Gegliedert war die Ausstellung nach Literatur, die " Unter der Theke" zu erwerben war - also nicht verbotene, sondern nur Personen unter 18 Jahren unzugänglich gemachte Schriften - bis hin zu indizierter und verbotener Literatur. Zu den häufigsten Beispielen zählte die Vermischung von grotesk dargebotener Sexualität und der extremen Darstellung von Gewalt.

Nur mit Einladung war es den Pressevertretern, Politikern und Erziehern möglich, die Ausstellung zu betrachten. Eingeladen wurde unter der klar formulierten Frage: "Gibt es Schriften, die Kinder oder Jugendliche sittlich gefährden?", die der erste Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Aktion Jugendschutz Dr. Walter Becker, mit seiner Positionierung "Wir sagen ja, denn unsittliche, verrohend wirkende oder Rassenhass anreizende sowie den Krieg verherrlichende Schriften schaffen keine Leitbilder!" beantwortete.

Trotz der Ausstellung und den vielen Erklärungen der Bundesarbeitsgemeinschaft verlief die anschließende Diskussions- und Fragerunde laut Zeitungsberichten nicht ganz im Sinne des Veranstalters. Demnach waren sich viele der eingeladenen Gäste nicht sicher, ob Pornographie wirklich die verheerenden Auswirkungen habe, wie dies von der Aktion Jugendschutz dargestellt wurde.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/834

Erster Landesrat Dr. Helmut Naunin wird in den Ruhestand verabschiedet

Am 31.März 1969 wurde der Erste Landesrat Dr. Helmut Naunin vom Landesdirektor Walter Hoffmann in den Ruhestand verabschiedet. Dabei wurden die Lebensstationen des als Chefideologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe titulierten Verwaltungsjuristen kurz gestreift. Naunin wurde am 16. September 1904 in Deutsch-Eylau (Westpreußen) geboren. 1920 zog die Familie nach Wanne-Eickel. Nach Abitur am Gymnasium in Gelsenkirchen-Schalke und Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Münster und Tübingen mit der Promotion zum Doktor der Rechte trat er 1932 als Verwaltungsrat in den preußischen Provinzialdienst beim Provinzialverband Westfalen. Dort wird er bereits im April 1939 zum Landesrat ernannt.

Im Zweiten Weltkrieg diente Naunin als Soldat und geriet in Kriegsgefangenschaft. Nach der Wiederaufnahme der Tätigkeit beim Provinzialverband Westfalen wurde ihm nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens 1949 wieder eine Stelle als Landesrat zugeteilt. 1954 wurde er von der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe einstimmig zum Ersten Landrat gewählt und 1965 in diesem Amt bestätigt. Somit hat Naunin über 30 Jahre in führender Position im Landeshaus gewirkt. Seine Verdienste um Westfalen wurden in der Ansprache Hoffmanns als historisch gewürdigt. Insbesondere sein Einsatz für den Fortbestand der westfälischen Selbstverwaltung nach der Auflösung der preußischen Provinzialverbände und die Verabschiedung der Landschaftsverbandsordnung 1953 werden als maßgebliche Verdienste Naunins benannt, der in vielen Reden und Publikationen Leistungsnachweise für die landschaftliche Selbstverwaltung Westfalens vorlegte.

Dr. Helmut Naunin verstarb am 22. September 2002 in Münster, sein Nachlass befindet sich im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Archiv LWL, Bestand 909).

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen:

  • Archiv LWL, Best. 110/115
  • Archiv LWL, Best. 132/C 11 A Karton 374

50-jähriges Jubiläum des Westfälischen Landeskrankenhauses Gütersloh am 30.September 1969

Am 30. September 1969, feierte das damalige Westfälische Landeskrankenhaus (WLK) Gütersloh sein 50-jähriges Jubiläum. Mit dem Bau der Klinik wurde 1912 begonnen, 1919 konnten die ersten Patienten aufgenommen werden. Die Patientenzahl lag im Gründungsjahr bei 976. Fünfzig Jahre später befanden sich einen Tag vor dem Jubiläum 1203 Patienten verteilt auf 15 Krankengebäude in der Obhut der 78 Ärzte und sonstigen Klinikbeschäftigten.

Beim Festakt mit rund 350 Gästen fand im Festsaal der Klinik eine kurze Einführung statt. Dabei bekundete der Erste Landesrat des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Klaus Meyer-Schwickerath, seine Glückwünsche und stellte nachdrücklich fest: „In einigen Jahrzehnten wird unsere Demokratie nicht nach der Steigerung des Sozialprodukts beurteilt werden, sondern nach der Höhe der Aufwendungen für die Schwachen, Armen und Hilflosen - unter Einschluss der Völker in den Entwicklungsländern."

Im Rahmen des runden Jubiläums veranstaltete das WLK Gütersloh gleichzeitig seine international anerkannte Fortbildungswoche, die vom 30. September bis zum 3. Oktober dauerte. Unter dem Schwerpunkt „Sozialtherapeutische Anstalt" fanden die folgenden Tage Vorträge statt.

Zur Einführung der Fortbildungswoche sowie der Feier des Jubiläums wurde der erste Vortrag dem Thema Arbeitstherapie gewidmet. Der erste Direktor der damaligen Provinzialheilanstalt, Hermann Simon, war ein Pionier auf diesem Gebiet gewesen, hatte es erforscht und praktiziert und durch moderne Methoden so angewandt, dass es bis zum Jubiläum noch immer wegweisend und international als „Mekka der Psychotherapie" bekannt war. Zu Ehren seiner Arbeit wurde sein Buch „Aktivere Krankenbehandlung in der Irrenanstalt", das lange Zeit vergriffen war, neu aufgelegt. Des Weiteren wurde durch das LWL die eigene Publikation „Wandlung der Psychiatrie in 50 Jahren" herausgegeben.

In den darauffolgenden Tagen wurde die Fortbildungswoche durchschnittlich von 250 Gästen besucht und immer wieder positiv in den Medien erwähnt. Mit Schlagzeilen wie „Vorbildliche humanitäre Arbeit" (Westfalen-Blatt, 26.09.1969) oder „In Gütersloh entsteht ein Sozialzentrum" (Neue Westfälische, 26.09.1969) ist die Fortbildungswoche gut angenommen worden.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/845

Fotonachweis: Karl Franz Klose ©LWL-Medienzentrum für Westfalen

18. Westfälischer Naturschutztag 1969

Am 2. und 3. Mai 1969 fand der 18. westfälischen Naturschutztag im Landesmuseum für Naturkunde statt. In Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, der Fachstelle für Naturkunde und Naturschutz im Westfälischen Heimatbund sowie dem Westfälischen Naturwissenschaftlichen Verein wurde der Naturschutztag dem Thema "Naturschutz und Tierwelt gewidmet.

Am ersten Veranstaltungstag fanden wissenschaftliche Vorträge statt, die Themen reichten vom Faunenwandel als Folge menschlicher Eingriffe über die Rolle nützlicher Insekten in der Schädlingsbekämpfung bis zum Wasservogelschutz in Westfalen.

Am nächsten Tag wurden zwei Exkursionen durchgeführt: Während eine Fahrt in die Rieselfelder Münster führte, ging die zweite Exkursion mit Empfehlung der Mitnahme von Gummistiefeln und Ferngläsern in das Naturschutzgebiet "Zwillbrocker Venn".

Zur Eröffnung des Naturschutztages sagte Landesdirektor Walter Hoffmann: "Möge das Thema [...] der Öffentlichkeit verständlich machen, dass im Gesamtorganismus der Natur jedes Geschöpf, sei es noch so winzig als Pflanze oder Tier, eine Funktion besitzt, die nur in ganz seltenen Fällen ohne Einbuße für unser eigenes Leben angetastet werden kann."

Hiermit bezog er sich auf zwei elementare Erkenntnisse der zu der damaligen Zeit aktuellen Forschung:

  1. "In einem ungestörten Lebensraum stellt sich ein biologisches Gleichgewicht ein."
  2. "Ein einzelner Eingriff in die Natur kann zu vorläufig nicht vorhersehbaren Reaktionen führen."

So drückte es zumindest Prof. Franzisket, Direktor des Landesmuseum für Naturkunde, in seinem Vortrag aus. Hierin sagte er ebenfalls, dass "Unser Lebensraum [...] in stetig zunehmendem Maße belastet [wird]: Von der Bevölkerungszunahme, von der Industrie, vom Verkehr, aber auch von wachsenden Ansprüchen des Komforts und des Genusses."

Prof. Dr. Heddergott Direktor des Pflanzenschutzamtes Münster, fügte dem hinzu, dass es daher die Naturschutzgesetze und die daraus resultierenden Naturschutzgebiete geben würde. Solche Gebiete hätten mehr als nur einmal seltene Pflanzen vor dem Aussterben gerettet und seien als solches wichtig für die Nachwelt. Für Tiere, die meist größere Lebensräume bräuchten, seien die Naturschutzgebiete in den häufigsten Fällen jedoch zu klein. Wenn den Menschen das Ungleichgewicht durch das Sterben nützlicher Tiere (hier: insektenfressende Vögel) auffallen würde, wäre es jedoch bereits zu spät - das Gleichgewicht wurde dann bereits zerstört.

Bereits vor 50 Jahren war der Appell an alle Mitmenschen somit: Man möge die Erde mit Bedacht behandeln, da wir nur eine besitzen.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/832

Eröffnung des Neubaus der Blindenwerkstätte in Hagen

Gegründet im Juli 1937 mit ursprünglich elf blinden Handwerkern, wurde der Neubau der Blindenwerkstatt Hagen mit einem Gesamtkostenaufwand von rund einer Million Deutsche Mark errichtet, wovon die Hauptfürsorgestelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) - neben Leistungen des Landes, der Stadt Hagen und Sammlungsmitteln - den überwiegenden Teil der Mittel zu Verfügung gestellt hat. Die Finanzierung korrespondierte mit der Bedeutung der Werkstätten in Bielefeld, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Minden, Münster, Siegen und Wattenscheid für den LWL, die der Landesdirektor des LWL, Walter Hoffmann in seiner Eröffnungsansprache am 31. Januar 1969 mit dem Satz formulierte, dass die Arbeits- und Berufsfürsorge für körperlich und geistig Behinderte eine der vornehmsten Aufgaben des LWL sei. Er verwies darauf, dass manche vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und seinem Vorgänger, dem Provinzialverband Westfalen, auf freiwilliger Grundlage aufgegriffene Hilfsmaßnahme erst nachträglich gesetzlich verankert worden war. So auch Leistungen, die lange vor der Verabschiedung des Bundessozialhilfegesetzes darauf abgestellt waren, behinderten Menschen durch individuelle Hilfestellungen zur fördern.

Die Blindenwerkstatt in Hagen war 1969 mit über 40 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp einer Million Deutsche Mark im Jahr 1968 der größte Betrieb der Westfälischen Blindenarbeit. Der Schwerpunkt der Hagener Werkstatt war die Weberei.

Das Blindenwerk Werk in Hagen besteht auch heute noch, aktuelle Informationen sind über die Homepage abrufbar.

1968

Landesdirektor Dr. Dr. h.c. Anton Köchling

Am 31. Januar 1968 wurde in einer Sondersitzung der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe im Landeshaus in Münster der Direktor des LWL, Dr. Dr. h.c. Anton Köchling, offizielle verabschiedet. Köchling schied wegen Erreichens der Altersgrenze an diesem Tag aus seinem Amt.

Zur Biographie

Am 29. März 1954 wurde der damalige Oberkreisdirektor des Kreises Recklinghausen Dr. Dr. h.c. Anton Köchling durch die Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe mit einer großen Mehrheit zum ersten Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) berufen. Damit löste er seinen Vorgänger Landeshauptmann Dr. h.c. Bernhard Salzmann ab.

Anton Köchling wurde am 03.01.1903 in Paderborn als jüngstes von zehn Geschwistern geboren und verbrachten den Großteil seiner Jugend in Paderborn und Essen. Ab 1922 studierte er in Köln und München Rechts- und Staatswissenschaft und promovierte dann am 19. Juli 1926 zum Doktor der Rechte. Nach einigen Jahren, in welchen er als Gerichtsreferendar an verschiedenen Dienstorten arbeitete, wurde er 1929 zum Regierungsassessor des Landkreises Recklinghausen ernannt. Ab 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er als Dezernent in den Regierungspräsidien Stettin, Aussig und Köln eingesetzt.

Nach Ende des Krieges trat er 1945 in die CDU ein und wurde 1948 Hauptgeschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Landkreistages in Düsseldorf. Seine politische Karriere erreichte 1950 durch die Ernennung zum Oberkreisdirektor des Landkreises Recklinghausen sowie der Berufung zum Landesdirektor des Landschaftsverbandes 1954 ihren Höhepunkt.

Zur Amtszeit beim LWL

Seine Amtszeit ist verbunden mit einer expansiven Ausweitung des Personalbestands und der Verwaltungsleistung. Die Anzahl der Beschäftigten stieg zwischen 1954 und 1968 von 5859 auf 11267 rapide an und die Summe des ordentlichen Haushaltes erhöhte sich um das Fünffache von 192.205.750 DM auf 959.041.650 DM.

Er widmete sich vor allem den sozialen Aufgaben des Landschaftsverbandes sowie der landschaftlichen Kulturpflege. Dies führte er getreu dem Motto: „Wir haben im Landeshaus zu Münster keine großen politischen Entscheidungen zu treffen, sondern uns nur in echter Selbstverwaltung, das heißt Selbstverantwortung um das Wohl der Menschen unserer Landschaft zu mühen" aus.

Für seine Verdienste während seiner gesamten Laufbahn erhielt Anton Köchling einige Ehrungen und Auszeichnungen. So wurde er beispielsweise für seine Verdienste um die deutsch-belgischen Beziehungen mit dem Orden Leopolds 2. ausgezeichnet.

Am Sonntag, den 18.03.1990, verstarb Anton Köchling im Alter von 87 Jahren.

Quellen:

  • LWl-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 113/97
    • Archiv LWL, Best. 115/228
    • Archiv LWL, Best. 132
    • Archiv LWL, Best. 906/1-2
  • Planen, Bauen, Helfen, Pflegen. Dokumentation einer Verwaltung; [Landschaftsverband Westfalen-Lippe 1965-1970], hrsg. von Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1970, 259 S..

Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen des Westfälischen Denkmalamtes am 24. Juni 1968 im Münsteraner Erbdrostenhof

Am 24. Juni 1968 feierten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirchen, Bürgerschaft und Adel das 75-jährige Bestehen der eigenständigen westfälischen Denkmalpflege im Erbdrostenhof in Münster, dem damaligen Sitz des Landesamtes für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Die Jubiläumsveranstaltung wurde verbunden mit der Einweihung des wiederhergestellten Festsaals des Erbdrostenhofes sowie mit der Ausrichtung der Deutschen Denkmalpflegertagung in Münster

Als die Denkmalpflege vom Preußischen Staat im Jahr 1893 dezentralisiert wurde, ernannte die Regierung einen Beamten der Provinz Westfalen zum Provinzialkonservator, der fortan als Bindeglied zwischen Denkmalpflege der Provinz und den „den staatlichen Bestrebungen und Organen" fungierte. Er wurde mit den vielfältigen Aufgabenbereichen der Denkmalpflege betraut, worunter auch die Denkmalwache über die Kirche fiel.

Die offizielle Einladungskarte zum Festakt (Quelle: Archiv LWL, Best. 115)

In seiner Begrüßungsansprache zum Festakt hob Landesdirektor Hoffmann die gute Zusammenarbeit des Landschaftsverbandes mit den staatlichen Stellen im Bereich der Denkmalpflege und die großzügige Unterstützung des Landes beim Wiederaufbau der zerstörten Bau- und Kunstdenkmäler hervor.

Ein Beispiel hierfür ist der Erbdrostenhof in Münster, der in Münster, der in Kooperation zwischen dem Grafen Droste zu Vischering als Eigentümer, dem Landschaftsverband, der Stadt Münster und dem Land Nordrhein-Westfalen wiederaufgebaut worden ist und als Kulturstätte genutzt wird. Dass die Jubiläumsveranstaltung genutzt werden konnte, um gleichzeitig vor Ort die Einweihung des Festsaals des Erbdrostenhofes zu feiern, war ein offensichtliches Zeichen der erfolgreichen denkmalpflegerischen Arbeit. Den besonderen Ereignissen entsprechen erfolgte die musikalische Umrahmung auf historischen Instrumenten, darunter ein Ruckers-Cembalo aus dem Jahre 1640.

Aufriss der Nordfront des Erbdrostenhofes aus dem Jahr 1958 (Quelle: LWL-Archivamt, Archiv LWL, Kartensammlung).

Verknüpft wurden diese beiden feierlichen Anlässe mit der Tagung der bundesdeutschen Denkmalpfleger, deren Hauptthema das Problem der "Steinfestigung und Steinsicherung" war. Für Westfalen hatte dieses Thema wegen der Einwirkung der industriellen Abgase besonders im Ruhrgebiet eine aktuelle Bedeutung. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung gehörten auch Gäste aus Schweden, Dänemark, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Italien. Diese beachtliche Reichweite dokumentierte einerseits die Attraktivität des Veranstaltungsortes und des Tagungsthemas, andererseits aber auch die gute internationale Vernetzung der Denkmalpflege.

Die Bezeichnung des ehemaligen Landesamtes für Denkmalpflege lautet heute LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Dieses Amt ist 2011 hervorgegangen aus den ehemals eigenständigen Ämtern für Denkmalpflege und für Landschafts- und Baukultur.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/350
  • Archiv LWL, Best. 110/515

50 Jahre Bergwetterstation auf dem Kahlen Asten

Am 2. August 1968 hielt der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Walter Hoffmann, eine Rede anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Bergwetterstation auf dem Kahlen Asten und gab dabei auch einen Überblick auf die Geschichte der Einrichtung.

1918 wurde die Wetterstation auf dem zweithöchsten Berg Westfalens (841,9 m ü. NN) als Außenstelle des Meteorologischen Observatoriums der Stadt Essen eingerichtet. Bemerkenswert ist, dass das Observatorium bereits 1915/1916 dort Staubmessungen zur Luftverschmutzung im Ruhrgebiet durchführte und auch 1917 für die Heeresluftschiffer Windbeobachtungen anstellte. In den ersten Jahren wurde der Wetterdienst von einem Angehörigen des Provinzialverbandes, Turmwirt Klante, versehen. Er telegrafierte seine meteorologischen Meldungen dreimal täglich nach Essen, von wo sie auch an die Deutsche Seewarte in Hamburg weitergegeben wurden. Auch regelmäßige Klimabeobachtungen und deren Auswertungen gehörten zu seinen Aufgaben. Im Juli 1925 wurde die Station erstmals mit einem wissenschaftlichen Beobachter, Dr. Hoffmann, besetzt.

Nach Gründung des Reichswetterdienstes 1934 ist die Wetterstation 1937 zu einer Hauptwetterwarte unter Verwaltung des Reichsamtes für Wetterdienst umgebaut und am 1. November 1937 feierlich eingeweiht worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kahle Asten und somit auch die Bergwetterstation durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und musste nach Beendigung der Kämpfe neu aufgebaut werden. Die britische Besatzungsmacht setzte bereits September 1945 die Tätigkeit der Wetterwarte mit 4 deutschen Angestellten fort und übergab die Wetterstation 1952 an den gerade gegründeten Deutschen Wetterdienst. In Zusammenarbeit mit dem LWL konnte die Wetterstation 1954 wieder in das ursprünglich genutzte Turmgebäude einziehen. Allerdings konnte der Dienst erst ab 1962 nach dem Abschluss weiterer Renovierungsarbeiten wieder wie vor dem Krieg im höchsten Turmraum ausgeübt werden.

Bis zum Jubiläum 1968 wurden etwa 150.000 Wettermeldungen abgegeben: Zu den Rekordmeldungen gehörten bis dato die am 1. Februar 1956 mit -26° gemessene niedrigste Temperatur, der höchste Tagesniederschlag mit 106,3 mm am 4. Januar 1932 und die höchste Schneedecke mit 1,97 m im Februar 1952.

 

Auszug aus den gemessenen Klimawerten der Bergwetterstation (Quelle: Archiv LWL)

Die Wetterstation nahm auch eine wichtige Stellung im bundesdeutschen sowie internationalen Wetterdienst ein. Sie gehörte zu den 82 Stationen im Bundesgebiet die sich im Rahmen der UNO über ihre Erfahrungen und Beobachtungen austauschten. Außerdem unterstützte sie den immer mehr aufkommenden Luftverkehr durch die Messungen in den oberen Luftschichten und gab Auskünfte zu Wetterdaten an Interessenten aller Art wie beispielsweise Verkehrsvereinen und Einrichtungen der Forstwirtschaft.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 110/515
  • Archiv LWL, Best. 115/395
  • Archiv LWL, Best. 205/430

Ehrung der westfäliscfhen Olympiasieger

Vom 12. bis zum 27. Oktober 1968 fanden in Mexiko-Stadt die 19. Olympischen Sommerspiele statt. Mit insgesamt 5516 Athleten aus 112 Nationen steigerte sich das Teilnehmerfeld nochmal deutlich zu den vorherigen Spielen in Tokio 1964.

Die BRD, welche erstmals getrennt von der DDR an der Olympiade teilnahm, entsandte 275 Teilnehmer, davon 232 Männer und 43 Frauen, nach Mexiko. Diese traten in 154 Wettkämpfen in 17 Sportarten an und errangen dabei 26 Medaillen.

Die 27 Athleten aus Westfalen konnten dabei in 6 unterschiedlichen Disziplinen 9 Medaillen gewinnen:

  • Pferdesport: Dr. Reiner Klimke (Gold/Bronze), Hans-Günter Winkler (Bronze)
  • Schwimmen: Michael Klaus (Bronze), Michael Holthaus (Bronze)
  • Stabhochsprung: Claus Schiprowski (Silber)
  • Fünfkampf: Ingrid Becker (Gold)
  • Radsport: Karl-Heinz Henrichs (Silber)
  • Kanu: Detlef Lewe (Silber)

Um die Leistung der westfälischen Teilnehmer zu würdigen, sandte der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Walter Hoffmann unter anderem ein Telegramm an Frau Ingrid Becker nach Mexiko-Stadt. Darin heißt es:

“Ihre westfälische Heimat ist stolz auf Ihre großartige Leistung. Stellvertretend für die Bevölkerung Westfalens übermittle ich Ihnen herzliche Glückwünsche zum ersten Gold für Deutschland.”

Nach Beendigung der Spiele empfing der Landschaftsverband am 04.12.1968 noch einmal 16 Athleten aus Westfalen im Hotel “Kaiserhof”. Beim gemeinsamen Mittagessen berichteten die Teilnehmer über ihre Erfahrungen in Mexiko und konnten sich anschließend noch in das “Goldene Buch” eintragen.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen
    • Archiv LWL, Best. 110/3
    • Archiv LWL, Best. 115/186
       

Glückwunsch von Landesdirektor Walter Hoffmann an die Olympiasiegerin Ingrid Becker (Quelle: Archiv LWL, Best. 115/186)

Konrad-von-Soest-Preis für bildende Kunst an Otto Piene verliehen

Für herausragende Leistungen im Bereich der bildenden Kunst, für ein einzelnes Werk oder die Gesamtleistung eines Künstlers, der entweder im Bereich des LWL tätig ist oder aus Westfalen stammt, wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe seit 1952 alle zwei Jahre der Konrad-von-Soest-Preis verliehen - in Erinnerung an den gleichnamigen großen deutschen Künstler. Am 19. Dezember 1968 ging er an Otto Piene.

„Der Kunstpreis soll ein Bekenntnis zur Kunst unserer Zeit sein. Die Impulse, die von ihm ausgehen, sollen nach unserem Wunsch den Künstler ebenso treffen und anregen wie die Gesellschaft" - So drückte es 1968 der damalige Landesdirektor Walter Hoffmann aus, als er die Ansprache zur Verleihung des Preises hielt.

Der Preis kann nur einmal an denselben Künstler verliehen werden, vielleicht einer der vielen Gründe, warum er in der Kunstszene und darüber hinaus stets an Ansehen hinzugewonnen hat. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der informelle Künstler Emil Schumacher (1956) oder ganz aktuell in 2018 die zeitgenössische Malerin Tatjana Doll.

In dem Jahr, auf welches wir uns dieses Mal beziehen - 1968 - wurde der Preis bereits zum neunten Male verliehen. Preisträger war Otto Piene, bekannt für seine Werke Rund um Licht, Schatten und Feuer. Weitere Bekanntheit erlangte er als Mitglied der Künstlergruppe ZERO.

Pienes bewegtes Leben begann am 18. April 1928 in Lassphe, Westfalen. Er studierte an verschiedenen internationalen Universitäten Kunst und Philosophie und widmete sich bereits früh der Kunst rund um Licht und Schatten. Ob Lichtballett, Rauchzeichnungen oder Feuergouachen; Piene gilt bis heute als Meister seiner Klasse.

1957 gründete er zusammen mit Heinz Mack die Künstlergruppe ZERO, in der er zeitlebens aktiv war. Auch hielt er beispielsweise an der University of Pennsylvania Vorträge über seine Kunst und war parallel dazu mit einem Lehrauftrag beschäftigt. Den Ruf auf einen Lehrstuhl an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart lehnte er 1971 gar ab, um 1972 für eine Professur im Fachbereich „Visual Design for Environmental Art“ (Professor der Umweltkunst) in Boston zur Verfügung zu stehen. Dort lebte und arbeitete er bis zuletzt. Der Kontakt zu seiner deutschen Wahlheimat Düsseldorf brach nie ab. Er verstarb am 17. Juli 2014 in Berlin.

Heute genau vor 50 Jahren, am 19. Dezember 1968 wurde der Konrad-von-Soest-Preis an Otto Piene verliehen. Ausgezeichnet wurden sein malerisches Werk sowie seine Lichtchoreographien. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit folgenden Worten:

„Otto Pienes Werk stellt einen unverwechselbaren Beitrag zur Kunst unserer Zeit dar. Sowohl in seiner Malerei, die durch die Verwendung neuer Techniken zu einer eigenen Form fand, als auch in den Lichtballetten ist es ihm gelungen, ein ästhetisches Gegenbild zu unserer Wirklichkeit zu schaffen. Diese Beziehung zwischen Kunst und moderner technischer Welt ist auch Thema seiner neusten Arbeiten, die die Unterschiede zwischen den Gattungen der Künste aufhebend große Räume in die künstlerische Gestaltung einbeziehen. Das Werk hat den Bereich der bildenden Kunst erweitert.“

An der Harvard University, Carpenter Center for Visual Arts, sagte er im Jahr 1966 in einem seiner Vorträge: „Vielleicht würden die Menschen in den Städten der Zukunft zu Kunstwerken hochblicken, die über den Zonen reinen Lichts und reiner Stille stehen. Sie mögen Plastiken in der Art von Flugzeugen, oder Ballons oder atmende Gebilde mit fliegenden Kiemen oder die Haut der Stadt in merkwürdige Farben sein. Oder nichts von alledem. Nur ein Lichtstrahl. Ein Lichtstrahl zum Mond und ein Regenbogen. Vielleicht werden die Künstler einflussreicher sein: die Sinne zu wecken, entwickeln und verfeinern.“

Noch sind seine zahlreichen Phantasien über die Zukunft nicht eingetreten, und doch hat Otto Piene mit seinen Kunstwerken einen großen Schritt für die Licht-, Schatten- und Feuerkunst getan. In diesem Sinne hat der feierliche Rahmen des Festaktes zur Verleihung dieses angesehenen Preises bleibende Eindrücke hinterlassen, die bis heute im LWL-Archivamt für Westfalen archiviert und dokumentiert sind.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 110/515
    • Archiv LWL, Best. 702/1205

1967

75-jähriges Jubiläum des Naturkundemuseums

Am 10. Februar 1967 feierte das damals noch als "Westfälisches Landesmuseum für Naturkunde" bezeichnete "LWL-Museum für Naturkunde - Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium" in Münster seinen 75. Gründungstag. Die Feierlichkeiten waren für ein ungerades Jubiläum umso größer, da das 50. Jubiläum aus Kriegsgründen nicht stattfand. Als Gründungstag gilt der 10. Februar 1892, an dem die Mitglieder des Provinziallandtags das neue Museum unter Leitung von Landtagsmarschall Alexander Freiherr von Oheimb (1889-1903) besichtigten.

Vor 50 Jahren veranstaltete der Landschaftsverband am 10. Februar 1967 eine Feierstunde im Naturkundemuseum mit geladenen Gästen. Die Anwesenden wurden von dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Ernst Knäpper begrüßt, worauf Grußworte folgten. Der damalige Direktor des Naturkundemuseums, Dr. Ludwig Franzisket, hielt anschließend einen Festvortrag. Landesdirektor Dr. Dr. h.c. Anton Köchling verabschiedete schließlich die versammelten Gäste. Die Pressebesprechung zum Jubiläum, an der 17 Journalisten teilnahmen, fand bereits zwei Tage vorher am 8. Februar statt.

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum

In diesem Rahmen erschien für das zu der Zeit meistbesuchte Museum Westfalens ebenfalls eine Festschrift. Diese reiht sich als Heft 1 im 29. Jahrgang (1967) in die "Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen" ein. Interessant scheint heute, dass die Publikation weder ein Grußwort des Direktors des Landschaftsverbandes oder des Landesrates für Kultur noch eines des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung enthält, sondern als normale Publikation in die "Abhandlungen" passt.

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum

Ein paar Jahre später, im Jahr 1981 zog das Naturkundemuseum von seiner ursprünglichen Liegenschaft in der Himmelreichallee an seinen heutigen Standort am Aasee und erhielt ein Planetarium. Die Planungen hierzu wurden bereits im Jubiläumsjahr angestoßen. Damals teilte der Zoologische Garten dem Landschaftsverband seine Absicht mit, auf die Sentruper Höhe zu ziehen. Da das Museum seine Ausstellungen zu dieser Zeit eng mit dem Zoo abgestimmt hatte, beteiligte man sich fortan an den Planungen, um auch in Zukunft diese Praxis fortzuführen.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/770
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 702/1295

Eröffnung einer Heilstätte für sprachleidende Kinder und Jugendliche in Hamm

Vor 50 Jahren, am 23. Mai 1967, übergab der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die neu in Hamm erbaute Heilstätte für sprachleidende Kinder und Jugendliche ihrer Bestimmung. Bereits seit 1960 war es zwar möglich im Schloss Rheda erste umfangreiche stationäre Behandlungen für junge Patienten anzubieten, allerdings reichte der Platz dort bald nicht mehr aus. Durch den Neubau des Sprachheilinstituts konnten nun anstatt der ursprünglichen 18 fortan bis zu 60 Patienten für eine Behandlungszeit von 100 Tagen je Kur aufgenommen werden. Auch die unmittelbare Nähe zum Hammer Institut für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik war ein großer Vorteil, da so die Betreuung durch Ärzte des psychiatrischen Instituts ermöglicht werden konnte.

Zurückzuführen ist die Behandlung der Sprachstörungen auf das vom damaligen Provinzialverband Westfalen 1948 ins Leben gerufene soziale Hilfswerk für sprachleidende "Volksschulkinder". Der Provinzialverband nahm sich damit auf freiwilliger Basis als erste Einrichtung in Deutschland der Sprachheilfürsorge für sprachgestörte und sprechbehinderte Kinder und Jugendliche an.

Die Notwendigkeit für ein solches Projekt war insofern von hoher Priorität, als dass von den damaligen 900.000 Kindern in Westfalen-Lippe etwa 18.000 (2%) sprachgestört waren, oft bedingt durch Kriegs- und Kriegsfolgegeschehen wie Fluchterlebnisse oder Schockwirkungen durch Bombennächte. Sprachleiden wie Stottern, hervorgerufen durch einen schwachen körperlichen und seelischen Zustand, traten so immer häufiger auf. Dies war oftmals nicht nur für die Betroffenen tragisch, es belastete auch die Angehörigen.

Die Etablierung der westfälischen Sprachheilfürsorge verlief anfänglich nicht ganz ohne Komplikationen. So mangelte es an ausgebildeten Fachkräften wie Sprachheillehrern, ohne die eine effiziente, fachlich angemessene Durchführung der Therapien nicht möglich war. Konzepte wie die Errichtung von Sprachheilkindergärten und die post-stationäre Betreuung steckten bestenfalls noch in den Kinderschuhen.

Erst als 1958 auf Erlass des NRW-Kultusminister die Ausbildung zum Sprachheillehrer in der Pädagogischen Hochschule Dortmund aufgenommen wurde, trat Besserung ein. Bis 1968 konnten im Landschaftsverband Westfalen-Lippe so schon 36.000 sprachkranke Kinder und Jugendliche ambulant und etwa 2.000 stationär behandelt werden.

Mit Eröffnung der neuen Heilstätte 1967 in Hamm konnten Behandlungen unter aktuellsten pädagogischen und psychotherapeutischen Standards durchgeführt werden. Im Laufe der nächsten Jahre wurden die Behandlungsverfahren immer weiter ausgearbeitet. Möglich war dies, weil Sprachheilpädagogen mit Ärzten und Psychologen direkt zusammenarbeiten konnten.

Damit war eine wichtige Grundlage geschaffen, um langfristig eine westfalenweit flächendeckende Versorgung sprachleidender Kinder und Jugendlicher gewährleisten zu können.

 

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Fotosammlung

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 602/260
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/357
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 103/286
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 103/296
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186

Gründung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V.

Um psychisch Kranke nach ihrer Genesung und ihrer Entlassung aus den westfälischen Landeskrankenhäusern bei ihrer Wiedereingliederung und Resozialisierung zu fördern und ihre sozialen Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten, wurde 1967 innerhalb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im Landeskrankenhaus (LKH) Gütersloh die "Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V." gegründet.

Den Anstoß zur Gründung der Gesellschaft gaben Patienten einer offenen Männerstation des LKH Gütersloh, nachdem eben jene Problematik der Wiedereingliederung von psychisch Kranken in die Gesellschaft Kernthema der dort täglich geführten Diskussionsstunden, bestehend aus dem Klinikpersonal und den Patienten selbst, war.

Diese "Therapeutische Gemeinschaft", demokratisch geführt von Patienten, Pflegern und Ärzten gleichermaßen, verabschiedete so am 27. April 1967 eine Satzung, die es sich zum Ziel erklärt hatte, vor allem die Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen. Innerhalb Deutschlands war sie somit die erste Institution dieser Art, im Ausland existierten solche Gesellschaften schon länger.

Der Zweck dieser Gesellschaft sollte duch folgende Punkte vornehmlich erreicht werden:

  1. Einflußnahme auf die in der Öffentlichkeit herrschenden Vorurteile gegenüber den psychisch Erkrankten und den zur Behandlung dieser Kranken geschaffenen Institutionen.
  2. Förderung von Maßnahmen zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen.
  3. Einflußnahme auf Gesetzgebung und Verwaltung im gleichen Sinne.
  4. Lebenshilfe und Betreuung für psychisch Erkrankte.
  5. Förderung von Einrichtungen, die der Rehabilitation von psychisch Kranken dienen.

Aus: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423

Vor allem die in der Öffentlichkeit weit verbreitete Befangenheit, dass Geisteskrankheiten unheilbar seien und nur durch schlechte Erbanlagen entstehen, sollte aufgeklärt werden.

Im Zuge der ersten Sitzung in Gütersloh, an welcher etwa 100 Personen teilnahmen und wovon die Hälfte der anwesenden Teilnehmer Patienten waren, wurde Prof. Dr. Winkler, Direktor des LKH Gütersloh, zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Desweiteren erhielten drei Patienten einen Platz in dem aus vier Personen bestehenden Beirat. Um den Beitritt möglichst vieler Personen zu ermöglichen, legt man sich auf einen Jahresbeitrag von 10.- DM fest.

1976 schloss sich die Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. mit ihrem niederländischen Pendant zum immer noch heute existierenden "Niederländisch-Deutschen Verein für seelische und geistige Gesundheit" zusammen.

Beitrittserklärung zur Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. (Quelle: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423)

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/203
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/225
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/833
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/423

Festakt zum hunderjährigen Bestehen des Westfälischen Landeskrankenhauses Lengerich am 30. Mai 1967

Es war ein besonderes Jubiläum am 30. Mai 1967 in Lengerich. Das dort ansässige Westfälische Landeskrankenhaus feierte unter großer Anteilnahme hochrangiger Vertreter aus Kultur, Politik und Kirche sein hundertjähriges Bestehen. Als zweitälteste westfälische Provinzialheilanstalt nach Marsberg waren von der Gründung bis zum Jahresende 1966 dort etwas über 30.000 Patienten und Patientinnen aufgenommen worden. Eine Vielzahl der Patientenakten befindet sich im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Archiv LWL) und ist nach Ablauf archivgesetzlicher Schutzfristen von der interessierten Öffentlichkeit einsehbar.

In seiner Ansprache zum Festakt umriss Landesdirektor Dr. Anton Köchling, der von einem Tag des Gedenkens, einem Rückblick in die Vergangenheit, aber auch einem Ausblick in die Zukunft sprach, die Wandlung der Einrichtung von der Gründung bis zum Jubiläum: Als das Landeskrankenhaus Lengerich vor 100 Jahren seine Pforten öffnete, galt es seelisch kranke Menschen unter möglichst menschenwürdigen Verhältnissen bis zum Ablauf ihrer Krankheit bzw. bis zum Ende ihres Lebens zu pflegen. Stand anfänglich ausschließlich die Bewahrung im Vordergrund, waren es mit voranschreitender Entwicklung Heilung und Rehabilitation.

Auch Name und Funktion der psychiatrischen Fachkrankenhäuser änderten sich im Laufe eines Jahrhunderts mehrfach. Während sie im 19. Jahrhundert als Irrenhäuser bekannt waren, hießen sie später Heilanstalten. Diese wurden zu Landeskrankenhäusern, aus denen heraus sich psychiatrische Fachkrankenhäuser entwickelten.

Die Phase des Nationalsozialismus brachte seelisch Kranken Menschen unsägliches Leid, namentlich sind 440 Patienten und Patientinnen bekannt, die aus der Heilanstalt Lengerich mit dem Ziel der Tötung abtransportiert wurden. Aber auch nach der NS-Zeit erschwerten vielfach Unverständnis oder gar Spott der Gesellschaft die soziale Integration seelisch kranker Menschen.

Für die Patienten selbst war eine Anstaltseinweisung oftmals gleichzusetzen mit dem Verlust von Freiheit. Im Zusammenhang mit dieser Situation stellt sich in den 1960er-Jahren die Frage, ob der strukturelle Aufbau der Landeskrankenhäuser der zeitgenössischen Auffassung von Unterbringung und Behandlung noch entspricht.

Köchling dankte der medizinischen Wissenschaft, der es gelungen war, seelische Erkrankungen in Verbindung mit der Pharmakologie nicht nur zu bessern, sondern immer öfter zu heilen. Lag der Anteil der Frühentlassungen (Entlassung innerhalb der ersten drei Monate nach der Aufnahme) 1950 bei rund 33% waren es Ende der 1960er-Jahre schon 65%.

Das hundertjährige Jubiläum stand somit auch im Zeichen einer grundsätzlichen Modernisierung psychiatrischer Krankenhäuser und der Hoffnung, dass eine seelische Erkrankung in Verbindung mit gesellschaftlicher Integration nicht mehr als Utopie zu betrachten war.

Im vergangenen Jahr wurde der Öffentlichkeit im Übrigen von der LWL-Klinik Lengerich ein umfangreiches Jubiläumsbuch zum 150-jährigen Bestehen präsentiert, in dem in sehr eindrücklicher Weise auf 552 Seiten die Klinikgeschichte dargestellt wird.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 110/215
  • Archiv LWL, Best. 113/77
  • Archiv LWL, Best. 113/80
  • Archiv LWL, Best. 662/227
  • Archiv LWL, Best. 662/229

Beide Fotos aus:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Fotobestand

25 Jahre Ausbildung zur Sozialarbeit in Westfalen

Am 27. Oktober 1967 gab der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anton Köchling, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Landeshauptmann-Salzmann Schule in Bielefeld einen groben Überblick über den Werdegang dieser Einrichtung, die sich im Verlauf ihrer Geschichte von einer Provinzialschule für Volkspflege zu einer höheren Fachhochschule für Sozialarbeit entwickelt hatte.

Ursprünglich war die damalige Wohlfahrtsschule für Sozialarbeit 1941 als erste überkonfessionelle Schule in Dortmund gegründet worden. Ziel war es dabei, gute, anfangs nur weibliche, Fürsorgekräfte auszubilden und für den Berufsalltag vorzubereiten. Die Lage der Schule in Dortmund, die dazu führte, dass die Schülerinnen mit den sozialen Problemen der Stadt in Berührung kamen, sowie die religiöse Toleranz trugen laut Köchling zum Erfolg der Schule bei. Die erste Direktorin der Schule, Paula Schröder, schaffte es trotz der erschwerten Bedingungen durch den Zweiten Weltkrieg sowie der Zerstörung des Schulgebäudes 1943 gleich in der Anfangsphase für gute Anmeldezahlen zu sorgen.

Nach schwierigen Jahren, in denen die Schule immer wieder an verschiedene Orte verlegt worden war und Lehrpersonal sowie Schülerinnen gezwungen waren, zu pendeln, erfolgte am 1. Oktober 1954 der Einzug in ein Mädchenwohnheim des Johanneswerks in Bielefeld. Bereits kurz nach dem Krieg hatte es Überlegungen gegeben, die Schule wieder in eine große Stadt zu verlegen, um wie vorher in Dortmund die speziellen sozialen Einflüsse auf die Schülerinnen wirken lassen zu können.

Durch steigende Anmeldezahlen und den sich daraus ergebenden Platzproblemen im Gebäude des Johannesstifts entschied sich der LWL, ein neues, modernes Schul- und Internatsgebäude zu errichten, welches 1959 bezogen werden konnte. Durch eine neue Richtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen stellt die Schule ihre Ausbildung von einer zweijährigen auf eine dreijährige Ausbildung um, in deren Rahmen durch Praktika verschiedene Bereich der sozialen Arbeit veranschaulicht wurden. Infolgedessen und aufgrund der Verlegung der Schule in das neue Schulgebäude stieg die Zahl der Anmeldung mit 25 bis 30 neuen Schülerinnen pro Ausbildungsjahr weiter an.

Im Jahr 1966 ergab sich im Zuge des allmählich eintretenden gesellschaftlichen Wandels eine weiter große Veränderung für die Schule: Nachdem bislang ausschließlich Frauen ausgebildet worden waren, wurden jetzt auch Männern der Zugang zur Ausbildung als Sozialarbeiter ermöglicht.

Durch das neue Fachhochschulgesetz vom 02. Juli 1969 hat die Höhere Fachhochschule für Sozialarbeit dann den Rechtsstatus einer Fachhochschule erhalten und ging am 01. August in die Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 103/639
    • Archiv LWL, Best. 103/715
    • Archiv LWL, Best. 110/215
    • Archiv LWL, Best. 115/531

Fotonachweis:

  • Karl Franz Klose, ©LWL-Medienzentrum für Westfalen

1966

Einweihung eines neuen Schulgebäudes für die Blindenanstalt in Paderborn am 17.März 1966

Am 17. März 1966 wurde in einem kleinen Festakt das neue Schulgebäude der von-Vincke'schen Provinzial-Blindenanstalt in Paderborn (heute: Pauline-Schule - LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sehen) von Kardinal Dr. Lorenz Jaeger geweiht und seiner Bestimmung übergeben. Im Jahr 1842 gründeten Pauline von Malinckrodt und Joseph Hermann Schmidt in Paderborn eine private Blindenanstalt. Diese wurde dann 1845 vom Provinzialverband Westfalen als katholische Abteilung der neugegründeten von-Vincke Provinzial-Blindenanstalt übernommen. Zeitgleich wurde in Soest eine evangelische Abteilung aufgebaut. Diese Aufgabenteilung blieb formal bis 1975 erhalten. Der Andrang auf die von Pauline von Malinckrodt und den Ordensschwestern der Christlichen Liebe geleitete Blindenschule war von Beginn an sehr groß. So mussten zwischen 1850 und 1944 immer wieder neue Gebäude errichtet werden, um den wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden.

Frontansicht des Gebäudes (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/644)

Am 5.Dezember 1944 kam es dann zur völligen Zerstörung der Anlage durch Fliegerangriffe. Der Wiederaufbau der kompletten Blindenanstalt samt Schule, Kapelle, Internat und Werkstätten wurde am April 1950 beendet. In den 1950er- Jahren wurden dann auch hauptamtliche Lehrer eingestellt, die nicht Mitglieder des Ordens der Schwestern der Christlichen Liebe waren, zudem wurden nun auch sehbehinderte Kinder unterrichtet. Durch die starke Zuwanderung der Ostvertriebenen und eine sehr hohe Geburtenrate kam es schnell wieder zu Platzproblemen, die sich in allen Bereichen der Blindenanstalt bemerkbar machten. Mit dem Neubau der 12-klassigen Schule mit allerhand Sonderräumen (Physik, Chemie, Musik, Lehrküche, Aula, Turnhalle, Schwimmbad etc.) wurde im September 1964 begonnen. Dabei konnten die im Haushaltsplan vorgesehenen Baukosten in Höhe von 2,4 Millionen DM eingehalten werden. Anstelle von großen Kunstwerken oder Schmuck installierte man im Außenbereich des Gebäudes ein aufwändiges Glockenspiel aus 28 Bronzeglocken, die sich über 2½ Oktaven erstrecken.

Dreimal täglich sollten diese erklingen und von den Schwestern ausgewählte Melodien und Lieder spielen. Zusätzlich konnte das Glockenspiel auch über eine Klaviatur per Hand gespielt werden. Musikbegabte Schüler durften hier als "Glockenspieler vom Dienst" ihr Talent darbieten.

Der Münsteraner Organist Karl Seubel sagte dazu:

„Wenn diese Glockenspielmusik durch das fein ausgebildete Ohr der blinden Kinder den Weg zu ihrem Herzen findet, in ihnen später nachklingt und sie an die Zeit erinnert, die sie unter der Betreuung der Schwestern hier verbracht haben, dann hat diese Anlage ihren guten Zweck erfüllt."

Quelle und Bildnachweis:

LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/644

Westfalentag in Berlin

Im Jahr 1966 durften sich die in West-Berlin lebenden Westfälinnen und Westfalen auf einen eigenen (kleinen) Westfalentag freuen.

Dieser fand vom 1. bis zum 3. Mai 1966 in Berlin statt und wurde gemeinsam vom Westfalenbund und dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) veranstaltet. Die Feierlichkeiten umfassten neben einem zentralen Festakt am letzten Tag auch die Teilnahme an der Mai-Feier vor dem Reichstagsgebäude, Arbeitstagungen und weitere Empfänge.

Gefeiert wurden sowohl das 75-jährige Bestehen der Abteilung Berlin des SGV, als auch der 70. Jahrestag der Gründung des Westfalenbunds Berlin. Bei so einer Feierlichkeit durfte natürlich auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nicht fehlen und entsendete zwei Vertreter: den stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Richard Borgmann für das Grußwort sowie den Pressesprecher Clemens Herbermann für den Festvortrag.

Borgmann, gleichzeitig Landrat des damaligen Landkreises Tecklenburg, sollte in Berlin einen seiner letzten öffentlichen Auftritte haben, denn er verstarb wenige Monate später am 22.Juli 1966. Herbermann sprach in seinem Festvortrag zum Thema "Westfalen - gestern und heute". Er war in seiner Funktion als Pressesprecher auch Chefredakteur und Herausgeber des Westfalenspiegels, der im April 1966 den Westfalen in Berlin eine eigene Ausgabe widmete und über die Veranstaltung berichtete.

Bundespräsident Heinrich Lübke, selbst gebürtiger Westfale und Mitglied des Westfalenbundes, hielt eine Ansprache an seine Landsleute. Ihn begleitete seine Frau Wilhelmine, wiederum Mitglied des SGV Berlin.

Dieser Westfalentag ist allerdings nicht mit dem Westfalentag zu verwechseln, den der Westfälische Heimatbund alle zwei Jahre organisiert. Die diesjährige (2016) Ausgabe findet am 25. Juni in Hagen statt.

Wiedereröffnung der Denkmalgaststätte Porta Westfalica

Das Kaiser Wilhelm Denkmal in Porta Westfalica zieht seit seiner Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts jährlich viele Tausende Besucher aus nah und fern an. Um diesen Menschen ein attraktives Ausflugsziel zu bieten, wurde 1896 mit dem Bau des Denkmals gleichzeitig auch eine Gastwirtschaft errichtet.

In den 1960er-Jahren entschied man sich dazu, den ursprünglichen Holzfachwerks-Pavillon nach über 70 Jahren zeitgemäß den modernen Ansprüchen anzupassen. Hierzu wurde nach einem Entwurf des Mindener Architekten Wilhelm Hempel der Holzpavillon komplett durch einen modernen Gastraum ersetzt.

Der Holzpavillon vor dem Umbau (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655)

Die Zahl der Sitzplätze stieg von 201 auf 214 im Innenbereich, für die Terrasse waren insgesamt 154 Plätze vorgesehen. Für die Umbaukosten wurden einschließlich der technischen Neuausstattung mit Lüftungs- und Heizungsanlage 328.00 DM veranschlagt. Nach der Sommersaison 1965 konnten die Abriss- und Umbauarbeiten am 18. November beginnen. Um sicherzustellen, dass das Gebäude unabhängig von der Witterung spätestens zum Sommer 1966 wieder benutzbar sein konnte, errichtete man ein beheiztes Schutzgebäude aus Holz und Kunststofffolie um den Bau herum. So konnte die Gaststätte am 13. Juni 1966 vom damaligen Pressechef des LWL, Clemens Herbermann und Landesrat Friedrich Röhrs feierlich wiedereröffnet werden. Dabei wurde rückblickend an die großen Feierlichkeiten zur Ersten Einweihung des Denkmals durch den damaligen Kaiser Wilhelm 2. und seine Frau Auguste Viktoria erinnert. Tradiert ist, dass der Kaiser zu den Klängen eines imposanten Posaunenheeres von 700 Männern den Westfalen ein „Hurra!" auf das Denkmal zurief, dass sie seinem Großvater gesetzt hatten. Im Vergleich zu dieser prachtvollen Einweihung lief die Wiedereröffnung der Gaststätte in wesentlich bescheidenerem Rahmen ab.

Die sanierte Gaststätte im Charme der 60er-Jahre (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655)

50 Jahre danach legten Bundesbauministerien Dr. Barbara Hendricks und LWL-Direktor Matthias Löb am 15. September 2016 bei bestem "Kaiserwetter" den Grundstein - inklusive einer Zeitkapsel gefüllt mit Münzgeld und aktueller Tageszeitung - zur Erneuerung der kompletten Ringterrasse des Denkmals einschließlich eines Besucherzentrums und der Gastronomie. Das 12,4 Millionen Euro umfassenden Projekt soll Anfang 2018 fertiggestellt sein.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum Pothmann

Jubiläum der Siedlungsgesellschaft Rote Erde

2016 würde die "Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH" (kurz: Rote Erde) ihren 100. Gründungstag feiern. Nun existiert die "Rote Erde" bereits seit 1970 nicht mehr, doch vier Jahre zuvor feierte sie noch im Festsaal des Rathauses Münster sehr selbstbewusst ihr 50-jähirges Jubiläum.

Der LWL-Landesdirektor bekleidete traditionell den Vorsitz des Aufsichtsrates der Roten Erde. So kam es, dass Dr. Dr. h.c. Anton Köchling bei den Feierlichkeiten zum 50. Gründungstag der Siedlungsgesellschaft die Begrüßung vornahm. Professor Dr. Hans K. Schneider, Direktor des Institutes für Siedlungs- und Wohnungswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, hielt den Festvortrag zum Thema "Raumordnung und regionale Strukturpolitik im ländlichen Siedlungsraum". Eingerahmt wurden die Festlichkeiten von Auftritten der Kammermusikvereinigung der Nordwestdeutschen Philharmonie.

Ihren Gründungstag erlebte die "Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH" in den Wirren des 1. Weltkrieges am 3. Juni 1916. Ihre Hauptaufgabe, die Schaffung von Wohn- und Arbeitsstellen für Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene, wurde in den ersten Jahren durch das zivile Bauverbot und die hohen Preise für Baumaterial erheblich erschwert. Mit der Satzung vom 6. Oktober 1925 gewann die Vermehrung der Bauernstellen und Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe an Bedeutung.

Aufgrund der politischen Änderungen ab 1933 ergaben sich auch für die Siedlungsgesellschaft einige Probleme in der Ausführung ihrer Aufgaben. Obwohl die Förderung der Bauernstellen weiterhin einen großen Stellenwert einnahm, musste der Ankauf von Siedlungsland ab 1938 eingestellt werden, da die ausführenden Organe der Roten Erde die vorgegebene Einheitssatzung des Reichsernährungsministeriums ablehnten. Daraufhin wurde die Anerkennung als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen entzogen. Zudem kam die Geschäftstätigkeit der Roten Erde während des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zum Erliegen, da viele Mitarbeiter zum Kriegsdienst einberufen waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Roten Erde die wichtige Rolle zuteil, die sogenannten "Heimatvertriebenen" aus den ehemaligen "Ostgebieten" des vergangenen Dritten Reiches mit Wohn- und Arbeitsraum zu versorgen.

"Am Eichert in Siegen - Eine Siedlung der Roten Erde von 28 Nebenerwerbstellen, die auf einen Besuch des Aufsichtsrates im Jahr 1965 wartet". (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Bibliothek, WN 21 - Festschrift " 50 Jahre Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH", [Münster 1966], S.68)

So wurden im Zeitraum 1948 - 1965 insgesamt 13.554 Hektar Siedlungsland erworben, welches durch verschiedene Kultivierungsarbeiten nutzbar gemacht wurde. Aufgrund ihrer herausragenden Leistung bekam die Siedlungsgesellschaft im Jahre 1965 die Plakette "Hilfe durch Grün" durch den damaligen Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und späteren Bundespräsidenten Dr. h.c. Heinrich Lübke verliehen.

In den ersten 50 Jahren der Siedlungsgesellschaft standen vor allem die Förderung der ländlichen Siedlung und die Wiedereingliederung der Vertriebenen der beiden Weltkriege im Vordergrund. Von nun an sollte, bedingt durch die sich ändernden Verhältnisse, die Planung und Durchführung von Maßnahmen im öffentlichen Raum (Bodenordnung, Ortssanierung, Ortsentwicklung) sowie die Rationalisierung des Bauens im Bereich landwirtschaftlicher Siedlungen und Agrarstrukturverbesserungen eine größere Bedeutung erhalten.

Allerdings wurde die Rote Erde 1970 mit den nordrhein-westfälischen gemeinnützigen Wohnungsunternehmen "Rheinische Heim GmbH, "Rheinische Heimstätte GmbH" und "Westfälische Lippe Heimstätte GmbH" zur Landesentwicklungsgesellschaft NRW mbH (LEG) fusioniert. Diese agiert heutzutage als LEG Immobilien AG, nachdem sie zwischenzeitlich von 2008 bis 2013 unter dem Namen LEG NRW GmbH firmierte.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/662 (Pressekonferenz)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 110/215 (Rede Landesdirektor)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 307/269 (Satzung, 1925-1939)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/448 (Satzung, 1961-1968)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Bibliothek, WN21

Irmgart Wessel-Zumloh - Erste Preisträgerin des "Konrad-von-Soest-Preises"

Alle zwei bis drei Jahre wird der "Konrad-von-Soest-Preis" an herausragende Künstler, welche in Westfalen-Lippe geboren wurden oder leben, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), verliehen. Von 1952 bis 2016 wurde der "Konrad-von-Soest-Preis" insgesamt 32mal an regionale Künstler verliehen.

Vor 50 Jahren, bei der bis dato 8. Verleihung, wurde die Preisträgerin Irmgart Wessel-Zumloh 1966 mit diesem Preis für ihre zeitgenössische Kunst von besonderer Bedeutung geehrte. Sie war vor 50 Jahren die erste von bis heute insgesamt sechs weiblichen Preisträgerinnen, welche vom LWL für ihre Arbeit gewürdigt wurden.

Die Jury, welcher unter anderem der damalige Landesrat Robert Paasch, Leiter der Kulturpflegeabteilung, angehörte, verlieh am 16.12.1966 der in Grevenbrück geborenen Malerin den mit 10.000,- DM und einer Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster (heute LWL Museum für Kunst und Kultur) dotierten Preis für ihr künstlerisches Werk, welches:

„… sich in lebendiger Auseinandersetzung mit der Malerei unserer Zeit entwickelt und an wenigen Themen den Reichtum von Farbe und Form entfaltet"

Begründung der Jury zur Verleihung des Preises an Irmgart Wessel-Zumloh

Ausschnitt aus dem Programm zu Ausstellung anlässlich der Verleihung des "Konrad-von-Soest-Preis" (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/667)

Die 1907 geborene Irmgart Wessel-Zumloh wuchs ab 1909 in Kleve am Niederrhein auf und begann 1928 zunächst in München Jura zu studieren, konnte aber bald ihren Traum eines Kunststudiums in Königsberg und Berlin verwirklichen. Nachdem sie 1932 zwischenzeitlich die Prüfung für das "Künstlerische Lehramt an Höheren Schulen" ablegte, folgte 1934 die Hochzeit mit dem bekannten Iserlohner Künstler Wilhelm Wessel und der Umzug nach Hemer, wo sie die Möglichkeit hatte, sich vollends ihrer Malerei zu widmen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm Wessel-Zumloh längere Italienreisen, welche entscheidenden Einfluss auf Ihre Kunst nahmen. Aufgrund dessen wichen Landschaften und Figuren in Ihren Kunstwerken nach und nach Stillleben. Weitere Studienaufenthalte in Paris, Spanien, Griechenland und dem Vorderen Orient trugen zudem zu einer vielfältigen malerischen Gestaltung bei, wobei jedoch ihr persönlicher Stil nicht verloren ging.

Die Weiterentwicklung ihrer Kunst findet sich auch in der Glasmalerei, welche unter anderem in der Dreifaltigkeitskirche Iserlohn und der Pfarrkirche von Letmathe-Lasbeck zu sehen ist.

Im Laufe ihres Lebensweges stieg die Popularität ihrer Malerei stetig, sodass ihre Bilder beispielsweise für deutsche Kunstausstellungen in Washington, Neuseeland und Paris ausgewählt wurden. Auch Honorierungen ihrer Werke durch diverse Preise belegen den steigenden Anklang ihrer Kunst.

25 Jahre nach der Preisverleihung wurde der Verein "Wilhelm Wessel / Irmgart Wessel-Zumloh e.V." mit Sitz in der Villa Wessel Iserlohn, zur Pflege und Präsentation des künstlerischen Nachlasses gegründet. Dadurch werden die Kunstwerke des Ehepaares Wessel-Zumloh auch heute noch der Öffentlichkeit zugängig gemacht.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/657 (Pressemitteilung)

1965

Die Einweihung des jugendpsychiatrischen Instituts in Hamm

Als am 01.04.1965 die Einweihungsfeier des Westfälischen Instituts für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik Hamm (heute: LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen) stattfand, handelte es sich nicht um einen Neubeginn sondern vielmehr um die konsequente Fortführung eines Weges in neuer Örtlichkeit, der zum Beginn des vorangegangenen Jahrzehnts in Marsberg begonnen wurde.

Im St. Johannes-Stift Marsberg, das 1881 als Erziehungs- und Pflegeanstalt für Kinder und Jugendliche gegründet worden war, wurde im Herbst 1951 eine kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung eingerichtet, um „durch Beobachtung festzustellen, welche therapeutischen oder erzieherischen Maßnahmen bei gefährdeten Jugendlichen und Fürsorgezöglingen angezeigt sind". Kurze Zeit später, am 07.04.1952, wurde die Abteilung nach Gütersloh verlegt und der dortigen "Heil- und Pflegeanstalt" angegliedert. Nach etwas weniger als einem Jahr am 05.03.1953, wurde die Abteilung durch eine Verfügung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) von der Klinik Gütersloh emanzipiert. Fortan trut sie den Namen Westfälische Klinik für Jugendpsychiatrie und erhielt den Status einer eigenständigen Anstalt. Schließlich wurde im April 1954 der Klinik ein eigener Etat zugesprochen, welcher die Selbstständigkeit unterstrich.

Nach längeren Planungen, die schon 1955 begannen, gab es im Januar 1961 die ersten Baubesprechungen für den neuen Standort Hamm. Das zugrundliegenden Grundstück "Heithof" im östlichen Stadtgebiet war bereits 1959, aufgrund der verkehrstechnisch günstigen und in Westfalen zentralen Lage, nach einem Beschluss des Landschaftsausschusses von der Stadt Hamm erworben worden. Zu den Gründen für den Standort zählte sowohl die Nähe zum Ruhrgebiet wie zur Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster, mit der eine enge Kooperation angestrebt wurde. Auch der Fakt, dass Hamm einen D-Zug-Halt besaß, führte letztendlich dazu, dass sich der Landschaftsverband für Hamm statt Bad Sassendorf oder Münster-Kinderhaus entschied. Die Hoffnung war, dass sich die Angehörigen durch eine einfachere Verkehrsanbindung besser in die Therapie einbinden ließen.

Letztendlich erfolgte im März 1961 die parlamentarische Genehmigung des Baus der Westfälischen Klinik für Jugendpsychiatrie durch die Landschaftsversammlung. Den ersten Spatenstich feierte man am 29. Juni 1961 auf dem Grundstück "Heithof". Um für den Bau der Einrichtung auch Landeszuschüsse zu erhalten, wurde 1962 der Namensbestandteil "Institut" gewählt. Um nicht von dem eigentlichen Zweck, der Behandlung, abzulenken, hängte man häufig den Namenszusatz "mit klinischer Abteilung" oder "mit angeschlossener Klinik" an.

Am 19.02.1965 konnte der Umzug abgeschlossen werden. Der Bau kostete 4 Millionen Mark, die Innenausstattung weitere 430.000 DM. Die Anzahl von ursprünglich 55 Betten in Gütersloh wurde im Neubau verdoppelt. Der Öffentlichkeit wurde die Klinik am 24. März im Rahmen einer Pressebesprechung präsentiert.

Das Westfälische Institut für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik Hamm im Jahr 1968 (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum).

In Gütersloh wurden zwischen 1952 und dem Umzug nach Hamm 5906 Kinder behandelt. In Hamm wurden in den ersten fünf Jahren bis 1970 dann 2855 Kinder behandelt.

Quellen:

LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL,

  • Best. 103/689
  • Best. 115/614
  • Best. 620/876
  • Best. 843/0036
  • Best. 843/0083
  • Best. 843/ 0126

Landschaftliche Selbstverwaltung. Wiederaufbau in Westfalen 1945-1951, bearb. von Helmut Naunin, Dortmund, 1952

Jugendschutz in Deutschland und den Niederlanden - Von Ausreißern bis zu gewaltbereiten Rockergruppen

Nachdem in Nordwalde am 26.5.1964 die erste niederländisch-deutsche Konferenz über Jugendschutzprobleme im Grenzgebiet stattgefunden hatte, lud die "Belangengemeenschap Twente - Ost Gelderland" gemeinsam mit dem Landesjungendamt Westfalen zu einer Arbeitstagung am 27.4.1965 im Ferienzentrum "Het Stift" in Weerselo (Niederlande) ein. Die Zusammenkunft wurde unter dem Thema "Jugend in der Freizeit" abgehalten und sollte dem Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des sittlichen Jugendschutzes dienen sowie die Unterschiede in der Organisation der Jugendhilfe in beiden Ländern beleuchten.

Probleme im Bereich des Jugendschutzes gab es im Besonderen mit deutschen Jugendlichen, die in den Niederlanden kriminell auffällig wurden. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den niederländischen Jugendschutzbehörden hatte zur Folge, dass diese kriminellen Jugendlichen direkt dem Landesjugendamt Münster gemeldet wurden, welches dann Kontakt zu den Familien aufnahm. Ein weiteres Phänomen waren Jugendliche, die versuchten, sich über die niederländische Grenze von zuhause abzusetzen. Kein Problem mehr waren hingegen einige Jahre zuvor erfolgte gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen deutschen und niederländischen Jugendgruppen aus der Rock'n'Roll Szene in der niederländischen Ortschaft Overwinkel an der deutschen Grenze bei Gronau, da sich die involvierten Banden im Zuge von subkulturellen Veränderungen in der Zwischenzeit aufgelöst hatten.

Die verbesserte Zusammenarbeit der Behörden stieß jedoch bei den unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen über den Jugendschutz an ihre Grenzen. So waren beispielsweise Druckerzeugnisse mit pornographischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten für Jugendliche in den Niederlanden - anders als im Falle ihrer deutschen Altersgenossen - zugänglich.

Programm der Konferenz in Weerselo (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, 115/616)

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/616

Fotonachweis "Het Stift"

Hochwasserkatastrophe und schnelle Hilfe in Ostwestfalen

Am 16. und 17. Juli 1965 kam es in Ostwestfalen insbesondere in den Kreisen Paderborn, Büren und Warburg zu einer Hochwasserkatastrophe. Durch heftigen Starkregen stiegen Bäche und Flüsse wie die Alme und Diemel rasch an und traten über die Ufer, in den Talungen kam es zu verheerenden Überschwemmungen. Vielerorts wurden Brücken und Häuser teilweise bis vollständig zerstört.

Der heute zur Borchen gehörende Ortsteil Etteln wird am 16.Juli 1965, dem "Schwarzen Freitag", besonders schwer von den Fluten getroffen. Sechs Menschen ertrinken in den Fluten. (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Der Landesverband Westfalen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) setzte im Katastrophengebiet 300 Fachkräfte ein, die besonders auf dem sozialen Gebiet Hilfe leisteten. So wurden Feldküchen für die Verpflegung eingerichtet sowie Betten, Matratzen und Decken für die von Obdachlosigkeit Betroffenen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig gab es einen Spendenaufruf "Hochwasserhilfe Westfalen" des DRK an die Bevölkerung, um den schwer geschädigten Menschen durch Geldspenden zu helfen.

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Präsident des Landesverbandes des DRK Westfalen, Dr. Anton Köchling, bat in einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe alle Westfalen darum, dem Spendenaufruf zu folgen. Mit gutem Beispiel gingen die Westfälischen Provinzial-Versicherungsanstalten - die Westfälische Provinzial-Feuersozietät und die Provinzial-Lebensversicherungsanstalt Westfalen - voran, indem sie einen Betrag in Höhe 30.000,- DM spendeten.

Zwei Tage nach dem Unglück überflog Köchling mit einem Hubschrauber der Bundeswehr das Katastrophengebiet, um sich von der Durchführung der notwendigen organisatorischen Arbeiten und dem Stand der Aufräumarbeiten ein Bild zu machen. In Gesprächen mit den vielen Geschädigten wurde ihm bestätigt, dass der Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes und der Straßenverwaltung Westfalen des LWL hervorragend geklappt hatte. Baudirektor Hans Fischer von der Straßenverwaltung Westfalen des LWL war auch vor Ort um sich ein Bild über die Zerstörung insbesondere an Straßen und Brücken zu verschaffen.

Die zerstörte Almebrücke in Bürgen-Wewelsburg (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Größere Brücken wie die Diemelbrücke südlich von Warburg (Bundesstraße 7) oder die Almebrücke westlich von Paderborn (Bundesstraße 64) wurden durch das Hochwasser so zerstört, dass sie nicht mehr benutzbar waren. Einspurige Behelfsbrücken wurden von Pioniereinheiten und Firmen eingebaut, sodass sie schon am 22.7 in Betrieb genommen werden konnten. Weitere Brücken wie die Lippebrücke in Sande zwischen Paderborn und Delbrück (Bundesstraße 64 oder die Almebrücke westlich von Paderborn (Landstraße 813) mussten zeitweilig teilweise oder ganz für den Verkehr gesperrt werden.

Die Almebrücke in Schloß Neuhaus kann dem Druck nicht standhalten und zerbirst in den frühen Morgenstunden des 17.Juli. (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/ 185, Best. 843/0175
  • Kreisarchiv Paderborn, 3 Fotots; an dieser Stelle vielen Dank an den Leiter des Kreisarchivs Paderborn, Wilhelm Grabe, für die Bereitstellung der Fotos.

Literaturhinweis:

  • Wilhelm Grabe, Niemand konnte sich erinnern, je eine solche Regenmenge erlebt zu haben. Die Hochwasserkatastrophe vom Juli 1965 im Kreis Paderborn, in: Die Warte 166 (2015), S.2-9.

Verkehrsübergabe des Teilabschnitts der Bundesautobahn 1 (Hansalinie) von Kamen nach Münster am 9. September 1965

„Im Netz der Bundesautobahnen schafft die Hansalinie eine wichtige Verbindung zwischen dem Rhein-Ruhrgebiet und den deutschen Nordseehäfen und stellt neben der 1962 fertiggestellten Bundesautobahn Hamburg - Frankfurt - Basel eine zweite Nord-Süd-Verbindung dar. Die Hansalinie wird zwischen West-Süd-Europa und Skandinavien ebenfalls dem Transitverkehr dienen, der im Bundesautobahnnetz eine wichtige Grundlage für einen reibungslosen zwischenstaatlichen Güteraustausch innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes vorfindet. Neben dem Fernverkehr erfährt auch der Regionalverkehr eine entscheidende Förderung durch die Hansalinie. Die Wirtschafts- und Verkehrsstruktur des Münsterlandes, des Emslandes sowie des Oldenburger Landes wird erheblich verbessert. Diese Erkenntnisse veranlassten die von der Neubaustrecke berührten Städte und Industrie- und Handelskammern unter Federführung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bereits am 1.12.1955 in einer Denkschrift auf die Dringlichkeit der Verwirklichung der Hansalinie hinzuweisen. Im April 1958 folgte die zweite Denkschrift über die Notwendigkeit des Baubeginns."

Mit der vorstehenden Charakterisierung wurde die Verkehrsbedeutung der Hansalinie 1965 im Baubericht der Straßenverwaltung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe über den Abschnitt Kamen-Münster erläutert. Heute führt die Bundesautobahn 1 mit einer Länge von 749km von Heiligenhafen an der Ostsee bis nach Saarbrücken. Nach wie vor ist diese Westdeutschland durchziehende Autobahn Grundlage für den Großteil jeglichen Nord-Süd-Verkehrs. Geplant wurde diese Strecke bereits im Grundnetz der Reichsautobahn 1933, um die "Ruhrtangente" über das Kamener Kreuz, Münster und Osnabrück mit Bremen zu verbinden.

Das am 9.September 1965 übergebene Teilstück führt über 36,7km vom Kamener Kreuz bis an die Anschlussstelle Münster Süd. Insgesamt betrugen die Baukosten 214 Millionen DM. Darin enthalten waren auch die Kosten für umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen, für die 1,2 Millionen Bäume gepflanzt und 15 Tonnen Gras- und Kleesaaten verwendet wurden. Besonderer Wert wurde hierbei auf die in vier bis fünf Kilometer Abständen an landschaftlich reizvollen Punkten platzierten Rastplätze gelegt: „Sie geben dem Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit, Fahrzeugreparaturen durchzuführen und vor allem ungefährdet vom rollenden Verkehr zu rasten", wie es in der damaligen Pressemitteilung hieß.

Eröffnet wurde die Strecke feierlich durch den Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten, Joseph P. Franken, den Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, und den Bundesminister für Verkehr, Dr.-Ing. Hans-Christoph Seebohm. Neben der Verwaltungsspitze waren auch die geistlichen Würdenträger vertreten. So wurde die Autobahn durch den Bischof von Münster, Prof. Dr. Joseph Höffner, geweiht und vom Oberkirchenrat Otto Schmitz gesegnet. Auch der Landesrabbiner Emil Davidovic sprach einige Grußworte zur Übergabe.

Die Rot markierte Strecke befand sich in der Planung, die graue Strecke befand sich im Bau und die lila Strecke wurde bereits zuvor eröffnet.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/630

Tanzturnier als Heiltherapie

Ein Tanzturnier mit einer sehr ungewöhnlichen Zuschauerkulisse fand am 16.Oktober 1965 im westfälischen Landeskrankenhaus Eickelborn statt. Die Teilnehmer waren aus mehreren Städten der Bundesrepublik angereist, um am Amateur-Tanzturnier des Turnieramtes Hamburg teilzunehmen.

Das Besondere waren in diesem Fall jedoch nicht die Teilnehmer selbst, sondern die Zuschauer, nämlich die Patienten der Anstalt. Am Vormittag vor der offiziellen Veranstaltung haben die Kranken in festlichen Sommerkleidern das Tanzbein geschwungen. „Am Nachmittag fand dann das „Experiment mit fraglichem Ausgang" statt, wie die Westfälische Rundschau ihren Bericht betitelte. Wolf-Achim Kühn, Inhaber einer Dortmunder Tanzschule stellte die Turnierpaare vor, die Herren in Frack, die Damen in eine Tüllwolke gehüllt. Die Zuschauer waren Patienten, sehr ruhig und gelassen im Verhalten, jedoch geizten sie nicht mit Applaus für die Tanzpaare. Im Vorfeld der Veranstaltung waren die Patienten genau ausgewählt worden, im Zeitungsbericht werden sie als „harmlose Patienten und weitgehende gebesserte Fälle" skizziert. Auch Patienten mit forensischem Hintergrund aus dem abgesicherten Bereich der Klinik nahmen an der Veranstaltung teil.

Außenansicht des Festsaals der Landesklinik Eickelborn (Quelle: Archiv LWL Best. 847/Fotoalbum Pothmann)

Im Anschluss an das Turnier fand für die eingeladene Presse zusätzlich noch eine Führung durch die Landesklinik statt. Dabei wurde erläutert, dass der Direktor der Einrichtung, Dr. Schneller, stets bemüht sei, den Patienten den Aufenthalt in der Anstalt so angenehm wie möglich zu machen. Es würde versucht, den Patienten Besserung zu verschaffen, denn eine Heilung sei nur in wenigen Fällen möglich. Im Gespräch erklärte Dr. Schneller:

„Vielen von ihnen müssen wir die Freiheit nehmen. Denn nur wenige von ihnen kommen freiwillig zu uns. Sie stehen unter Zwang und Druck, und wenn wir nicht die Türen abschließen, laufen sie uns weg. Auf der anderen Seite bemühen wir uns, sie von der seelischen Last des Eingesperrt seins zu befreien. Wir machen mit ihnen Ausflüge, feiern ein Schützenfest, führen sie in Kino und zu unterhaltsamen Abenden. Auch dieses Tanzturnier gehört zur Therapie".

Als Randnotiz bleibt zu erwähnen, dass der Anstaltsarzt Dr. Schulka mit seiner Frau zusammen mit 20 anderen Paaren tanzte und den 4. Platz in der Seniorenklasse 2 errang.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/631, Best. 656/248

1964

Werner Adams und die Westfälische Landeseisenbahn AG

Verabschiedung und Ehrung des langjährigen Direktors

Die Westfälische Landeseisenbahn AG (WLE) wurde 1881 als "Warstein-Lippstädter Eisenbahngesellschaft" mit Sitz in Lippstadt gegründet. Hauptanteilseigner des Unternehmens war ursprünglich der Provinzialverband Westfalen, zu den weiteren Aktionären zählten Landkreise und Gemeinden im Einzugsbereich der Bahn sowie verschiedene Unternehmer. Als Verkehrsmittel mit regionaler Bedeutung erschloss sie verkehrsarme Gebiete Westfalens und bediente die Klein- und Mittelindustrie sowie den Berufsverkehr.

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/15

Von 1932 bis 1963 lenkte Werner Adams als Vorstandsmitglied in führender Position die Geschicke der WLE. Auf der Hauptversammlung des Verkehrsunternehmens am 17.Januar 1964 in Bad Waldliesborn wurde er vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Anton Köchling verabschiedet. Köchling würdigte die "langjährige, verdienstvolle und erfolgreiche Tätigkeit" und bedankte sich für die vertrauensvolle und gute Arbeit, insbesondere auch in den schweren Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Werner Paul Gottfried Maria Adams wurde am 22.06.1898 in Berlin geboren. Nachdem er als Gefreiter im 1. Weltkrieg gedient hatte, begann er 1919 ein Bauingenieursstudium an der Technischen Hochschule Berlin. Seine praktische Ausbildung begann Adams 1923 im Bereich Eisenbahn- und Straßenbau bei der Reichsbahndirektion, welche er 1925 erfolgreich abschloss. 1926 bestand Werner Adams die zweite Staatsprüfung und übernahm anschließend die örtliche Bauleitung für den Bau einer Kleinbahnanlage in Altena. Im Januar 1927 trat Adams eine Stelle bei der Reichsbahn im Reichsbetriebsamt Duisburg 3 an. In dieser Zeit sammelte er enorme Erfahrung im Bereich des Eisenbahnwesens und erhielt zeitweise die Leitung über den Bahnhof Essen-Bergeborbeck. Auch die Bauleitung beim Bau des Haltepunktes Duisburg-Obermeiderich übernahm Adams und war außerdem an der Umgestaltung des Bahnhofes in Oberhausen beteiligt. Am 8.April 1932 wurde Werner Adams für den in den Ruhestand getretenen Eisenbahndirektor Hermann Mumme in den Vorstand der Westfälischen Landeseisenbahn AG berufen, weshalb er sich bei der Reichsbahn beurlauben ließ. Nachdem ihm die Leitung des technischen Dezernats übertragen wurde, welches er bis zu seiner Pensionierung Ende 1963 leitete, kündigte er zum 3.Januar 1934 bei der Reichsbahn und vollzog damit den vollständigen Übertritt zur Westfälischen Landeseisenbahn.

Von 1941 bis zu seiner Pensionierung war Adams auch der Geschäftsführer der Kraftverkehr Westfalen GmbH - einer Tochtergesellschaft der WLE mit dem Ziel, die Personenbeförderung aus Rationalisierungsgründen auf den Omnibusbetrieb zu verlagern.

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/373

Im Mai 1964 überreichte Ernst Schlensker, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Werner Adams das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Adams erhielt die Auszeichnung für seine großen Verdienste als oberster Betriebsleiter des kommunalen Verkehrsunternehmens. Hervorgehoben wurde, dass es ihm zu verdanken sei, dass die Westfälische Landeseisenbahn sofort nach 1945 wieder in Gang gekommen und trotz der zunehmenden Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße lebensfähig geblieben sei.

Schon in den 1950er-Jahren zeichnete sich durch die zunehmende Verlagerung des Verkehrs auf die Straße eine größere Unrentabilität der Landeseisenbahn ab. Seit Ende der 1960er-Jahre jedoch verschärfte sich die finanzielle Situation der Westfälischen Landeseisenbahn AG zunehmend und der Betrieb konnte nur durch Zuschüsse des Landes und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aufrecht erhalten werden. 1976 musste als Bedingung einer Liquiditätshilfe des Landes der Personenverkehr eingestellt werden.

Am 11.12.1979 wurden die WLE-Aktien des LWL sowie der Kreise Soest, Warendorf und Borken auf die Westfälische Verkehrsgesellschaft übertragen und die AG wurde in eine GmbH umgewandelt.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/184; Best. 132/ Personalakte Werner Adams; Best. 110/424; Best. 308/5; Best. 307/16; Best. 303/1; Best. 303/41
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archivbibliothek, WV 3

Westfälisches Landeskrankenhaus Münster

Feierliche Eröffnung einer Simultankirche und Verabschiedung von Direktor Dr. Engelman

Am 28. Juni 1964 um 15.00 Uhr erfolgte nach zweijähriger Bauzeit die Übergabe der neuerrichteten Simultankirche St. Lukas und St. Thiatildis und der Kapelle St. Johannes von Gott an das Westfälische Landeskrankenhaus (WLK) Münster. Anwesend waren neben dem Direktor des Landschaftsverbandes Dr. Köchling und diversen Vertretern der Landschaftsversammlung auch der frühere Oberbürgermeister der Stadt Münster, Dr. Busso Peus, der Direktor des WLK Münster, Dr. Engelmann, der Architekt Albert Kreuzheck, sowie der Vertreter der Katholischen und der Evangelischen Kirche. Dem Charakter der Simultankirche entsprechend hielten in der Feierstunde in ausgewogener Form neben Domkapitular Stammkötter und Superintendent Braun auch der katholische Anstaltspfarrer Drees sowie der evangelische Pfarrer Drobnitzky Ansprachen.

In seiner Rede beim anschließenden Kaffeetrinken im Festsaal des WLK Münster erläuterte Köchling, dass " im Gegensatz zur Kirche im bombenzerstörten Hauptgebäude und zur Behelfskirche im sogenannten Lazarettgebäude des WLK dieses Gotteshaus eine Simultankirche ist und beiden Konfessionen dienen soll." Weiter führte er aus, das "in erste Linie bei dem Entschluss, die Kirche möglichst schlicht und einfach zu halten, an die Kranken selbst gedacht wurde, damit sie nichts ablenkt und beunruhigt. Hier können sie wahrhaft andächtig sein." Köchling nutzte die Gelegenheit auch zur Würdigung des Direktors Dr. Engelmann, welcher zwei Tage nach der Eröffnung der Simultankirche seinen Abschied nach 14 Jahren als Leiter des Krankenhauses feiern sollte: " Der so häufige Wiederspruch zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Altersgrenzen und der geistig-körperlichen guten Form einer Persönlichkeit, auf deren Mitarbeit wir nur schweren Herzens verzichten, ist in Ihrem Fall besonders offensichtlich. Aber das Gesetz schreibt uns Ihre Verabschiedung vor. Wir müssen uns fügen. Unter Ihrer Leitung wurde im Zuge der allgemeinen Entwicklung aus 'Marienthal', der Anstalt, ein echtes Krankenhaus".

Paul Josef Engelmann, wurde am 01. Juli 1899 in Lohne bei Oldenburg geboren. Nach dem Kriegsdienst begann er ein Medizinstudium an der Universität Münster, welches ihn auch an die Universitäten München, Wien, Berlin und Freiburg führte. In Freiburg legte er im Frühjar 1923 das ärztliche Staatsexamen ab, dem kurze Zeit später auch die Promotion folgte. Nach mehreren Stationen in Einrichtungen des Provinzialverbandes wurde Dr. Engelmann am 01. Mai 1949 schließlich mit den Aufgaben des Direktors des Landeskrankenhauses Münster betraut.

In einer Feierstunde am 2. Juli 1964 im Festsaal des Westfälischen Landeskrankenhauses Münster bedankte sich Landesrat Hagemann ausdrücklich bei Dr. Engelmann für sein Wirken beim Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Landeskrankenhauses Münster und entließ den Landesmedizinaldirektor in den wohlverdienten Ruhestand.

Quellen: Archiv LWL, Best. 132/C11A Nr. 738 (Personalakte Engelmann), Best. 132/ C11A Nr. 1172 (Personalakte Drees), Best. 110/213, Best. 115/184,. Best. 115/Pressebesprechungen (unverzeichnet)

Fotos:

  • Bild Simultankirche: Archiv LWL, Best. 658
  • Bild Engelmann: Archiv LWL Best. 132 / C11A Nr. 738

What does the name Westfalia stand for?

Frachtmotorschiff Westfalia befährt das Weltmeer zwischen Hamburg und Yokohama

Am 26.8.1964 ist das 164,33 Meter lange Frachtmotorschiff "Westfalia", das im Auftrag der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hamburg-Amerika-Linie) auf der Werft "Blohm & Voss" gebaut wurde, vom Stapel gelaufen und getauft worden. Die Tragfähigkeit des auf der Ostasienroute eingesetzten Schiffes betrug 12000 Tonnen und ihre Dienstgeschwindigkeit 21 Knoten. Nach Äußerungen Wilhelm Trabers (Vorstandsmitglied der Hamburg-Amerika-Linie) bei der Taufe dürfte Westfalia " das schnellste Schiff der deutschen Handelsflotte werden".

Kerndaten zum Frachtmotorschiff Westfalia (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26)

Die Taufe nahm die Gattin von Prof. Dr. Baumann, Vorstandsvorsitzender der chemischen Werke Hüls in Marl, unter den Worten vor: " Ich taufe dich auf den Namen Westfalia! Ich wünsche dir allzeit glückliche Fahrt! Künde auf allen Meeren und in aller Welt von unserem Lande Westfalen".

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, überreichte die Grüße und Glückwünsche des Westfalenlandes und bemerkte bei der Taufansprache, dass eine stille und heimliche Liebe der Westfalen von frühester Zeit an der Seefahrt gelte. Auch erinnerte Köchling an die westfälische Beteiligung an der Hanse. Er schloss mit den Worten: " Möge MS „Westfalia" eine allzeit glückliche Fahrt haben, möge sie auf den Meeren der Welt Zeuge sein für die Tüchtigkeit der Männer von Blohm & Voss, für den hansischen Wagemut der Hamburg-Amerika-Linie und möge sie auf stets friedlicher und guter Fahrt stolz den Namen unseres Westfalenlandes über die Meere in alle Welt tragen."

Auch Ernst Christian Freiherr von Werthern, Vorstandsmitglied der Blohm & Voss AG Hamburg und Sohn eines ehemaligen Landrates des Kreises Soest, bekundete bei der Tauffeier seine Freude über die Benennung des Schiffes nach seiner westfälischen Heimat.

Im Dezember 1964 fand die Jungfernfahrt der „Westfalia" von Hamburg über Bremerhaven, Rotterdam, Antwerpen, Port Said, Djibouti, Singapur, Hong Kong, Pusan und Kobe nach Yokohama statt. Zu den repräsentativen Empfängen in den Häfen, die das Schiff anlief, war ein Informationsprospekt unter dem Titel " What does the name Westfalia stand for?" erstellt worden, welcher über den Landesteil Westfalen informierte. Dieser Prospekt wurde samt eines Erinnerungspakets mit westfälischen Fleischwaren, einer Flasche Steinhäger, einer Dose Dortmunder Bier, Pumpernickel und zu guter Letzt einer Serviette aus westfälsichen Leinen an die Gäste übergeben.

Knapp ein Jahr später repräsentierte Landesdirektor Dr. Köchling abermals die westfälische Landschaft auf dem Motorschiff: Anlass war eine vorweihnachtliche Sendung des ZDF über ein Schiff der Handelsflotte auf großer Fahrt während der Weihnachtszeit. Hierfür wurde als repräsentatives Schiff die „Westfalia" ausgewählt. In seiner Eigenschaft als Schiffspate übergab Dr. Köchling im Rahmen der Dreharbeiten dem Kapitän der „Westfalia", Gerhard Hynitzsch am 12.November 1965 in Antwerpen einen Weihnachtsbaum mit Wurzel und Erde, der landschaftsverbandseigenen Forstgut Ammeloe stammte. Auch wurde für die 54-köpfige Besatzung des Schiffes Bücher der westfälischen Autoren Karl Schulte-Kemminghausen, Paul Pieper und Ursula Bours als Weihnachtsgeschenk überreicht.

Weihnachtsfest an Bord der "Westfalia" am 26.12.1965 mit jugendlichen Gästen es Kapitäns und der beleuchteten westfälischen Tanne im Hintergrund (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26)

Quellen

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26, 115/185
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archivbibliothek, XC 15 (Januarausgabe des Westfalenspiegels 1966)

Westfalen grüßt die Medaillengewinner von Tokio

Vom 10. bis 24. Oktober fanden in Tokio und damit zum ersten Mal in Asien die bis dato teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten statt. 683 Frauen und 4.457 Männer aus 93 Ländern nahmen an den 163 Wettbewerben in 20 Sportarten teil.

Deutschland wurde letztmalig bis zur Wiedervereinigung durch eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft mit 376 Olympioniken vertreten, darunter 182 westdeutsche und 194 ostdeutsche Athleten. Von diesen Sportlern schafften es 209 in den jeweiligen Sportarten unter die besten sechs zu gelangen. Insgesamt holten die deutschen Olympioniken 10 Goldmedaillen, 22 Silbermedaillen und 18 Bronzemedaillen. Willi Daume, Präsident des bundesdeutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), warnte jedoch vor unbegründetem Jubel: „Wir sind noch einmal davongekommen, die Medaillen von Tokio sind nicht die von Mexiko 1968."

Unter den Deutschen Medaillengewinnern befanden sich auch neun Westfalen:

  • Dr. Reiner Klimke (Münster): Goldmedaille in der Mannschaftsdressurprüfung sowie eine Silbermedaille in der Einzeldressurprüfung
  • Karl-Heinz Henrichs (Bocholt): Goldmedaille im 4.000 Meter Mannschaftsverfolgungsrennen
  • Klaus Kobusch (Bocholt): Goldmedaille im Tandem
  • Harry Bold (Iserlohn): Goldmedaille in der Mannschaftsdressurprüfung sowie eine Silbermedaille in der Einzeldressurprüfung
  • Hans-Günther Winkler (Warendorf): Goldmedaille im Springreiten (Preis der Nationen)
  • Harald Norpoth (Münster): Silbermedaille im 5.000 Meter Lauf
  • Klaus Jürgen Rost (Witten-Annen): Silbermedaille im Freistilringen (Leichtgewicht)
  • Fritz Ligges (Dortmund-Asseln): Bronzemedaille in der Military Einzel- und Mannschaftswertung
  • Günther Lyhs (Kierspe): Bronzemedaille im Mannschaftsturnen (Zwölfkampf)

Um die westfälischen Olympiasieger zu beglückwünschen, wurde ihnen bei ihrem Eintreffen in der westfälischen Heimat ein kurzes standardisiertes Gruß- und Glückwunschtelegramm vom damaligen Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anton Köchling, übersandt. Beim Ehrungsprozedere hielt man sich im Übrigen seitens des LWL bewusst zurück. Hintergrund war die Erinnerung an einen vier Jahre zurückliegenden Artikel in der Zeitung "Die Welt", in der damals in Zusammenhang mit der Ehrung westfälische Olympiateilnehmer in ironischem Unterton über eine Glückwunschflut von Dr. Köchling berichtet worden war.

Quellen:

Planung eines Regionalflughafens in Ostwestfalen-Lippe - "Nagelsholz bleibt Nagelsholz wird nicht der Bielefelder Stolz"

Anfang der 1960er-Jahre wurde in Ostwestfalen im Raum Bielefeld der Bau eines Flughafens für den Nah- und Bedarfsverkehr geplant. Einer ersten Planungskonferenz, an der die Landkreise Bielefeld und Detmold sowie die jeweiligen Industrie- und Handelskammern aus Bielefeld und Detmold teilnahmen, folgte die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsflughafen Ostwestfalen-Lippe. Nachdem insgesamt zehn verschiedene Flughafengelände vorgeschlagen und diskutiert wurden, verblieben nach einem Vergleichsgutachten drei möglich Standorte für den Regionalflughafen (zwei in Nagelsholz, einer in Lockhausen-Uebbentrup).

Die Landesplanungsgemeinschaft Westfalen bezog in einer gutachtlichen Stellungnahme im Jahre 1964 Position zugunsten eines Standortes in Nagelholz. Lärmbelastungsbedenken des Staatsbades Salzulfen spielten hierbei ebenso eine Rolle wie die starke Siedlungsdichte und das Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse in der Nähe von Lockhausen-Uebbentrup. Auch sah man auf dem Gelände in Nagelholz eher die Möglichkeit einer späteren Erweiterung des Regionalflughafens. Trotzdem entschied sich die Mehrheit der Mitglieder des „Arbeitskreises Ostwestfalen-Lippe" Ende 1964 für den Standort Lockhausen-Uebbentrup.

Der Landesplaner Heinz Langer bezeichnete es daraufhin als einen „landesplanerischen Schildbürgerstreich", wenn „wir gleichzeitig einen Nahverkehrsflughafen in Lockhausen und das Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse verfolgen". Erst nach einer Stellungnahme des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Gerhard Kienbaum, welcher aufgrund des Siedlungsvorhabens Altenhagen-Milse erklärte, dass „nur der Standort Nagelsholz Aussicht auf Verwirklichung habe", kam es zu einer Entscheidung zu Gunsten von Nagelsholz.

Am 30. Juni 1966 wurde daraufhin die Flughafen Ostwestfalen-Lippe GmbH gegründet, welcher die Stadt und der Kreis Bielefeld sowie die Industrie- und Handelskammer Bielefeld und Detmold angehörten. Im Juli 1970 genehmigte der Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen den Bau und den Betrieb des Regionalflughafens, nachdem der Regierungspräsident von Detmold, Ernst Graumann, zu dem Schluss kam, dass „eine unzumutbare Lärmbelästigung der benachbarten Siedlungsgebiete nicht zu befürchten sei", und die am Verfahren Beteiligten „den Bau des Regionalflughafens befürworten bzw. im Wesentlichen bedenkenfrei beurteilt hätten".

Plan mit Einzeichnungen der Gelände Nagelsholz und Lockhausen-Uebbentrup sowie dem Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/608).

Jedoch standen Fragen der Finanzierung und Weigerung von Eigentümern ihre Grundstücke zu verkaufen einem Baubeginn im Wege. Zudem kam es zu massiven Protesten von Seiten der Bevölkerung, die eine starke Lärmbelästigung befürchteten: Demnach hätten der zu erwartende dauerhafte Lärum durch den Flugverkehr sowohl gesundheitliche Folgen für die Anwohner gehabt, als auch zu einer Minderung der Lebensqualität und der Grundstückswerte geführt. Auch wurde die Zerstörung der Landschaft und der Umwelt als Argument angeführt und der Bedarf des Regionalflughafens im Verhältnis zum finanziellen Aufwand in Frage gestellt. Doch nicht nur von Seiten der Bevölkerung kam es zu Protesten, auch die Städte Enger und Spenge sowie das Amt Werther versuchten das Projekt zu verhindern.

Aufgrund der ablehnenden Haltung der Bevölkerung, anhaltender Finanzierungschwierigkeiten und negativer Berichterstattung der Presse vermehrten sich nun auch die kritischen Stimmen in der Politik, was eine Verwirklichung des Projekts immer unwahrscheinlicher machte. Im Mai 1980 bezeichnete die Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes NRW, Liselotte Funke, das Flughafen-Projekt als „nicht mehr zeitgemäß" und beendete es.

Heute steht eine Eiche vor dem Rathaus der Stadt Spenge, welche mit einer Informationstafel mit folgender Inschrift versehen ist: „Diese Eiche wurde 1982 zur Erinnerung an die erfolgreichen Bemühungen zur Verhinderung des Flugplatzes Nagelsholz gepflanzt."

Quellen:

Weiter Literaturangaben:

  • „Dummheit und Stolz wollen Nagelsholz; der Kampf gegen den Regionalflughafen im Gebiet Lenzinghausen-Jöllenbeck" von Maike Bartsch (Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 2000, Bielefeld 1999)
  • „Wer schießt denn da mit Paragrafen? Verhinderung eines Flugplatzes" von Maike Bartsch, 1999 (Beitrag zu Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten)

1963

Der Neubau der Landesfrauenklinik Paderborn

Bis 1983 wurde vom LWL in Paderborn eine Landesfrauenklinik betrieben. Diese Klinik, deren Ursprung auf dem 1834 begründeten Paderborner Hebammen-Lehrinstitut beruht, ging 1876 in die Trägerschaft des Provinzialverbandes Westfalen über. 1928 wurde zusätzlich zur Lehranstalt für die Ausbildung von Hebammen und der Säuglingsklinik eine gynäkologische Abteilung eingerichtet.

Seit 1949 wurde ein Neubau des Lehrinstituts geplant. Primärer Grund war der Platzmangel in dem alten Klinikgebäude, der dazu führte, dass die werdenden Mütter sogar im Keller untergebracht werden mussten. Der Operationssaal war zu klein und es konnte nicht zwischen der Frauen- und der Säuglingsklinik getrennt werden. Zudem erschwerten dei Treppenstufen am Eingang werdenden Müttern den Zugang zur Klinik. Der dann im August 1958 begonnene Neubau sollte für insgesamt 200 Schwestern, 200 Patientinnen und 105 Neugeborene Platz bieten.

Nach vierzehnjähriger Planungs- und Bauphase wurde der Neubau der Landesfrauenklinik in Paderborn am 1. Februar 1963 eingeweiht. Unter den zahlreichen Gästen waren unter anderem Erzbischof Dr. Lorenz Jäger, der Direktor des Landschaftsverbandes Dr. Anton Köchling, der Chefarzt der Klinik Dr. Fritz Peters sowie der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Albrecht Gehring (MdB), anwesend.

Dr. Köchling sagte in seiner Rede bei der Eröffnungsfeier der neuen Landesfrauenklinik Paderborn: " Die vornehmste Aufgabe dieses Hauses ist damals wie heute die Ausbildung von Hebammen. Sie dient dem Leben unmittelbar. Ich kenne keine Aufgabe, die sittlicher, ethischer und volkswirtschaftlich bedeutsamer wäre. Denn eine Frau, die Leben gebiert, ist der Mittelpunkt der Welt."

Zum 1. April 1983 verkaufte der LWL die Westfälische Landesfrauenklinik an die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vincenz von Paul zu Paderborn.

Quelle: Archiv LWL 110/212 und Archiv LWL 115/183

Die Landschaftsverbandsordnung als Fundament regionaler Selbstverwaltung

Als im Mai 1953 die Landschaftsverbandsordnung für das Land Nordrhein-Westfalen als staatsrechtliches Fundament der beiden Landschaftsverbände mit großer Mehrheit vom Landtag verabschiedet wurde, war eine siebenjährige Auseinandersetzung um den Erhalt der regionalen Selbstverwaltung in Westfalen und im Rheinland, die sich über drei Landtagswahlperioden hinzog, beendet.

In Erinnerung an die Geburtsstunde der beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe und anlässlich des zehnjährigen Bestehens trafen sich deren Landschaftsausschüsse und die jeweiligen Landesräte als Wahlbeamte zu einer gemeinsamen Arbeitstagung vom 7. bis 9. Mai 1963 in Westfalen. Das Programm mit Empfang in Münster und Besuchen des Heilbades Bad Waldliesborn, der Landesfrauenklinik Paderborn und der Blindenschule Soest war eng gestrickt. Dem kollegialen Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie der Demonstration rheinisch-westfälischer Geschlossenheit dienten auch Vorträge zum Thema " 10 Jahre Landschaftsverbandsordnung" von Landesdirektor Anton Köchling und vom Ersten Landesrat Helmut Naunin, der in Presseausschnitten zur Arbeitstagung auch als Chefideologe der Landschaftsverbände bezeichnet wird.

Naunin brachte zum Schluss seines Vortrages den Wunsch zum Ausdruck, " dass die Landschaftsverbände als lebenswichtige Bausteine des Landes vertrauensvoll mit einer sicheren Stetigkeit ihrer Entwicklung rechnen dürfen." Und wohl nicht nur im Rückblick auf den jahrelangen Kampf um den Erhalt der landschaftlichen Selbstverwaltung warnt er: " Es geht nicht an, dass immer wieder einmal von berufener und unberufener Seite die Existenzfrage angeschnitten wird".

Auf die Sinnhaftigkeit und den Nutzen regionaler Selbstverwaltung hebt auch Köchling in seinem Vortrag ab, wenn er abschließend resümiert: " Die Idee des Freiherrn vom Stein, Selbstverwaltung als natürliche Grundlage eines Staates, ist heute so modern wie zu seiner Zeit".

Der bedeutsame Stellenwert der Landschaftsverbandsordnung für die landschaftliche Selbstverwaltung wird in der Ansprache des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, Albrecht Gehring, zur Begrüßung des Landschaftsverbandes Rheinland am 7. Mai 1963 im Landeshaus deutlich, indem er sie als "eine Art zweites Grundgesetz unseres Landes" bezeichnet.

Im Rahmen der gemeinsamen Arbeitstagung übermittelten die beiden Vorsitzenden der Landschaftsversammlungen Rheinland und Westfalen-Lippe dem NRW-Ministerpräsidenten Dr. Meyers ein Telegramm, in dem sie ihn ausdrücklich als Förderer der Selbstverwaltung würdigen.

Quelle: Archiv LWL 115/Pressebesprechungen

Fiedln - Temporärer Bestandteil der Bildungsarbeit im Jugendhof Vlotho

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, eröffnete am 28.10.1963 ein einwöchiges Treffen der Fidelfreunde auf dem Jugendhof Vlotho, bei dem Fidelbauer und -spieler mit Komponisten und Herausgebern von Fidelmusik sowie mit Pädagogen zusammenkamen. Der Anlass für die Zusammenkunft lag in dem 20-jährigen Jubiläum des Baus der ersten "modernen Fidel" (eine vereinfachte Form der historischen "Fiedel" des Mittelalters), die 1943 von Peter Harlan gebaut wurde. Mit dieser Fiedel, einem kleinen handlichen Instrument, das auch im Marschgepäck eines Soldaten Platz hatte, wollte Harlan einen Kontrast zur Trostlosigkeit der letzten Kriegsjahre setzen. Diesem Gedanken folgte der spätere Geschäftsführer des Jugendhofes Vlotho, Karl Frank, der im Krieg nahe seiner Heimatstadt Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen diente. Unter seiner Anleitung sind zahlreiche Fideln hergestellt worden, die in den Schützengräben gespielt wurden.

Der gelernte Maschinenbauingenieur Karl Frank blieb seiner Leidenschaft, der Herstellung von Musikinstrumenten, auch nach dem Krieg treu. So fand er beim Geigenbaumeister Johann Reiter in Mittenwald von 1946-1950 eine Anstellung als Fidelbauer. Von 1951 bis zu seiner Einstellung beim Jugendhof Vlotho am 01.07.1955 verdingte er sich als selbständiger Fidelbauer mit eigener Werkstatt. Die mit der Einstellung Franks beim Jugendhof verbundene Idee, den Fidelbau und das Fidelspiel in das Angebot des Jugendhofes aufzunehmen, fand großen Zuspruch. Zur Unterstützung stifteten der LWL und der damalige Bundesvetriebenenminister Theodor Oberländer je zwei Fideln. Bereits im November 1955 wurde der erste Fidellehrgang erfolgreich abgeschlossen und die erste öffentliche Vorstellung eines Fidelchors des Jugendhofes folgte zeitnah bei einer Dichterlesung. In den darauf folgenden acht Jahren bis zum Jubiläumstreffen in Vlotho 1963 wurden nahezu tausend Fideln und etwa halb so viele verwandte Instrumente auf dem Jugendhof hergestellt und bald eineinhalbtausend Männer und Frauen aller Altersgruppen und aus allen Teilen Westfalens absolvierten die angebotenen Fidelspiel-Lehrgänge.

Beispiel für musische Bildung beim Jugendhof Vlotho: Chor vor dem Eingang zum Altbau 1957 (Foto: Karl Franz Klose, LWL-Medienzentrum für Westfalen)

Auch politisch fand das musikalische Engagement des Jugendhofes Beachtung. Auf einen Besuch des Landesrabbiners Dr. Meyer und dessen Ehefrau bei Dr. Anton Köchling im Januar 1960 folgte alsbald ein Treffen des Ehepaares Meyer mit Karl Frank in Vlotho. Geplant wurde eine sechs- bis achtwöchige Reise von Frank nach Israel, um auf Wunsch der jüdischen Jugendorganisation die führenden Jugendgruppen in Israel mit dem Fidelspiel und dem Fidelbau bekannt zu machen. Zu dieser Reise sollte es jedoch aus organisatorischen Gründen nie kommen; allerdings wurden unter dem Zeichen der Völkerversöhnung in Vlotho 26 durch Spendengelder finanzierte Fideln für das israelitische Kinderdorf Ben Shemen hergestellt.

Quellen: Archiv LWL 115/183, 132/C11SichernA 498, 110/213, 702/1991

Die Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises (Westfälischer Literaturpreiss).

"Friedrich Sieburg schrieb ein Teil der Weltliteratur mit"

Die Festveranstaltung des Westfalentages in Brakel am 28.September 1963 bot unter Teilnahme des Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke den feierlichen Rahmen für die Verleihung des Westfälischen Literaturpreises, den der in Altena geborene Professor Dr. Friedrich Sieburg erhielt. Die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gestiftete Preissumme betrug dabei erstmalig 10.000 DM.

Preisträger Prof. Dr. Sieburg (links) und der Direktor des LWL, Dr. Anton Köchling (rechts). In seiner linken Hand hält Köchling die Ansprache zur Preisverleihung, die sich im Archiv LWL (Best. 110/213) befindet und deren erste Seite unten abgebildet ist. (Foto: LWL/Medienzentrum).

Seit 1935 wurde in der Regel alle zwei Jahre der Westfälische Literaturpreis verliehen. Im Jahre 1946 ist der Preis umbenannt worden und hieß von nun an "Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis". Er dient der Erinnerung an die große deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Die Auszeichnung wird bis heute für besondere dichterische Leistungen vergeben und zeichnet entweder ein einzelnes Werk oder die Gesamtleistung des Dichters aus. Auch die Herkunft des Preisträgers spielt bei der Preisverleihung eine große Rolle. Wie auch für den Westfälischen Literaturpreis gilt für den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis bis heute die Bestimmung, dass der Preisträger entweder in Westfalen geboren, aufgewachsen oder im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ansässig sein muss. Die Möglichkeit einer Ausnahme besteht nur dann, wenn das auszuzeichnende Werk eine besondere Bedeutung für Westfalen hat.

Das Preisgericht bestand aus neun Mitgliedern. Als vier ständige Mitglieder gehörten der Jury an: Landesrat Paasch als Vertreter des LWL, der auch den Vorsitz bekleidete, Prof. Dr. Rasch als Inhaber des Lehrstuhls für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Münster, Bibliotheksdirektor Dr. Meyer als Vertreter der Fachstelle Schrifttum des Westfälischen Heimatbundes und schließlich der Bibliotheksdirektor Dr. Thiekötter als Vertreter der Droste-Gesellschaft. Der Fachausschuss für landschaftliche Kulturpflege bestimmte im Sommer 1963 die fünf weiteren Mitglieder. Neben zwei Vertretern des Fachausschusses selbst, Karl Hoffmann und Prof. Dr. Karl Zuhorn, wurden aus dem Bereich des deutschen Schrifttums und der Literaturkritik Dr. Clemens Herbermann, Ernst Meister (Preisträger aus dem Jahre 1957) und Herta Trappe in die Jury berufen.

Nach einer bratenden Sitzung am 26.August 1963 sprach sich die Jury einstimmig für den am 18.Mai 1893 in Altena geborenen Professor Dr. Friedrich Sieburg aus. Als Begründung hob die Jury hervor, dass Sieburg ein hervorragender Essayist sei und als der beste historische Belletrist gelte. Seine Romanbiographien über Robespierre, Napoleon und Chateaubriand wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sind ein Stück Weltliteratur. Seine Arbeiten verweisen auf die Eigenart seiner westfälischen Herkunft durch die Verbindung von Weltoffenheit und Eigenwilligkeit, von Beharrung und Sinn für das Neue. Zum internationalen Durchbruch führte sein 1929 erschienenes Buch "Gott in Frankreich?". Es wurde in 8 Sprachen übersetzt.

In einer feierlichen Zeremonie überreichte Dr. Köchling, Direktor des LWL, den Preis mit folgenden Worten: "Nehmen Sie heute den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis entgegen als Dank und Anerkennung und vor allem als Ausdruck der Verbundenheit Ihrer westfälischen Heimat mit Ihnen und Ihrem literarischen Schaffen. [...] Wir schätzen uns glücklich, heute einen Autor auszeichnen zu können, der durch die Kraft seines weithin wirkenden Wortes das geistige Gesicht der Zeit mitgeprägt hat."

Erste Seite der Ansprach Dr. Köchlings zur Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises am 28.September 1963

Quellen: Archiv LWl: 103/527, 702/1195, 702/1991, 110/213

Vierspuriger Ausbau des Ruhrschnellweges

Schleichweg wieder Schnellweg - Freigabe einer Verkehrsschlagader

Die Autobahn 40 und die Bundesstraße 1 bilden bis heute die wichtigste Ost-West-Verbindung im Kern des Ruhrgebiets. Der sogenannte Ruhrschnellweg zwischen Essen und Unna ist 52,7 km lang. Im 34 km umfassenden westfälischen Teil verbindet diese Straße die Städte Bochum, Dortmund und Unna. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg wurde die damalige Reichsstraße 1 innerhalb von 7 Jahren gebaut und 1935 dem Verkehr übergeben. Das starke Aufkommen des Verkehrs nach dem Krieg stellte die Frage nach einem Ausbau dieser Verkehrsverbindung. In Folge eines Antrags der SPD-Bundestagsfraktion aus dem Jahre 1952 wurde das Landesstraßenamt Bochum mit der Ausbauplanung eines vierspurigen Ruhrschnellweges beauftragt.

Bei der Planung mussten vor allem die Besonderheiten des Ruhrgebietes berücksichtigt werden. Die dichte Bebauung, zahlreiche kreuzende Straßen und Eisenbahnen und eine Vielzahl von Versorgungsleitungen mussten in die gesamte Planung, Bauvorbereitung und die Bauausführung mit einbezogen werden. Vor dem Baubeginn wurden rund 50 km des Straßennetzes außerhalb der B1 ausgebaut beziehungsweise ausgebessert. Somit konnten die Umleitungsstrecken den Verkehrsfluss aufnehmen. Trotz aller Bemühungen war es nicht immer möglich, in Spitzenstunden Verkehrsstauungen zu vermeiden.

Die Gesamtstrecke wurde in neun Bauabschnitte unterteilt. Simultan wurde an verschiedenen Streckenabschnitten mit einem Baufortschritt von etwa 3,5 km pro Jahr gearbeitet. Die Bauphase begann im April 1954 mit einem Baggergriff für die neue Brücke an der Bahnhofstraße in Wattenscheid. Im November 1955 wurde die erste Teilstrecke von Essen-Kray bis Bochum an den Verkehr übergeben. Weitere Abschnitte waren:

  • Dortmund (Schnettkerbrücke) - Borussiastraße (Freigabe Juli 1957)
  • Borussiastraße - Provinzialstraße (Freigabe Oktober 1958)
  • Wattenscheid - Dorstener Straße (Freigabe Oktober 1958)
  • Dorstener Straße - Bergstraße (Freigabe Juli 1960)
  • Provinzialstraße - Werner Straße (Freigabe Januar 1961)
  • Stadtgebiet Bochum (Freigabe Oktober 1962)
  • Anschlussstelle an die Bundesautobahn 1 (Kreuz Dortmund/Unna) - B 234 bei Dortmund-Sölde (Freigabe November 1962)

 

Nach 9½ Jahren wurde der Restabschnitt von Dortmund-Sölde bis zur Marsbruchstraße in Dortmund am 18. November 1963 in einer feierlichen Zeremonie für den Verkehr freigegeben. Unter der Vielzahl von Teilnehmern befanden sich auch der Bundesverkehrsminister Dr. Hans-Christoph Seebohm und der zuständige Landesminister Joseph Paul Franken. Nach den Ansprachen der Minister und einer ersten Fahrt auf der neuen Strecke folgt auf besondere Einladung ein Mittagessen im Goldsaal der Westfalenhalle. Dort unterstrich der Direktor des LWL, Dr. Anton Köchling, in seiner Begrüßung die "große Leistung" der Straßenbauer des LWL und sprach die Hoffnung aus, dass der Ruhrschnellweg in Zukunft " unser westfälisches Verkehrsnetz bereichern und dazu beitragen [möge], dass auch menschliche Verbindungen gefestigt und vertieft werden".

Einige Zahlen zum Ausbau des Ruhrschnellweges

Im Rahmen der Bauarbeiten, an denen rund 100 Firmen beteiligt waren, wurde das bestehende Straßennetz mit 14 Anschlussstellen an den Ruhrschnellweg angebunden. Insgesamt war der Bau von 53 Brücken erforderlich, darunter 37 Straßenbrücken, 10 Eisenbahnbrücken und 6 Fußgängerbrücken. Aufgrund des erforderlichen Abbruchs von 44 Häusern, musste für rund 205 Familien Ersatzwohnraum beschafft werden. Der Bau der B 1 hat insgesamt rund 300 Millionen DM gekostet, davon entfielen rund 225 Millionen auf den westfälischen Teil.

Quellen: Archiv LWL: Best. 115/Pressemitteilungen, Best. 110/213; LWL-Bibliothek: RUHR4; VWS 1

 

1962

30.000 DM vom LWL für Sturmflutopfer

Auch LWL-Bedienstete spendeten 1962 für Hilfsmaßnahmen an der ostfriesischen Küste

Am 16. Februar 2012 jährte sich zum fünfzigsten Male die wohl schwerste Sturmflut des 20. Jahrhunderts an der deutschen Nordseeküste und Teilen des Binnenlandes. Nicht nur Hamburg, auch die ostfriesische Küste war massiv betroffen.

Die Sturmflut von 1962 verwüstete auch große Teile der ostfriesischen Küste. (Foto: NLWKN Betriebsstelle Aurich)

Der LWL pflegte zu dieser Zeit enge Beziehungen zum höheren Kommunalverband Landschaft Ostfriesland. Die Verbundenheit Westfalens mit Ostfriesland drückte der LWL durch eine unbürokratische und schnelle Spende von 30.000 DM für Hilfsmaßnahmen aus. Die Spende erfolgte im Rahmen eines Dringlichkeitsbeschlusses vom 23. Februar 1962 durch den Landesdirektor und dem Vorsitzenden des Landschaftsausschusses. Der Landschaftsausschuss nahm in seiner Sitzung vom 2.März 1962 zur außerplanmäßigen Ausgabe zustimmend Kenntnis.

Über diese offizielle Hilfe hinaus, führte auch der Personalrat eine Spendensammlung bei den Bediensteten des LWL durch. Dabei stellten beispielsweise das Personal und die erwachsenen Bewohner in der damaligen Blindenanstalt Soest Finanzmittel als Spende zur Verfügung, die ursprünglich im Haushaltsplan für Gemeinschaftsveranstaltungen vorgesehen waren.

Quelle: Archiv LWL, Best. 141 Nr. 5

"Stätte der Erholung für schaffende Bevölkerung"

1962 beteiligte sich der LWL an der Biggesee-GmbH

Vor 50 Jahren wurde der LWL neben dem Landkreis Olpe und dem Ruhrtalsperrverein Gesellschafter der Biggesee-GmbH. Im Frühjahr 1962 stimmte der Landschaftsausschuss der Beteiligung des LWL zu. Im Gesellschaftsvertrag heißt es, dass die Biggetalsperre "alle Voraussetzungen für eine Stätte der Erholung unserer schaffenden Bevölkerung und sportlich Ertüchtigung der Jugend erfüllt. Die Sicherung einer für die Volksgesundheit so wertvollen Anlage ist ein zwingendes Anliegen unserer Zeit."

1962 erfüllte der LWL noch Aufgaben in den Bereichen Naturparkplanung und Fremdenverkehrsförderung. Mit der Gründung der Biggesee-GmbH wollte man die nötigen Infrastrukturmaßnahmen, wie zum Beispiel den Bau von Wanderwegen, Parkplätzen und Wassersportanlagen finanziell absichern.

Die LWL-Beteiligung ist 2009 an den Landkreis Olpe veräußert worden, da zu dieser Zeit die Bereiche Naturparke und Fremdenverkehr schon länger nicht mehr zum Aufgabenkreis des LWL gehörten. Bei einer aufgabenkritischen Betrachtung der LWL-Leistungen wurde die Beteiligung als verzichtbar eingestuft.

Quelle: Archiv LWL, Best. 103/494

Warnung vor Gefahren bei Auslandsreisen für die Jugend

Landesjungedamt richtet im Sommer 1962 ungewöhnlichen Appell an Erziehungsberechtigte

Im Sommer 1962 veröffentlichte der LWL eine eindringliche Pressemitteilung: Das Landesjugendamt mahnte die Eltern vor den Gefahren von Auslandsreisen für die Jugend. "Abenteuerlust, wirklichkeitsfremde Erwartungen, unbedachtes Vertrauen gegenüber Fremden, unzulängliche Geldmittel, unzureichende Kenntnis der Sprache, der Sitten und der Gewohnheiten des besuchten Landes können Jugendlichen in Lagen bringen, denen sie nicht gewachsen sind", heißt es in der Mitteilung und endet mit einem Appell: "Bewahrt Eure Kinder vor diesen Gefahren! Laßt Sie nicht ohne gründliche Vorberieitung ins Ausland fahren!"

Auch Jugendliche zog es zu Zeiten des Wirtschaftswunders immer öfter ins Ausland, wie hier zwei junge Männer nach Salzburg. "Allzuoft werden solche Reisen jedoch in großer Sorglosigkeit angetreten", warnte 1962 das LWL-Landesjugendamt. (Foto: Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen - Landschaftsverand Westfalen-Lippe).

"Das klingt heute in Zeiten grenzenloser Mobilität, die auch für viele Jugendliche gilt, recht ungewöhnlich", sagt Hans-Jürgen Höötmann vom LWL-Archivamt und erklärt die Hintergründe: " In den 1960er Jahren setzte in Deutschland mit dem Wirtschaftswunder auch der Massentourismus ein. Arbeitszeitverkürzungen und die höheren Löhne und Einkommen hatten mittlerweile die Möglichkeiten zur Freizeit vermehrt." Es herrschte einerseits eine Aufbruchstimmung, die auch viele Jugendliche erfasste, die andererseits aber noch von einer Unsicherheit im Umgang mit der neuen Freizügigkeit geprägt war.

1962 untersützt der LWL eine Ferienaktion für Berliner Kinder

Dankesschreiben von Willy Brandt

1962 stellte der LWL 25.000 DM zur Verfügung, um 90 Kindern und Jugendlichen aus West-Berlin Ferienaufenthalte in westfälischen Kurheimen zu ermöglichen. Dieses Engagement wurde nach dem Abschluss der Aktion vom damaligen Regierenden Bürgermeister von Berlin, Willy Brandt, in einem Dankesschreiben an den LWL gewürdigt. Darin heißt es:

" In diesem Sommer mußten die West-Berliner stärker als je zuvor unter dem Druck der Abschnürung ihrer Stadt leiden. Vielen Eltern und alleinstehenden bedürftigen Müttern, die sich keine Ferienreise leisten konnten, war es daher ein besonderes Herzensanliegen, wenigstens ihren Kindern sorglose und ungebundene Ferienwochen zu ermöglichen. Dabei haben Sie das Hilfswerk Berlin wieder tatkräftig unterstützt. Ich danke Ihnen im Namen aller Berliner Bürger, daß Sie diesjährigen Ferienaktionen wieder nach besten Kräften gefördert und damit Ihre Verbundenheit zu Berlin eindrucksvoll bewiesen haben."

Quelle: Archiv LWL 115/183

Foto: AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

1962: Orden für Kulturaustausch zwischen Westfalen und Westflandern

Am 20. Dezember 1962 verlieh der belgische König dem damaligen Landesdirektor Dr. Anton Köchling sowie dem damaligen Landesrat Robert Paasch hohe Ehrungen. Aufgrund der kulturellen Verdienste erhielt LWL-Direktor Köchling das Kommandeur-Halsband des Ordens Leopolds 2. und Landesrat Paasch die Offiziersauszeichnung des gleichen Ordens. Die Verleihung erfolgte im Haus der belgischen Regierung in Brüssel, die Auszeichnungen wurden vom damaligen Minister für Mittelstand Albert de Clerck überreicht.

1962 verlieh der belgische Minister Albert de Clerck (2.v.r) Orden an Landesdirektor Dr. Anton Köchling (l.) und Landesrat Robert Paasch (r.). Foto: LWL/Medienzentrum

In seinen Dankesworten sagte Köchling: " Wir empfinden diese Auszeichnung als eine außergewöhnliche Ehrung nicht nur für uns persönlich, sondern für ganz Westfalen. [...] Die Auszeichnungen sollen uns aber nicht allein eine Ehre sein. Sie sind uns eine Verpflichtung für die Zukunft. Nehmen Sie mit meinen Worten des Dankes auch die Versicherung entgegen, dass wir stets bemüht bleiben, die menschlichen und kulturellen Bande zwischen Ihrem schönen Land und Westfalen enger zu knüpfen."

Im Jahre 2010 wurde das 50-jährige Jubiläum anlässlich des Kulturaustausches im offiziellen Rahmen gefeiert.

Quelle: Archiv LWL 110/212 und Archiv LWL 115/183

1961

Westfalen - Land hinter dem Bindestrich

1961 äußert sich Landesdirektor Dr. Anton Köchling zum Selbstverständnis Westfalens

1961 jährte sich zum 15. Mal die Gründung des Landes Nordrhein-Westfalen. Aus diesem Anlass setzte sich im selben Jahr der damalige Landesdirektor Dr. Anton Köchling in einem Rundfunkinterview unter anderem mit dem Heimatbegriff Westfalen und der landschaftlichen Selbstverwaltung auseinander.

„Eine Verwaltung gehört zu Land und Leuten und nicht in die fernen Spitzen der Ministerien", äußerte sich Köchling. Der Satz zeugt von einem jahrelangen Ringen um die Eigenständigkeit der Westfalen in der landschaftlichen Selbstverwaltung, das 1953 zur Gründung der beiden Landschaftsverbände führte.

„Dem Rang nach sind Westfalen und das Rheinland - Länder. Wenn wir sie nun staatspolitisch nicht als solche anerkennen, dann müssen wir ihnen wenigstens auf der kommunalpolitischen Ebene ihr Recht geben", führt Köchling weiter aus. Der Landesdirektor zog nach achtjähriger Existenz der Landschaftsverbände das Resümee, dass die Pflege der Eigenart historisch gewachsener Landschaften der beste Kitt für den Zusammenhalt sei, „ so wie es die Landschaftsverbände sind für die Einheit unseres Landes."

Laut Köchling sei es keine Liebesheirat gewesen, die Nordrhein und Westfalen eingegangen sind: " Es war eine Ehe aus reiner Vernunft. Diese Verbindung ist aber dennoch glücklich geworden". Der damalige Landesdirektor prognostizierte dieser Verbindung am Ende des Interviews, dass sie sich auch in Zukunft bewähren wird.

Der Text des Interviews

Quelle: Archiv LWL, 115/182

Die Landschaftsversammlung - Damals und heute

1961 bildete sich das dritte "Westfalenparlament"

Vor 50 Jahren, am 9. Mai 1961, vermeldet der Pressedienst des LWL den Abschluss der Wahlen zur dritten Landschaftsversammlung. Das sogenannte Westfalenparlament stellt neben dem Direktor des LWL und dem Landschaftsausschuss das dritte gesetzliche Organ des LWL dar und lenkt durch seine Entscheidungen die Geschicke der Verwaltung.

1961 sendeten die Kreise und kreisfreien Städte entsprechend der Ergebnisse der Kommunalwahlen in Westfalen insgesamt 113 Abgeordnete in die Landschaftsversammlung, darunter drei weibliche Mitglieder. Dabei entfielen auf CDU und SPD jeweils 51 Sitze, auf die FDP 11 Sitze.

Aktuell (2010-2014) läuft die 13. Wahlperiode der Landschaftsversammlung. Fünf Fraktionen sind vertreten: Neben CDU, SPD und FDP befinden sich Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke im Parlament. Die 101 Abgeordneten aus den neun Kreisen und 18 kreisfreien Städten in Westfalen sind überwiegend im öffentlichen Dienst beschäftigt. Deutlich verändert hat sich der Anteil weiblicher Parlamentarier im Laufe der Jahre. Mittlerweile sind nahezu ein Drittel der Mandate mit Frauen besetzt.

Vorstellung des Modells für den Neubau des LWL-Landesmuseums für Kunst- und Kulturgeschichte

1961 soll aus Ruinen ein Museum entstehen.

Im Juli 1961 präsentierte der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) öffentlich das endgültige Modell für den Neubau des Westfälischen Landesmuseums in Münster. Das Modell ging aus einem öffentlichen Wettbewerb auf Bundesebene hervor. Unter 135 Teilnehmern belegt der Architekt Hans Spiertz aus Köln mit seinem Entwurf den ersten Platz.

Der Architekt Hans Spiertz entwarf das Siegermodell für den Neubau des LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster von 1961. Hier die Ansicht vom Aegidiimarkt. (Foto: LWL/Archivamt)

"... letzte Ruine zwischen Domplatz, Pferdegasse und Rothenburg"

Ein Neubau wurde durch die starke Zerstörung, die das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs erlitten hatte, notwendig. 1961 war das Gelände um den Altbau des Landesmuseums "die letzte Ruine zwischen Domplatz, Pferdegasse und Rothenburg", teilte damals die Hochbauabteilung des LWL mit. Dieser Zustand sollte sich ändern durch die Mittel für den Beginn des ersten Bauabschnittes, die im Haushaltsplan des Jahres 1961 verankert waren. Insgesamt waren für den Bau circa 15 Millionen DM veranschlagt worden.

Mögliche Platzprobleme

Geplant war, dass sowohl das Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, als auch das Museum für Vor- und Frühgeschichte (heute: LWL-Museum für Archäologie in Herne) im Neubau untergebracht werden sollten. Generell sollte sich das neue Bauwerk, so beschrieb es die Hochbauabteilung, "möglichst gut in die vorhandene Situation einfügen". Schon 1961 war der LWL-Hochbauabteilung bewusst, dass es zu Platzproblemen kommen könnte: " Für die großen Bestände beider Museen ist das Gebäude relativ klein", hieß es in der damaligen Pressebesprechung.

2009 begannen die Abrissarbeiten

Die Eröffnung konnte schließlich 1970 gefeiert werden. Fast 40 Jahre Später, 2009, wurde mit dem Abriss des Museumsbaus begonnen. Er war mit den Jahren stark sanierungsbedürftig geworden. Da die Kosten einer Sanierung sehr hoch gewesen wären, hat sich der LWL zu einem Neubau entschlossen, der den Bedürfnissen einer überregional bedeutenden Sammlung mit den vielfältigen Exponaten gerecht wird. Durch den Neubau soll mehr Platz für die Sammlungspräsentation zu Verfügung stehen. Das LWL-Museum für Archäologie zog bereits 2003 von der Rothenburg in einen Neubau nach Herne um.

Ehrung für den scheidenden Direktor des Provinzialinstitues für westfälische Landes- und Volkskunde, Professor Franz Petri

Am 12. Dezember 1961 wurde in einer Feierstunde im Landeshaus Prof. Franz Petri, der auf den Lehrstuhl für rheinische Geschichte an der Universität Bonn berufen worden war, als Direktor des Provinzialinstitutes für westfälische Landes- und Volkskunde verabschiedet. Landesdirektor Dr. Köchling sprach im Zusammenhang mit der zehnjährigen Leitungstätigkeit des am 22. Februar 1903 in Wolfenbüttel geborenen Petri von einem Meilenstein in der Geschichte des Instituts und würdigte die Verdienste Petris. Besonders hob er die Publikationsreihe "Westfälische Forschungen", das Werk "Der Raum Westfalen", die Herausbildung des guten Verhältnisses des LWL zur Wilhelms-Universität Münster, die positive Entwicklung des Tags der westfälischen Geschichte sowie grundsätzlich das wissenschaftliche Wirken Petris für das Westfalenland hervor.

Quelle: Archiv LWL Best. 115 Nr 182.

Bild: Archiv LWL Best. 914

"Neujahrsgruss an alle Westfalen"

Vor 50 Jahren versendete der damalige LWL-Direktor Dr. Anton Köchling gute Wünsche und blickte auf 1961 zurück.

Neue Schulen für Gehörlose, Ausbau der Bundesautobahnen und Harmonie in der westfälischen Selbstverwaltung waren unter anderem Themen des vom damaligen LWL-Direktor Dr. Anton Köchling verfassten Neujahrgrußes vom 27. Dezember 1961. Neben der Schilderung bedeutsamer Ereignisse des zurückliegenden Jahres erfolgte darin auch ein Ausblick auf zukünftige Herausforderungen. Über die originäre Tätigkeit des Verbandes hinaus wurde zudem ein Blick auf die Teilung Deutschlands und die angestrebte Wiedervereinigung geworfen.

Diese regelmäßigen Botschaften zum Jahreswechsel richteten sich an alle Westfalen und waren eine Besonderheit in der Amtszeit von Köchling, der dem LWL von 1954 bis 1968 vorstand. Unter Walter Hoffmann, dem Nachfolger von Köchling, ist diese Tradition des Neujahrsgrußes eingestellt worden.

Quelle: Archiv LWL, Best. 115 Nr. 182

1960

Kinderhilfe in Westfalen-Lippe

Am 15.März 1960 veröffentlichte der Nachrichtendienst der Pressestelle des LWL:

"Das Landesjugendamt Westfalen hat eine Erhebung über Einrichtungen der Kinderhilfe in Westfalen-Lippe durchgeführt, [...]. Insgesamt gibt es in Westfalen 1.322 Kindergärten. [...] Die Erhebung hat ergeben, daß in Westfalen-Lippe heute noch ein dringender Bedarf an Kindergärten, Kinderspielplätzen usw. besteht. [...] Im neuen Etat des Landschaftsverbandes Westfalen Lippe (für 1960) stehen für Aufgaben der Kinderhilfe [...] 12.637.000 DM zur Verfügung, das ist rund eine Million DM mehr als im vorigen Haushaltsjahr (11.722.000 DM)."

Ein Vergleich zur heutigen Situation

Dem LWL-Landesjugendamt stehen 2010 für die finanzielle Förderung - unter anderem von 4.250 Kindertageseinrichtungen und 9.500 Kindern in Tagespflege - aus Mitteln des Landes NRW und aus Bundesmitteln 750 Millionen Euro zur Verfügung. Für die Förderung von Kindern mit Behinderung in Kindergärten stellt der LWL zusätzlich 110 Millionen Euro bereit. Während die Versorgungsquote für Kinder über drei Jahren in den Tageseinrichtungen und in der Tagespflege in Westfalen-Lippe nahezu 100 Prozent beträgt, besteht für rund 25.000 Kinder unter drei Jahren noch Platzbedarf.

Kuratorium "Unteilbares Deutschland"

Vor 50 Jahren tagte beim LWL das Kuratorium "Unteilbares Deuschland"

1960 im LWL-Landeshaus in Münster: Unter dem Vorsitz des damaligen LWL-Direktors Dr. Anton Köchling trifft sich das Landeskuratorium Westfalen-Lippe "Unteilbares Deutschland". Die Mitglieder des Vereins stammen unter anderem aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Landesmannschaften und Gewerkschaften. Das bundesweit agierende Kuratorium hatte das Ziel, den Gedanken der deutschen Einheit wach zu halten.

In seiner Eröffnungsrede beim LWL betonte Köchling: " (...) Die Wiedervereinigung ist nicht allein ein politisches und wirtschaftliches Problem. Für uns ist sie eine menschliche Notwendigkeit. Dieses Ziel niemals zu verlieren (...), ist uns allen eine moralische und sittliche Pflicht (...)."

Köchling, der unter anderem auch den Bürgermeister der "Viersektorenstadt" Berlin, Franz Amrehn, begrüßen durfte, sah mit Pessimismus in die Zukunft: "(...) Die Sache der deutschen Einheit steht schlecht." Allerdings, so Köchling, dürfe der Verein nie die Hoffnung aufgeben. Es sei sonst niemand mehr da, der sich für das deutsche Schicksal einsetze. Köchling erlebte den Fall der Mauer noch mit. Er starb im März 1990.

Verkehrsberuhigung im Kurort Bad Waldliesborn

Der LWL plante eine Umgehungsstraße und schaffte damit auch Ruhe für seine Kureinrichtungen.

Am 15. Oktober 1960 eröffnete Bundesverkehrsminister Hans-Christoph Seebohm die Umgehungsstraße Lippstadt. Sie sollte die zuvor katastrophalen Verkehrsverhältnisse in den engen Straßenzügen Lippstadts wieder beruhigen. Geplant hatte die Straße das Landesstraßenbauamt Paderborn, das damals noch vom LWL betrieben wurde.

Der damalige LWL-Direktor Dr. Anton Köchling betonte bei seiner Ansprache zur Verkehrsübergabe, dass auch der Kurbetrieb Bad Waldliesborns unter dem Verkehrslärm und der Unruhe so gelitten hätte, dass dies ohne den Bau der Umgehungsstraße "dessen Todesstoß" bedeutet hätte. Für den LWL, seit 1943 mehrheitlich Teilhaber der Kureinrichtungen unweit von Lippstadt, war diese Umgehungsstraße "der Beginn einer neuen Ära", wie LWL-Direktor Köchling bei seiner Einweihungsrede des neuen Kurmittelhauses eine Woche später betonte: " Erholung ist kein Luxus mehr, sondern eine Lebensnotwendigkeit." Laut Köchling sei der Kurbetrieb mit seinen präventiven und rehabilitierenden Maßnahmen in einer körperlich und seelisch stark belasteten Gesellschaft unersetzlich. Die immer zahlreicher werdende Anzahl der Gäste von Rhein und Ruhr hätten die Ausbaukosten des Heilbades von insgesamt 1.030.000 DM legitimiert.

Im Dezember 2002 beschloss der LWL-Landschaftsausschuss, den fünfzigprozentigen Anteil an der Bad Waldliesborn GmbH an die übrigen Träger abzutreten und sich aus dem Kurbetrieb zurückzuziehen. Unter anderem war der ursprüngliche Bezug zum LWL im Bereich des Gesundheitswesens nicht mehr gegeben.

Verkehrsplanung in Lippstadt und Umgebung

Die Karte zeigt die Situation von 1930 (rote Linie)

Auf der mittleren Karte ist die Planung (schwarz gestrichelt) für die Umgehungsstraße zu erkennen.

Nach 1960 können Lippstadt und Bad Waldliesborn umfahren werden (Karte links, blaue Straße)

Ausbildungsstätte für Führhunde

1960 unterstütze der LWL eine Ausbildungsstätte in Dortmund

"Westfälischer Blindenverein errichtet neue Führhundeschule für Blinde", so lautet eine Pressemitteilung des LWL vom 30. September 1960.

Die Ausbildungsstätte in Dortmund Benninghofen, die mit gasbeheizten Bade- und Behandlungsräumen zu den modernsten Einrichtungen Deutschlands gehörte, wurde vom Landschaftsverband sowie von der Stadt Dortmund bezuschusst. Die hier ausgebildeten Tiere sollten blinden Menschen ein eigenständiges Leben ermöglichen. Die erste Führhundeschule in Dortmund wurde bereits 1935 im Auftrag des Landesfürsorgeverbandes des Provinzialverbandes Westfalen, dem Vorgänger des LWL, eröffnet - fiel aber 1945 dem Bombenkrieg zum Opfer.

Die Eingliederung blinder Menschen in die Gesellschaft ist für den LWL heute immer noch ein wichtiger Aufgabenbereich. Das LWL-Integrationsamt übernimmt beispielsweise die Kosten für eine behindertengerechte Ausgestaltung des Arbeitsplatzes und berät auch bei Mobilitätsfragen. Eine Führhundeausbildung wird allerdings nicht mehr bezuschusst.

Krankenhaus statt Anstalt

1961 definieren die LWL-Kliniken ihre Aufgaben und ihre Namen neu.

Am 20. Dezember 1960 meldete der Pressedienst des LWL: Der Landschaftsausschuss Westfalen-Lippe habe einstimmig den Beschluss gefasst, die verbandseigenen Landesheilanstalten mit Wirkung zum 1. Januar 1961 in "Landeskrankenhäuser" umzubenennen.

Ab dem 1. Januar 1961 hießen die LWL-Kliniken offiziell Landeskrankenhäuser. Aktenkundlich dokumentiert sich die Namensänderung unter anderem bei der Verwendung von Briefköpfen und Stempeln.

Die damals sieben Einrichtungen in Dortmund, Eickelborn, Gütersloh, Lengerich, Marsberg, Münster und Warstein würden sich und ihre Aufgaben nun neu definieren, wie der zuständige Landesrat Dr. Wolfgang Straube erklärte.

Die Bezeichnung einer "Heilanstalt" würde den Aufgaben nicht mehr gerecht werden, so der Dezernent. So seien die Einrichtungen heute in erster Linie zur Behandlung und nicht mehr zur bloßen, dauerhaften Verwahrung psychisch kranker Patienten zuständig. Nach Angaben von Straube könnten viele Patienten nach erfolgreicher Behandlung zu ihren Angehörigen entlassen werden. Die "Heilanstalten" und ihre Behandlungsmethoden waren seit der Zeit des Nationalsozialismus negativ behaftet. So wurden unter anderem auch aus Kliniken des Westfälischen Provinzialverbandes, dem Vorgänger des LWL, allein im Jahr 1941 mehr als 2.000 Patientinnen und Patienten im Zuge der NS-Euthanasieaktion "T4" in Tötungsanstalten verlegt, wo diese systematisch ermordet wurden.