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Der LWL vor 50 Jahren

In der Reihe "Der LWL vor 50 Jahren" werfen wir einen Blick zurück in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL).

Welche Ereignisse beschäftigten die Leute? Welche Projekte standen an? In der Reihe gehen wir diesen Fragen anhand von Originalquellen aus dem Archiv LWL nach.

Alle Texte, die Sie hier finden, sind von Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) - Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen geschrieben worden.

1974

Landesdirektor Walter Hoffmann berichtet über das Hammer Modell zur Behandlung von drogenabhängigen Jugendlichen

Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.

Der Landesdirektor Walter Hoffmann berichtete im Februar 1973 im Rahmen einer Veranstaltung der Sozialdemokratischen Gemeinschaft für Kommunalpolitik über die anhaltende Problematik des Drogenmissbrauches im Bereich von Jugendlichen. Zur Bewältigung des Drogenproblems nannte er folgende Maßnahmen: „die Prophylaxe, die klinische Behandlung (…); die Entwöhnungsphase und die Rehabilitation“. In seiner Rede fokussierte sich Hoffmann auch auf die bereits gegebenen Strukturen, die der LWL unterstützt und welche weiteren Vorhaben beim LWL in den folgenden Jahren geplant sind.

Als eines der vom LWL mitfinanzierten Projekte stellte Hoffmann das Hammer Modell vor: Bei diesem sollten alle oben angesprochen Phasen der Behandlung drogengefährdeter und –abhängiger Jugendlichen abgedeckt werden. Es handelt sich um regionales Verbundsystem rund um den „Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V.“ aus Hamm. Der Verein gründete sich 1970 aus einem Elternkreis heraus. Zuvor war dieser an den Leiter des Westfälischen Instituts für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik, Dr. Helmut Hünnekens, herangetreten. Als 1. Vorsitzender setzte sich Hünnekens so über seine Verantwortung in der Klinik hinaus weiter für die Jugendlichen ein. Eines der dem Verein angehörigen Angebote war die Drogenberatungsstelle Hamm, dessen Mitarbeiter aktiv auf Betroffene in der Drogenszene zu gingen und Hilfe anboten.

Das Hammer Modell selbst ist gekennzeichnet durch das Handeln im Verbund mehrerer Einrichtungen und der Dreistufigkeit: Zur „Entgiftungsbehandlung“ wurden umliegende allgemeine Krankenhäuser genutzt, währenddessen das Westf. Institut für Jugendpsychiatrie in Hamm aufgrund von spezialisierten Personal eine fortlaufende „Entwöhnungsbehandlung“ anbieten konnte. Um erneut in ein geregeltes Leben ohne Substanzmissbrauch einsteigen zu können, gab es die Möglichkeit, in einem von dem Arbeitskreis angemieteten Haus mit Sozialarbeitern zu leben und betreut zu werden. Gegebenenfalls gab es die nachgehende Fürsorge am Heimatort. Die Kosten der Betreuung in diesem Wohnheim wurden zusammen getragen vom Verein, dem Hammer Jugendamt, dem LWL-Landesjugendamt sowie mit Beihilfen aus Landesmitteln. Bei der Entscheidung, das Modell weiterzuentwickeln, wurde auch festgelegt, dass interessierte Fachkräfte möglichst in Hamm hospitieren können sollten, um so einen Multiplikatoreneffekt zu schaffen.

Der Arbeitskreis für Jugendhilfe e.V. ist noch heute aktiv und spannt seinen Aufgabenbereich mittlerweile über 5 Einrichtungen und 80 Mitarbeitende. Auf der Website des Vereins wurde eine umfangreiche Chronik veröffentlicht.

Abb. 1 zeigt das Deckblatt eines Flyers des Reha-Wohnheims (LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/236).

Abb. 2 zeigt die Struktur, welche die Jugendlichen im Reha-Wohnheim durchlaufen (LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/236).

Text: Leonie Haselhoff

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 110/519
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/235
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/236

Richtfest im Institut für Jugendpsychiatrie in Hamm

Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.

Am 10.04.1974 lud Hans R. Ossege von der Pressestelle des Landschaftsverbandes zusammen mit Theodor Klaverkamp von der Hochbauabteilung des LWL zu einer Pressebesprechung anlässlich eines Richtfestes für die Gebäude einer Fachhochschule für Sozialpädagogik und eines Heilpädagogischen Heimes auf dem Gelände des Instituts für Jugendpsychiatrie in Hamm ein. 

Beim Landesjugendamt gab es schon 1970 Überlegungen, diese beiden Einrichtungen auf dem Gelände des Instituts für Jugendpsychiatrie zu integrieren. Dies wurde begründet mit dem Anstieg von verhaltensauffälligen Kindern, die besonderer Therapien und Pflege bedürften. Am 12.10.1972 stimmte der Fachausschuss für Hochbauverwaltung den Neubauvorhaben zu. Die Gebäude wurden dabei von Dipl.-Ing. Beyerling aus Soest geplant, der auch schon für den Bau des Instituts selber verantwortlich gewesen war. Die Kosten für die Gebäudekomplexe wurden mit 18,4 Millionen DM veranschlagt.

Zwei Jahre später wurde dann das Richtfest für zwei Gebäudekomplexe „Süd“ und „Süd-Ost“ auf dem Gelände, in Anwesenheit von u.a. Dr. Günter Happe (Leiter des Landesjugendamtes) und Dr. Hellmuth Hünnekens (Leiter des Instituts für Jugendpsychiatrie) gefeiert.

Die Baugruppe "Süd-Ost" bestand aus einem dreistöckigem Schulgebäude für max. 180 Kinder, zwei Kinderheimen mit insgesamt 90 Plätzen, einer Erzieher-Ausbildungsstätte mit mehreren Kursräumen und einem Erzieher-Wohnheim für die Studierenden der Fachhochschule.

Die Zweite Baugruppe "Süd" gliedert sich in eine Sport- sowie Schwimmhalle, einen Festsaal, eine Cafeteria mit Speiseraum und eine Lehrküche. Des Weiteren gab es ein Kessel- und Maschinenhaus, technische Werkstätten und ein Wäschelager.

Die Nähe von Heilpädagogischem Heim und der Fachhochschule für Sozialpädagogik zum Institut sollte eine Verbindung zwischen den einzelnen Bereichen schaffen und Synergieeffekte ermöglichen. So konnten Kinder aus dem Heilpädagogischen Heim jederzeit für weitere Untersuchungen ins Institut überführt werden. Außerdem ergänzten sich das Heim und die Fachhochschule für Sozialpädagogik zur optimalen praktischen Ausbildung der Erzieher.

Die Abbildung zeigt die Außenansicht des Instituts für Jugendpsychiatrie in Hamm aus den 1970er Jahren (Archiv LWL, Best. 847/05587).

Text: Jonas Stratmann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/1012
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 103/766
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/05587

1973

Dr. Fritz Hakelberg leitet Besuch von sowjetischen Verkehrsfachleuten

Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.

 

Die Autobahnmeisterei Lüdenscheid bekam am 19. Dezember 1973 besonderen Besuch.
Eine Delegation aus Verkehrsfachleuten, unter der Leitung des stellvertretenden sowjetischen Verkehrsministers Nadéschko, machte auf ihrer Reise durch die Bundesrepublik auch in Lüdenscheid halt.
Begrüßt wurden sie dabei von Landesrat Dr. Fritz Hakelberg, dem Leiter der Straßenbauverwaltung in Westfalen-Lippe. Hakelberg wurde 1911 in Ostpreußen geboren, und war dort ab 1936 in verschiedenen Positionen für den Straßen- und Wasserstraßenbau zuständig. Im Jahr 1941 wurde er zum Provinzialbaurat ernannt.
Ab 1942 war Hakelberg in der Sowjetunion für die Organisation Todt tätig und geriet 1943 bei Stalingrad in russische Kriegsgefangenschaft, aus der er 1949 entlassen wurde. Nach der Entlassung aus dieser war er ab 1951 beim LWL in der Straßenbauverwaltung in verschiedenen Positionen tätig, seit dem 01. November 1966 als Landesrat. Diese Position hatte Hakelberg bis zum altersbedingten Ausscheiden am 31. August 1976 inne. Er verstarb 1994 in Oldenburg.
Durch seine Kontakte nach Russland bekam Dr. Hakelberg auch eine rückwertige Einladung von Minister Nadéschko in die Sowjetunion.
Ob dieser Besuch erfolgt ist, geht leider nicht aus den Akten hervor.

Die Abbildung zeigt Dr. Fritz Hakelberg (2.v. l.), daneben Minister Nadéschko (Archiv LWL, Best. 115/190).

Text: Jonas Stratmann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/190
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 132/1338
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 132/1339

Pressefahrt „vom Rhein zur Weser“ anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Landschaftsverbände

Die ersten gemeinsamen Überlegungen zur Feier des 20-jährigen Bestehens der Landschaftsverbände begannen bereits Ende 1971. Dabei standen verschiedene Ideen zur Feier des Jubiläums, wie zum Beispiel die Förderung von zwei Publikationen, im Raum. Am Ende beschloss man auf Anraten des Rheinländer Landschaftsausschusses eine „große, in die Öffentlichkeit wirkende Veranstaltung“ zu organisieren.

Aus diesem Entschluss heraus entwickelte sich die Pressefahrt „vom Rhein zur Weser“, die am 21. und 22.05.1973 stattfand. Insgesamt nahmen etwa 70 Personen, die aus Journalisten und Journalistinnen sowie Vertreter und Vertreterinnen der jeweiligen Landschaftsversammlungen und Verwaltungen bestanden, an der Fahrt teil. Im Sonderzug „Rheingold-Express“ von Köln bis Münster hatten Vertreter und Vertreterinnen der Landschaftsverbände und teilnehmende Journalisten und Journalistinnen bereits erste Möglichkeiten, sich auszutauschen. In Münster wurden die Gäste im Landeshaus durch den Vorsitzenden der Landschaftsversammlungen Ernst Knäpper begrüßt. Anschließend besichtigte die Gruppe den Erbdrostenhof und die Gehörlosenschule in Münster. Mit dem Zug ging es danach Richtung Bad Salzuflen, wo die Teilnehmenden am Abend einer Podiumsdiskussion zum Thema „Brauchen wir noch Landschaftsverbände – und warum?“ zuhören konnten. Es wurde darauf Wert gelegt, Journalisten zu diesem Programmpunkt einzuladen, die sich aus „Freunden und Gegnern der Landschaftsverbände“ zusammensetzten.  
Am zweiten Tag fuhr die Gruppe zuerst gemeinsam zum Westfälischen Landeskrankenhaus Gütersloh um dort das Sozialzentrum zu besichtigen. Außerdem standen der Besuch des Freilichtmuseums Hagen und eine Pressekonferenz zum Thema „Straßenbau staatlich oder kommunal?“ auf der Hohensyburg auf dem Programm. Gegen 19:30 Uhr fuhr der Sonderzug zurück nach Köln.

In den folgenden Tagen berichtete die Presse durchaus positiv und umfangreich über die Fahrt mit Überschriften wie zum Beispiel: „Landschaftsverbände haben wieder Zukunft“ (Aachener Nachrichten), „Kennen Sie den Landschaftsverband? – Eine Umfrage beweist: Weitgehend Fehlanzeige“ (Münstersche Zeitung), „Geburtstagsfeier ohne teuren Festakt“ (Kölnische Rundschau). Diese und weitere Artikel zeigen nicht nur die damals aktuellen Probleme der Landschaftsverbände, sondern auch das Gelingen der Jubiläumsfahrt auf.  Denn Ziel der Fahrt war es letztendlich, die Arbeit der Landschaftsverbände der Öffentlichkeit vor Augen zu führen und auch so seine Existenz gegenüber der Landesregierung zu rechtfertigen.

Die Festsitzung der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe zum Jubiläum fand im Übrigen im Rahmen des Westfalentages in Warburg am 6. Oktober 1973 unter Anwesenheit des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen Heinz Kühn statt.

 

Text: Leonie Haselhoff

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Best. 115/979
  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Best. 110/16
  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Best. 103/708

Eröffnung des Freilichtmuseums Hagen

Am Montag, den 30. April 1973 wurde das Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale in Hagen in Anwesenheit des Ministers für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW Werner Figgen sowie des LWL - Landesdirektors Walter Hoffmann nach siebenjähriger Bauzeit feierlich eröffnet.

In der Einladung der Pressevertreter hieß es „die Reeperbahn liegt, entgegen einer weit verbreiteten Ansicht, in Hagen – jedenfalls die einzige noch voll funktionsfähige weit und breit.“. Damit war hier nicht das Hamburger Vergnügungsviertel gemeint, sondern die 380 Meter lange Reeperbahn zur Herstellung von Seilen aus Flachs.

Diese, sowie 23 andere historische technische Gebäude und Einrichtungen aus dem Raum Westfalen standen ab diesem Tag für Besucher:innen im Mäckingerbachtal offen.

Zur Begrüßung hielten der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Ernst Knäpper sowie der Oberbürgermeister von Hagen Rudolf Loskand eine Ansprache. Herr Knäpper lobte darin die Eröffnung des Museums als „Kulturinstitution, die der […] Arbeitswelt unserer Vorfahren gewidmet ist“. Als Grund für die Errichtung nannte er die Dokumentation von vergangenen Lebens- und Arbeitsformen für zukünftige Generationen.

Die eigentliche Eröffnung des Museums wurde im Anschluss der Pressekonferenz durch eine Rede von Herrn Landesdirektor Walter Hoffmann vollzogen.

In seiner Rede bekräftigte der Landesdirektor den gut gewählten Standort des Freilichtmuseums. Im Tal bei Hagen gab es ausgezeichnete Möglichkeiten um technische Kulturdenkmale an natürliche Wasserkraft anzubinden. Die Idee für ein Westfälisches Freilichtmuseum sei zudem auch schon älter und wurde in den 1930er Jahren von Wilhelm Claas aus Hagen vorangetrieben. Bereits im Jahr 1960 hatten die Planungen begonnen, aber sich durch technische und juristische Schwierigkeiten verzögert, bis 1966 mit dem Bau begonnen wurde.

Für die Teilnehmer der Pressekonferenz gab es im Anschluss eine Gelegenheit zum Rundgang durch das weitläufige Museum, begleitet vom Museumsdirektor Dr. Sonnenschein.

Blick auf die Dorfstraße im LWL-Freilichtmuseum in Hagen (Archiv LWL, Best. 847/04993)

Die Abbildung zeigt den Entwurf des Planungsteams “Architektur + Städtebau” aus Krefeld (Archiv LWL, Best. 115/968)

Text: Jonas Stratmann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/976
  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/04993

Eröffnung des Sozialzentrums des WLK Dortmund

Am Mittwoch, den 1. August 1973 wurde im Westfälischen Landeskrankenhaus Dortmund das neue Sozialzentrum bei einer kleinen Feier zusammen mit den Patienten eröffnet. Es war das zweite seiner Art für die LWL-Kliniken, nachdem in Gütersloh ein Jahr zuvor bereits eine solche Einrichtung gebaut wurde. Die Planung des Projektes in Dortmund begann bereits 1969 und hatte eine Bauphase von 2,5 Jahren. Am Ende betrugen die Kosten etwa 4,3 Mio. DM.
Ziel der Einrichtungen war es, das soziale Umfeld in der Klinik dem der Gesellschaft anzupassen. Mit Hilfe von Räumlichkeiten wie einer Cafeteria, Bücherei, Aufenthalts- und Leseräumen sowie einer Schwimm- und Sporthalle sollte es zu einer „echten Stätte der Begegnung“ für die Patient:innen der Dortmunder Klinik werden. 
Es bot ebenfalls Möglichkeiten, die im regulären Klinikbetrieb nicht geleistet werden konnten. Dazu zählten zum Beispiel das körperliche Training zu jeder Jahreszeit, das Training von sozialem Verhalten und eben der Kontakt untereinander aber auch zu Außenstehenden, denn Mitbürger:innen waren dort ebenfalls willkommen. Idealerweise sollte so gerade bei längeren Klinikaufenthalten einer fortschreitenden Isolierung der Patient:innen vorgebeugt werden.
Bei weiteren LWL-Kliniken wie in Eickelborn wurde dieses Konzept 1979 und in Marsberg und Münster erst fast 10 Jahre später 1985 umgesetzt.
Die Etablierung dieser Sozialzentren stand auch im Zeichen des Wandels des bundesdeutschen Psychatriewesens: Weg von „totaler Institution“, hin zu offenen Kliniken. Dieser wurde auch von ausländischen Entwicklungen angetrieben, so wurde das Sozialzentrum und auch der darauffolgende Neubau von Klinikabteilungen in Dortmund nach schwedischem Vorbild errichtet.  Das langfristige Ziel der Bewegung war unter anderem nicht mehr die Abschottung von Patient:innen, sondern die gewollte Resozialisierung und auch das Aufrechterhalten von sozialen Fähigkeiten. 

Grundriss des Untergeschosses des Sozialzentrums (Archiv LWL, Best. 846/11770)

Text: Leonie Haselhoff

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/985

 

Preisverleihung für den Architektenwettbewerb zur Planung des Neubaus des Landesmuseums für Naturkunde

Am 12.02.1973 fand im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster die Preisverleihung zum Architektenwettbewerb zur Planung des Neubaus des Landesmuseums für Naturkunde statt. Der LWL-Landesdirektor Walter Hoffmann überreichte den mit 25.000 DM dotierten 1. Preis des Wettbewerbs an das Planungsteam „Architektur + Städtebau“ aus Krefeld.

Ausgangspunkt für die Ausschreibung des landesweiten Wettbewerbs im Mai 1972 war der Umzug des Münsteraner Zoos 1967 und der damit einhergehende Beschluss des Landschaftsverbandes für einen Neubau des Landesmuseums für Naturkunde. Der Beschluss für einen Neubau des Museums wurde durch zwei Tatsachen gestützt. Erstens hatte die Symbiose zwischen dem Zoo und dem Naturkundemuseum über Jahrzehnte hinweg gut funktioniert. Viele Besucher:innen der einen Institution schauten auch in der anderen vorbei. Zweitens war das alte Gebäude, das noch aus der Jahrhundertwende stammte, nicht mehr zeitgemäß und das Gelände zu klein für mögliche Anbauten.

Neben den beiden wesentlichen Forderungen, den Neubau des Naturkundemuseums in die Gesamtplanung für den Zoo zu integrieren und die Zielplanung der Stadt Münster für den Standort Gievenbachtal als Grün- und Erholungsbereich zu berücksichtigen, wurden den Architekten weitere Aufgaben gestellt. So sollte sich die Baumasse des neuen Naturkundemuseums in Richtung Zoo orientieren, der Hauptzugang dem Zoo-Eingang zugeordnet werden und sich die gesamte Anlage in die Topographie und Landschaft harmonisch einfügen. Der Bau sollte außerdem in Abschnitten errichtet werden können, um zu einem späteren Zeitpunkt noch Zusätze wie ein Planetarium oder Räume für Sammlungen hinzufügen zu können. Insgesamt standen ca. 18.000m² zur Verfügung, davon 2.870m² als Ausstellungsfläche.

Letztendlich entschied sich die Jury innerhalb von drei Sitzungstagen für den Entwurf des oben genannten Teams. Ausschlaggebend war sowohl die Umsetzung der Anforderungen „auf intelligente und konsequente Weise mit sparsamen Mitteln“, als auch die Fortsetzung der Außengestaltung im Inneren. Als „vorzüglich“ beschrieb die Jury die Vorschläge für die Ausstellungs- und allgemeinen Besucherräume.

Auch wenn dem Entwurf und der Entscheidung der Jury nicht nur Zustimmung entgegensprang, wurde das Bauvorhaben in Auftrag gegeben. 1982 konnte die Wiedereröffnung des Museums im neuen Gebäude dann gebührend gefeiert werden.

Die Abbildung zeigt den Entwurf des Planungsteams “Architektur + Städtebau” aus Krefeld (Archiv LWL, Best. 115/968).

Die Abbildung zeigt den Entwurf des Planungsteams “Architektur + Städtebau” aus Krefeld (Archiv LWL, Best. 115/968)

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/968
  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/1395

1972

Verkehrsfreigabe der Bundesautobahn Ruhrgebiet-Kassel Teilstrecke Unna - Soest (A44)

Am Freitag, den 3. November 1972 wurde das 38,3 Kilometer lange Teilstück der A44 zwischen Unna und Soest-Ost und die Zubringer B 233 n und B 63 n/479 n mit einer offiziellen Verkehrsfreigabe eröffnet. Mehrere Vertreter der Presse waren geladen.

Die Freigabe begann um 11 Uhr mit einer Begrüßung durch den Landesminister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr Dr. Horst-Ludwig Riemer. Er wies darauf hin, dass das Jahr 1972 insgesamt ein gutes Jahr für das Autobahnnetz in NRW war. Es kamen insgesamt 140 km Strecke hinzu.

Anschließend erfolgte eine Rede durch den Landesdirektor Herr Hoffmann und eine Ansprache des Bundesministers für Verkehr Dr. Lauritz Lauritzen. Dieser hob hervor, dass diese neue Teilstrecke nicht nur dafür sorgt die B 1 zu entlasten, sondern vor allem den dortigen Einwohnerinnen und Einwohnern zugutekommt und dass die Arbeiten an der Weiterführung bereits im vollen Gange seien.

Um 11:30 Uhr gab es dann eine Fahrt über die freigegebene Strecke bis zur Anschlussstelle Soest-Ost/Bad Sassendorf und weiter zur Stadt Soest.

Dort erfolgte dann eine Begrüßung durch den Herrn Bürgermeister Klemann und ein anschließender Imbiss im blauen Saal des Rathauses.

Im Zuge des Baues wurden 59 Brücken errichtet und 422 ha Land gekauft. Insgesamt kostete die Baumaßnahme 383 Mio. DM.

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/954

Messe zur 90-jährigen Tätigkeit der Clemensschwestern am 06.11.1972 in der Krankenhauskirche Marienthal in Münster

Als am 06. November 1972 aus Anlass der neunzigjährigen Tätigkeit der Clemensschwestern eine Heilige Messe in der Krankenhauskirche zu Marienthal der LWL-Klinik Münster stattfand, konnten die Ordensschwestern auf zeitgeschichtlich bewegende Jahrzehnte zurückblicken.

Im Jahr 1882 nahmen zunächst vier Ordensschwestern von der „Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern“, später „Clemensschwestern“, ihre Tätigkeiten in der Klinik auf.

Die „Marienthaler Klostergeschichte“ begann allerdings schon viel früher: Im Jahr 1856 kauften die „Sacré-Coéur-Schwestern“ aus Warendorf das „Gut Niehoff“, welches an der heutigen Salzmannstraße gelegen ist und richteten dort eine „Höhere Töchterschule“ ein. Acht Jahre später begann der Bau eines Klostergebäudes auf der heutigen Festwiese vor der Krankenhauskirche der LWL-Klinik Münster. Das 1866 fertiggestellte Gebäude erhielt den Namen „Marienthal“. Die „Sacré-Coéur-Schwestern“ mussten zu Beginn des preußischen Kulturkampfes das Kloster aufgeben und Deutschland verlassen.
Im Jahr 1877 kaufte der Provinzialverband Westfalen das Kloster und nutzte es für die Unterbringung von „Geisteskranken“. Außerdem nannte sich das Kloster von da an „Provinzial-Anstalt-Hospiz-Marienthal“.

In den Anfangsjahren wurden die Patienten ausschließlich von weltlichem Personal betreut, bis dann im Jahr 1882 die ersten vier Clemensschwestern hinzukamen. Bis zur Jahrhundertwende entstanden weitere Krankengebäude, um mehr Patienten versorgen zu können und so stieg auch die Zahl der Clemensschwestern.

Der 1. Weltkrieg stellte die Clemensschwestern vor erste große Herausforderungen. Ein Großteil der männlichen Pflegekräfte wurde zum Kriegsdienst eingezogen und so mussten die Clemensschwestern deren Aufgaben zusätzlich übernehmen. Hatten sie bislang nur die weiblichen Patientinnen betreut, wurden sie nun auch mit der Pflege der männlichen Patienten beauftragt.

Nach dem Krieg bekamen die Ordensschwestern wieder Unterstützung von männlichem Personal und mussten nun nur noch die „Frauenseite“ pflegen.

Das Dritte Reich brachte neue und bis dahin ungekannte Schwierigkeiten mit sich. Die Clemensschwestern mussten nun nicht nur ihren, den Ordensregeln entsprechenden, Aufgaben nachkommen, sondern sich auch den von den Nazis angeordneten politischen Schulungskursen widmen. In denen sollten sie die Möglichkeit bekommen, sich mit dem Nationalsozialismus innerlich vertraut zu machen. Die Vorgaben des Nazi-Regimes über die Behandlung und Pflege der Patienten brachten die Clemensschwestern in Gewissenskonflikte. An dieser Stelle kann man beispielhaft Schwester Laudeberta nennen, die dem Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, 1941 über die Verlegungen von Patienten in Vernichtungslager informierte und ihm so die Möglichkeit gab, die Verbrechen der Nationalsozialisten an den Euthanasieopfern in seiner bekannten Predigt vom 3. August 1941 anzuklagen.

Im Verlaufe des 2. Weltkrieges wurde ein großer Teil der Krankengebäude bei Bombenangriffen zerstört, hierzu zählte auch das ursprüngliche Klostergebäude. Nach dem Krieg leisteten die Clemensschwestern einen erheblichen Beitrag zum Wiederaufbau der Gebäude. Auch dank deren Einsatz konnte in der schwierigen Zeit nach Kriegsende vielen Menschen auf dem Klinikgelände eine Unterkunft und Verpflegung geboten werden.

Zur Zeit des neunzigjährigen Jubiläums waren noch 42 Clemensschwestern in der psychiatrischen Klinik tätig. 25 davon in der Krankenpflege und der Rest in der Beschäftigungstherapie, der Krankenpflegehilfeschule und der Apotheke.

Die Messe zur Feier der neunzigjährigen Tätigkeit zum Wohle der Kranken wurde von Weihbischof Laurenz Böggering zelebriert und vom studentischen Madrigalchor gesanglich begleitet. Die Bevölkerung war zur Teilnahme an der Messe herzlich eingeladen.

Ende des Jahres 2002 verließen dann die letzten verbliebenen zwölf Clemensschwestern die Westfälische Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Münster.

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/189
  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 658/754

Ernennung von Professor Dr. Paul Pieper zum Direktor des Westfälischen Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte

Dr. Paul Pieper wurde am 4. März 1912 in Detmold geboren.

Er studierte von 1930 bis 1935 Geschichte, Kunstgeschichte, Germanistik, Geographie und Philosophie an den Universitäten Kiel, Göttingen, Prag, München und Bonn. 1936 promovierte er in den Fächern Kunstgeschichte, Geographie und der älteren und neueren Geschichte.

Thema seiner Dissertation im Jahre 1936 war Kunstgeographie, welches auch Thema zahlreicher seiner weiteren Veröffentlichungen werden sollte.

Noch im selben Jahr begann er im Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte als Volontär zu arbeiten, ab 1937 dann als wissenschaftlicher Assistent, seit 1956 als Kustos, ab 1966 als Stellvertreter des Direktors und durch den Beschluss des Landschaftsausschusses vom 12.1.1972 wurde er am 9.3.1972 zum Direktor ernannt. Dies blieb er auch bis zu seinem Ruhestand am 31.12.1976.

Seit 1965 hatte er ebenfalls einen Lehrauftrag an der Westfälischen Wilhelms Universität Münster für „Rheinische und Westfälische Malerei“.

1971 wurde er auf Vorschlag des Fachbereiches Philosophie der Westfälischen Wilhelms Universität Münster vom Kultusminister des Landes NRW zum Honorarprofessor ernannt.

Die erfolgreiche Erwerbungsgeschichte des Museums unter dem Direktor Prof. Dr. Paul Pieper dokumentiert sich in Ankäufen von Werken von Kurt Schwitters, Otto Dix, Max Ernst, Paul Klee, Oskar Schlemmer, Hans Arp oder Wols Lücken für die Sammlung des 20. Jahrhunderts.

Am 26. Mai 1997 wurde er mit dem Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet.

Dr. Paul Pieper verstarb am 24. August 2000 in Münster.

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

Pressefahrt zu Kur- und Erholungsheimen an der Ostsee

Vom 16. bis 18. Mai 1972 veranstaltete der Landschaftsverband Westfalen-Lippe eine Pressefahrt zu Kurheimen an der Ostsee, um Vertretern der Presse, des Rundfunks und Fernsehens einen Einblick in die Arbeit und Leistungen der Einrichtungen zu geben.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe unterhielt eine zentrale Belegungs- und Ausgleichsstelle bei der Abteilung Erholungs- und Heilfürsorge, die für den gesamten westfälischen Raum die Genesungs- und Kurheilfürsorge der Städte und Kreise aber auch von caritativen Einrichtungen koordinierte und so den Entsendestellen in Westfalen-Lippe eine spezialisierte Kurverschickung ermöglichte und den Hei-men eine gleichbleibende Belegung gewährleistete. Ohne diese zentrale Organisation wäre die Exis-tenz vieler Kur- und Erholungsheime gefährdet gewesen. Jährlich wurden tausende von Kindern, Ju-gendlichen und Müttern aus Westfalen in Erholungs- und Kurheime an der See oder im Gebirge ver-schickt. Dabei standen rund 130 Kurheime zur Verfügung. Träger dieser Einrichtungen waren karitative Verbände, aber auch private Unternehmen und Kommunen.

Die Durchführung der Fahrten der Kinder, Jugendlichen und Mütter zu den Heimen wurde von der Deutschen Bundesbahn übernommen. Die Organisation erfolgte dabei in enger Abstimmung zwischen den Bundesbahndirektionen und den Kinderfahrtmeldestellen im Bereich der Länderverwaltung.

Am 16. Mai 1972 fuhren insgesamt 27 Teilnehmer:innen von Münster aus mit einem Sonderwagen, der an einen Kindertransport-Sonderzug angehängt worden war, nach Niendorf an der Ostsee. Nach der Ankunft in Niendorf ging es mit dem Bus weiter in Richtung Timmendorfer-Strand, wo der Landesrat und Leiter der Abteilung Gesundheitswesen, Erholungs- und Heilfürsorge des Landschaftsverbandes, Prof. Dr. Dr. Kurt Gedicke, eine Einführung in das Thema der Pressefahrt gab. Anschließend hielt der Bundesbahnoberrat Walter Haumann einen Vortrag über die Leistungen der Deutschen Bundesbahn beim Kindertransport.

Auf dem Programm für die kommenden zwei Tage standen die Besuche des Sozialen Genesungswer-kes Pelzerhaken e.V., des Müttergenesungsheimes des Deutschen Roten Kreuzes und des Müttererho-lungsheims der Karl-Wessel-Heilstätten GmbH in Dahme. Außerdem besuchten die Teilnehmer:innen der Pressefahrt das Kinder- und Mütterkurheim „Antoniushaus“ und das Kinderkurheim St. Johann in Niendorf.

Übersicht über die durchgeführten Kur- und Erholungsmaßnahmen an der Ostsee für Kinder aus Westfalen (Quelle: LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 620/3

Übersicht über die durchgeführten Kur- und Erholungsmaßnahmen an der Ostsee für Kinder aus Westfalen (Quelle: LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 620/3743)

Im Jahr 1971 wurden allein an der Ostsee 2.000 Kuren durchgeführt, davon 1.800 für Kinder und Ju-gendliche. Eine Kur dauerte bis zu 6 Wochen. Neben medizinischen Maßnahmen, sollte vor allem das milde Reizklima der See eine positive Wirkung auf Kinder mit Bronchitis, vegetativen Störungen, kör-perlicher Leistungsschwäche, Verhaltensstörungen oder ähnlichen Erkrankungen haben.

Das Fazit der Presse über die Fahrt und die Organisation der Verschickungen und Kuraufenthalte durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe fiel genauso positiv aus, wie das über die Versorgung und Betreuung der Kinder in den Kur- und Erholungsheimen vor Ort, wie den zahlreichen Zeitungsartikeln, die im Nachgang der Fahrt erschienen waren, zu entnehmen ist.

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 115/940

125-jähriges Jubiläum der Blindenschule Soest

Gegründet wurde die von-Vincke-Schule am 15. März 1847 als Schule für die Kinder mit protestantischem Glaubensbekenntnis, während die Pauline-Schule in Paderborn für die katholischen Kinder zuständig war. Der Schulbetrieb wurde 1847 mit gerade einmal sechs Schülerinnen und Schülern aufgenommen. Im Jubiläumsjahr 1972 wurden dort 201 Schülerinnen und Schülern betreut.

Außenaufnahme der Blindenschule Soest (Foto: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/04127)

Außenaufnahme der Blindenschule Soest (Foto: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/04127)

Anlässlich des 125-jährigen Jubiläums wurde am 15.03.1972 zu einer Feier eingeladen. Gäste waren unter anderem Vertreter der Eltern und Schüler, Landesrat Erhard Bruch, Leiter der Abteilung für Sozialhilfe und Sonderschulen vom LWL, die Direktorin der Blindenschule Paderborn, Schwester Carola Henn, und Vertreter der Presse.

Die Feier begann um 10 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der Aula, wobei die Predigt vom ehemaligen Schüler Pfarrer Walter Menzen gehalten wurde.

Der Festakt wurde um 11 Uhr mit einer Begrüßung durch den Direktor der Schule Karl Bender eingeleitet. Es folgten ein Grußwort des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, Ernst Knäpper, und eine Ansprache des Direktors des Landschaftsverbandes, Walter Hoffmann. Anschließend gab es einen Vortrag von Dr. Hans-Eugen Schulze, Richter am Bundesgerichtshof Karlsruhe und ehemaliger Schüler, zum Thema „Der Blinde im Spannungsfeld pädagogischer Isolierung und sozialer Integration“. Zwischendurch wurden Musikstücke und Gedichte vorgetragen.

Gegen 13 Uhr wurde ein kleiner Imbiss gereicht. Es folgte zwischen 15 und 16 Uhr die Aufführung einer Schülerkantate für einen Kinderchor, Sprechstimmen und Instrumente unter der Leitung des ehemaligen Schülers und Musiklehrers Werner Peitzmann.

Beim anschließenden Nachmittag der offenen Tür bot sich für die interessierte Öffentlichkeit die Gelegenheit, die Schule, die Internate und die Werkstätten zu besichtigen.

Zum Ausklang der Jubiläumsveranstaltung wurde ab 18:30 Uhr mit einer Band und Tanz in der Aula gefeiert.

Am Tag darauf gab es vormittags noch eine Schulfeier in der Aula und nachmittags ein Treffen der ehemaligen Schüler in der Turnhalle.

Zur Blindenschule Soest lassen sich auch noch viele weitere interessante Informationen im Archiv LWL im Bestand 564 ermitteln, der mit 1825 Verzeichnungseinheiten und knapp 6 lfdm. relativ umfangreich ist. Zudem befindet sich im Bestand 132 eine Vielzahl von Personalakten über Blindenlehrer.

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • LWL-Archivamt, Archiv LWL, Bestand 564/179

1971

75 Jahre Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica

Als sich die Einweihung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals an der Porta-Westfalica am 18.10.1971 zum 75. Mal jährte, konnte das zum Gedenken an den ersten Deutschen Kaiser errichtete Denkmal bereits auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Schon im Jahr 1888 beschäftigte man sich mit dem Gedanken Kaiser Wilhelm I. ein Denkmal zu errichten. Der Beschluss zum Bau dieses Denkmals wurde 1889 von dem westfälischen Provinziallandtag in Münster gefasst. Nach einem Entwurf des Berliner Architekten Bruno Schmitz war das Denkmal von 1892 bis 1896 auf dem Wittekindberg errichtet worden. Der Entwurf für das Kaiserstandbild stammte von dem Bildhauer Caspar von Zumbusch.

Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und den Wittekindberg (Foto: Archiv LWL, Bestand 847)

Blick auf das Kaiser-Wilhelm-Denkmal und den Wittekindberg (Foto: Archiv LWL, Bestand 847)

Auf Zweidrittel der Höhe des Wittekindberges wurde eine Ringterrasse errichtet, die von hohen Stützmauern getragen wurde. Von der Ringterasse führen zwei Treppen hinauf auf eine Plattform, wo sich der Baldachin mit dem Standbild des Kaisers befindet. Sechs Strebepfeiler tragen die Kuppel, die mit einer Kaiserkrone abschließt. Für den Bau verwendete man Portasandstein. Das Denkmal, mit dessen Bau zeitweise bis zu 100 Arbeiter beschäftigt waren, ist im Zyklopenstil des Spätwilhelminismus erbaut.

Am 18. Oktober 1896 wurde das Denkmal dann feierlich im Beisein von Kaiser Wilhelm II. und seiner Frau, Kaiserin Auguste Viktoria, eingeweiht. Neben dem Generalstab, Flügeladjutanten, Hofdamen und Kammerherren, waren auch Bürgerkompagnien, Vereine, Schulen und Beschäftigte von Unternehmen zu den Feierlichkeiten gekommen. Nach der Eröffnung besuchten tausende Menschen jedes Jahr das Denkmal.

Während des 2. Weltkrieges war das Kaiser-Wilhelm-Denkmal, abgesehen von wenigen Granatsplittereinschlägen und Spuren von Artilleriebeschuss, weitestgehend unversehrt geblieben. Im Jahr 1946 ließ die englische Besatzungsmacht dann allerdings die Rüstungsfabrik, die während des Krieges unterhalb des Denkmals in den Felsenhöhlen des Wittekindberges errichtet worden war, sprengen. In der Rüstungsfabrik hatten ab dem Jahr 1944 Zwangsarbeiter Rüstungsgüter für den Krieg hergestellt. Durch die Sprengung rutschte ein großer Teil der Ringterrasse ab. Das Denkmal selbst blieb aber unversehrt und auch die Schäden, die durch die Sprengung entstanden waren, konnten in den folgenden Jahren beseitigt werden.

Schon bei der Errichtung des Denkmals im 19. Jahrhundert war eine Gaststätte für die zahlreichen Besucher:innen eröffnet worden. In den 1960er Jahren entschied man, die Einrichtung zu modernisieren. Unter anderem wurde der Holzpavillon durch einen modernen Gastraum ersetzt und die Terrasse erweitert. Im Laufe der Zeit verloren die Anlagen an Attraktivität, was auch an einer zunehmend überalterten Infrastruktur lag und schließlich zur Schließung führte. 

Zum 100. jährigen Jubiläum im Jahr 1996 produzierte die Landesbildstelle des LWL eine Diaserie. Für 28 Mark konnte man die Serie mit Textheft erwerben. Feierlichkeiten zum Jubiläum waren von Seiten des LWL nicht geplant, auch weil die Befürchtung bestand, dass dieses Datum von radikalen Kräften missbraucht werden könnte.

Im Jahr 2015 beschloss der LWL im Zuge von notwendigen Sanierungsarbeiten das Denkmal durch ein Besucherzentrum und ein Restaurant aufzuwerten. Die Sanierungsarbeiten wurden von der LWL-Tochter Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft mbH (WLV) durchgeführt. Der Entwurf für die Baumaßnahmen stammt von dem Architekten Peter Bastian aus Münster.

"Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal bleibt ein weit sichtbarer Blickfang. Gleichzeitig wollen wir aber hier oben den Blick auf die ganze Geschichte dieses Ortes weiten: von den Römern in Germanien über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument", sagte der LWL-Direktor Matthias Löb im Februar 2018 bei einem Besuch auf der Baustelle. Man wolle die Geschichte, die weit über das wuchtige Kaiser-Wilhelm-Denkmal hinausreicht, erzählen und die historischen Ereignisse aus heutiger Sicht einordnen, so Löb.  

Am 8. Juli 2018, also fast 122 Jahre nach der Einweihung, wurde das mit seinen 88m zweithöchste Denkmal Deutschlands feierlich wiedereröffnet. Das Denkmal gehört außerdem zur „Straße der Monumente“, welcher sieben Denkmäler in Deutschland angehören. Allein im Jahr 2018 besuchten etwa 250.000 interessierte Bürger:innen das Denkmal und das Besucherzentrum. 

Weitere Informationen zum Kaiser-Wilhelm-Denkmal und zum Besucherzentrum: https://www.kaiser-wilhelm-denkmal.lwl.org/de/.

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

65. Geburtstag des damaligen leitenden Landesarchivdirektors Dr. Franz Herberhold

Dr. Franz Herberhold wurde am 21.12.1906 in Lippstadt geboren. Nach dem Abschluss des Abiturs 1925 und der Promotion im Jahre 1933, war er von 1935 bis 1938 im Staatarchiv Münster angestellt. 1938 übernahm er die Leitung des Staatsarchivs Sigmaringen. Dort gründete er die süddeutsche Archivberatung und veröffentlichte zahlreiche wissenschaftliche Abhandlungen in Zeitschriften und Sammelwerken.

Im Jahr 1957 trat er die Stelle als Leiter der Archivberatungsstelle von Westfalen an und übernahm diese Funktion vom Staatsarchivdirektor Prof. Dr. Johannes Bauermann. Damit endete auch die vormalige Personalunion von staatlicher Archivdirektion und nichtstaatlicher Archivpflege. Mit dem Umzug in ein Verwaltungsgebäude des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe 1961 erfolgte die Umbenennung der Archivberatungsstelle in Landesamt für Archivpflege.

Ehemaliger Sitz des Landesamts für Archivpflege in der Warendorfer Straße (Foto: Archiv LWL, Best. 847, unverzeichnet)

Ehemaliger Sitz des Landesamts für Archivpflege in der Warendorfer Straße (Foto: Archiv LWL, Best. 847, unverzeichnet)

1962 wurde Dr. Franz Herberhold zum Landesarchivdirektor befördert. Seine Verantwortlichkeit lag in dem Aufbau der Förderung der westfälischen Kommunalarchive durch Beratung, Ausbildung und finanzielle Hilfen.

Besonderen Einsatz zeigte er u.a. für die Schaffung von Ausbildungskursen für Kommunalarchivare im gehobenen Dienst (die sogenannten „Duisburger Kurse“), die er gemeinsam mit den Kollegen der Archivberatungsstelle Rheinland und den Stadtarchivaren von Bochum und Duisburg initiierte und die den Fachkräftemangel mildern sollten.

Im Verein deutscher Archivare war Dr. Herberhold ab 1960 Vorsitzender der Fachgruppe Kommunalarchive, von 1961 bis 1969 stellvertretender Vorsitzender des Gesamtvereins und von 1966 an für zwei Jahre dessen kommissarischer Leiter.

Er war Mitglied und Mitarbeiter in verschiedenen wissenschaftlichen Kommissionen und Vereinen. In der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg, der Historischen Kommission von Westfalen, dem Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, der Westfälischen Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung (ab 1950 stellvertretender Vorsitzender), der Fachstelle Geschichte des Westfälischen Heimatbundes (Leiter von 1961 bis 1969) und geschäftsführender Direktor des Vereins Vereinigter Westfälischer Adelsarchive.

1974 erfolgte die Versetzung in den Ruhestand. Ihm wurde am 26.06.1975 durch den Oberbürgermeister der Stadt Münster das Bundesverdienstkreuz am Bande für sein Wirken im Bereich der Kommunal- und Privatarchive verliehen.

Dr. Franz Herberhold verstarb am 04.08.1979.

 

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/188
  • Archiv LWL Best. 132/1472
  • Die Sorge um die Archive als Aufgabe der landschaftlichen Kulturpflege in Westfalen / von Norbert Reimann, in: Der Märker (Jahrgang 45, 1966), Sonderdruck, S. 147
  • Aus- und Weiterbildung von Archivarinnen und Archivare aus kommunalarchivischer Sicht – eine Bestandsaufnahme / von Marcus Stumpf, in: Archivpflege in Westfalen-Lippe 88 (2018), S. 3-4

Eröffnung des Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold

Die Eröffnung des 1.Teils des Freilichtmuseums bäuerlicher Kulturdenkmale in Detmold jährt sich in diesem Sommer bereits zum Fünfzigstem Mal. Doch dessen Bau wurde bereits 1960 vom Landschaftsausschuss des Landschaftsverband Westfalen-Lippe, zusammen mit dem westfälischen Freilichtmuseum Technischer Kulturdenkmale in Hagen, beschlossen.

Der Bau begann dann aber erst im Mai 1966 und ging von da an stetig voran, sodass 1971 ca. 50% der damaligen Arbeiten abgeschlossen waren.

Haupthaus des münsterländischen Gräftenhofes (Foto: Landesbildstelle Westfalen, Münster i. W., Landeshaus)

Haupthaus des münsterländischen Gräftenhofes (Foto: Landesbildstelle Westfalen, Münster i. W., Landeshaus)

Am 7. Juni 1971 um 16:00 Uhr fand die Eröffnungsfeier im dortigen Haupthaus des münsterländischen Gräftenhofes statt. Um 11:30 Uhr fand bereits eine Vorbesichtigung und Pressebesprechung für Vertreter der Presse statt.

Zu Beginn der Feier wurden alle Anwesenden zunächst von Herrn Ernst Knäpper, dem damaligen Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, begrüßt. In seiner Ansprache erklärte er explizit, warum entschieden worden war, dieses Freilichtmuseum zu errichten. Hauptgrund hierfür war, ein „dokumentarisches Bild der Kulturellen Vergangenheit“ des Raumes greifbar darzustellen.

Daraufhin folgte eine Ansprache des Museumsdirektors Herrn Dr. Josef Schepers, in der es vor allem um die Gesamtplanung und den Stand des Aufbaus ging. Anschließend folgte ein Grußwort an die Gäste durch den Direktor des belgischen Freilichtmuseums Bokrijk, Herrn Dr. J. Weyns.

Am Ende folgten dann die Schlussworte und die Eröffnung des Freilichtmuseums durch den Direktor des Landschaftsverbandes Herrn Walter Hoffmann. In seiner Ansprache blickte er nochmal auf die wesentlichen Etappen der Vorbereitungsarbeit zurück und dankte allen Mitwirkenden.

Im Anschluss erfolgte ein Rundgang durch die Baugruppen und ein kleiner Imbiss im Gräftenhof. Die ganze Veranstaltung wurde derweil musikalisch durch Studenten der nordwestdeutschen Musikakademie in Detmold unterstützt.

Text: Léon Stickan

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/906

Besuch gehörloser Kinder aus England

Im Mai 1971 besuchte eine Gruppe gehörloser Kinder aus der englischen Grafschaft Durham, das Landeshaus in Münster. Die Kinder und ihre Begleiter, die zu der Zeit Gast der Westfälischen Gehörlosenschule in Dortmund-Hacheney waren, wurden von Landesrat Herbert Neseker, Leiter der Abteilung für Sozialhilfe und Sonderschulen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe, herzlich begrüßt. Zwischen der Gehörlosenschule in Dortmund und der Grafschaft Durham bestand seit 1970 eine Partnerschaft, im Zuge derer bereits im vorangegangenen Jahr Kinder aus Dortmund in England zu Gast gewesen waren.          

Herr Neseker begrüßte die Partnerschaft, da das Integrieren von behinderten Kindern in die Gesellschaft, neben der Integration in die unmittelbare Umgebung, Fauch den Kontakt zu Kindern im selben Alter und mit ähnlichen Behinderungen in anderen europäischen Ländern umfasse. Auch der Leiter der Besuchergruppe, Leonard Smith, zuständig für die Organisation des Bildungswesens für hörgeschädigte Kinder in Durham, wies auf die Notwendigkeit internationaler Kontakte unter behinderten Kindern hin.                                                                     

Neben dem Besuch des Landeshauses waren auch zahlreiche weitere Unternehmungen geplant. So standen eine Sauerlandfahrt zum Möhnesee, ein Besuch im Bergbaumuseum in Bochum und eine Fahrt mit der Wuppertaler Schwebebahn auf dem Programm. Der Besuch in Bonn unter der Leitung des Direktors der Gehörlosenschule Dortmund, Friedrich Möller, rundete den Besuch in Deutschland ab.

In der zweiten Jahreshälfte 1971 war dann wieder eine Gruppe Kinder aus Dortmund in England zu Gast.

Modell der neuen Westf. Sonderschule für Gehörlose, Dortmund-Hacheney (Foto: Archiv LWL, Bestand 847/Fotoalbum)

Modell der neuen Westf. Sonderschule für Gehörlose, Dortmund-Hacheney (Foto: Archiv LWL, Bestand 847/Fotoalbum)

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/188

Verabschiedung des Landesrates Josef Ostermann am 24. Februar 1971

Nach 23 Jahren Dienst in der landschaftlichen Selbstverwaltung, ging der für den Hochbau zuständige Landesrat Josef Ostermann am Ende des Februars 1971 in den Ruhestand. Die Verabschiedung im kleinen Kreise fand an seinem 65. Geburtstag, dem 24. Februar 1971, im Landeshaus statt. Bereits im Vorhinein lehnte Ostermann ein Abschiedsgeschenk ab, stattdessen wurde in seinem Namen eine Spende an ein SOS-Kinderdorf getätigt.

Als Sohn eines Amtsbaumeisters geboren, studierte Ostermann selbst Architektur und beendete seine Ausbildung als Regierungsbauführer mit dem Regierungsbaumeisterexamen. Wenige Jahre später wurde er zum Regierungsbaurat ernannt und war Leiter an der Heeresbaudienststelle in Russland, Frankreich und im Heimatkriegsgebiet, ehe er sich von Mai 1945 bis Januar 1946 in Kriegsgefangenschaft befand. Nach seiner Freilassung war er für wenige Jahre Dozent an der Staatsbauschule in Lübeck, ehe er seinen Dienst als Regierungsbaurat beim LWL (damals: Provinzialverband Westfalen) 1948 antrat. Später wurde er zum Provinzialoberbaurat befördert und kurz darauf 1954 zum Landesrat gewählt. 1965 fand seine Wiederwahl statt.

Während seiner Verabschiedung wurde die Wertschätzung für seine geleistete Arbeit nochmals zum Ausdruck gebracht. Ostermann hatte in seinem Schwerpunkt, den Bau von psychiatrischen Anstalten, moderne Erkenntnisse der Medizin mit einbezogen und so dazu beigetragen, dass aus alten Bewahranstalten kompetente Fachkrankenhäuser wurden. Ganz nach seinem Vorsatz, dass Gebäude für die Ansprüche der Bewohner errichtet werden sollten.

Nach seinem offiziellen Abschied kündigte Ostermann an, dass er während seines Ruhestandes ehrenamtlich bei der Arbeiterwohlfahrt und dem Deutschen Roten Kreuz tätig werden würde.

Josef Ostermann (Foto: © LWL)

Josef Ostermann (Foto: © LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/333
  • Archiv LWL, Best. 115/188

1970

Verkehrsfreigabe der Weserbrücke bei Petershagen am 9. November 1970

„Die Verkehrsfreigabe der Weserbrücke bei Petershagen erfolgt formlos in Anwesenheit des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen am 9. November 1970 um 15:30 Uhr.“ – so hieß es in der Einladung für die örtliche Presse im Raum Minden.

Bei der in der Einladung genannten Brücke, die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gebaut wurde, handelte es sich um eine von insgesamt acht Brücken, die ab 1966 im Großraum Minden entstanden.

Textfeld: Südansicht mit Fähre (Foto: LWL)Die Brücke verbindet die B 61 bei Petershagen mit der B 482 bei Lahde und ersetzte die Fährverbindung, die seit geraumer Zeit zwischen den Ufern pendelte. Sie ist Teilstück einer neuen Straßenverbindung zwischen Bohmte und Stadthagen, die die Bezeichnung

L 770/772 trägt und eine deutliche Verbesserung der Infrastruktur des nördlichen Kreisgebietes Minden darstellt, die es den Verkehrsteilnehmern ermöglicht, den Stadtbereich Minden großräumig zu umfahren.

Die Eröffnungs-Feierlichkeit begann mit einer Ansprache des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr, Dr. Riemer. Der Minister ging in seiner Rede auf die Bedeutung dieser Verkehrsfreigabe ein. Er machte deutlich, dass es der Landesregierung nicht reiche, nur die Ballungsräume mit einer guten Infrastruktur auszustatten. Vielmehr zeige gerade dieses Projekt, dass auch die Randgebiete einen Zugang zu einem modernen Straßennetz bekommen sollen. Außerdem verwies er auf die hohen Summen, die das Land Nordrhein-Westfalen im Jahr 1970 bereits für den Aus- und Umbau der Landstraßen ausgegeben hatte.

Neben Dr. Riemer waren auch der LWL-Direktor Hoffmann und die Bürgermeister der Städte Petershagen und Lahde, Rauch und Wiegmann, bei der Eröffnung der Brücke anwesend. Nach der Ansprache wurde die Brücke symbolisch durch das Wegräumen eines Absperrbockes freigegeben. Vom östlichen Brückenkopf ging es dann für die anwesenden Gäste auf die Westseite, wo sie von Vertretern der Gemeinde Petershagen begrüßt wurden. Um 16:30 Uhr erfolgte dann die Freigabe für den Verkehr.

Wie die Zeitung Westfalen-Blatt am 10. November 1970 berichtete, waren zu der Eröffnung der Weserbrücke mehr Menschen gekommen, als erwartet worden waren. Die Brücke, so die Zeitung, sei „schwarz von Menschen“ gewesen, die die Feierlichkeiten erleben wollten.

Südansicht mit Fähre

Südansicht mit Fähre (Foto: LWL)

Text: Alina Zagermann

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/880

150 Jahre Landeskrankenhaus Benninghausen

Bereits 1240 begründete der Ritter Johann von Erwitte durch eine Stiftung das Zisterzienserinnenkloster Benninghausen, das 1698 in der Hand von Nonnen begann als Krankenhaus zu fungieren und im 18. Jahrhundert mehrfach durch die Äbtissin Sophia von Oheimb ausgebaut wurde. Erst durch die Säkularisation König Friedrich Wilhelm III. wurde das Kloster aufgelöst und unter dem ersten Oberpräsidenten von Westfalen, Freiherr Ludwig von Vincke, zu einem Landesarmenhaus umgewandelt.

In der Hausordnung des Landesarmenhauses wurde festgelegt: „Durch strenge, aber gerechte, durch ernste, aber freundliche, durch nachdrückliche aber liebreiche Behandlung sollen der Inspector, die Geistlichen, der Arzt und der Hausverwalter die Häuslinge erziehen und regieren, ihr Ansehen behaupten; sie werden dann mit der Furcht auch die Liebe derselben erwecken und ihr Vertrauen gewinnen.“

Ab 1825 wurden verwahrloste Jungen und Mädchen aufgenommen und durch die Ausbildung in den Anstaltswerkstätten und der Landwirtschaft ausgebildet, um sie „von ihren bösen Gewohnheiten und Neigungen wieder zu entwöhnen und […] ihnen Achtung für Sitte und Recht und einen wahrhaft frommen Sinn einzuprägen, sie ferner in den nöthigsten Elementar-Schulkenntnissen zu unterrichten und außerdem in technischen Fertigkeiten zu üben!“

Darüber hinaus diente das Landeskrankenhaus über Jahre hinweg als Kriegsgefangenenlager, Regimentsquartier, Hilfsstrafgefängnis, Heilstätte für Tuberkulose-Kranke und Altersheim. Aber auch Geisteskranke, Fürsorgezöglinge, Trinker, Geschlechtskranke und Korrigenden wurden hier behandelt.

Zum 150. Jubiläum des Landeskrankenhauses luden die Landesräte Prof. Dr. Dr. Kurt Gedicke und Herbert Neseker, sowie Landesmedizinaldirektor Dr. Helmut Kemper (Leiter des Landeskrankenhauses) die Presse ein, um nicht nur über den feierlichen Tag zu sprechen, sondern auch das ernste Thema der immer älter werdenden Bevölkerung anzusprechen.

In der Bronzezeit wurde der Mensch durchschnittlich 18 Jahre, um Christi Geburt 22 Jahre, im Mittelalter waren es bereits 35 Jahre. In den 1970ern waren es nun schon 70 bis 75 Jahre. Damalige Statistiken besagten, dass es im Jahre 1980 in der Bundesrepublik Deutschland mehr als 8,5 Millionen Menschen in einem Alter von über 65 Jahren geben sollte. Dementsprechend stieg natürlich auch die Nachfrage an Pflegeplätzen in den Landeskrankenhäusern, da mit dem zunehmenden Alter auch die Anzahl von Alterserkrankungen einherging.

So folgerte der Landschaftsverband, dass es nicht nur eine Einrichtung von Langzeitkrankenhäusern für den Sonderbereich für psychisch Alterskranke geben sollte, sondern dass die Gesellschaft als Ganzes Möglichkeiten finden müsse, Alterskranke nach ihrer erfolgreichen Behandlung wieder in ihr früheres Leben eingliedern zu können, da es sonst bald zur extremen Knappheit an Plätzen in den Landeskrankenhäusern kommen würde.

Zur Feier des 150. Jubiläums wurde ein Festheft herausgegeben, welches nicht nur die gesamte Geschichte des Landeskrankenhauses widerspiegelt, es zeigt außerdem die damaligen Behandlungspraktiken und einige Bilder über das Gebäude und die Bewohner des Hauses.

Zisterzienserinnenkloster Benninghausen, Barockportal des Haupthauses

Zisterzienserinnenkloster Benninghausen, Barockportal des Haupthauses (Foto: Fotograf nicht überliefert © LWL-Medienzentrum für Westfalen)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 843/0284
  • Archiv LWL, Best. 115/885

Beschäftigungstherapie in den Landeskrankenhäusern

Am 14. bis zum 25.September 1970 fand die Ausstellung „Künstlerische Aktivitäten in westfälischen Landeskrankenhäusern“ im Lichthof des Landeshauses statt, welche den Vorurteilen der damaligen Bevölkerung, dass psychisch Kranke nicht mehr fähig sein eine sinnvolle Tätigkeit auszurichten, entgegenwirken sollte. So wurden verschiedene Werke von Patienten und Patientinnen ausgestellt, die innerhalb Beschäftigungstherapie entstanden waren.

In seiner Einladung schrieb Landesverwaltungsdirektor Herbermann „In den westfälischen Landeskrankenhäusern werden die Patienten nicht mehr vorwiegend ‚untergebracht‘ […], sondern es wird alles getan, um die individuellen Aktivitäten der psychisch Kranken in den verschiedenen Bereichen zu unterstützen.“ So haben die Landeskrankenhäuser neben der medikamentösen Behandlung darauf Wert gelegt, die Patienten mit Arbeit und Beschäftigung zu therapieren.

Bei der Rehabilitation der psychisch Kranken fiele der Arbeits- und Beschäftigungstherapie ein nicht unbedeutender Teil der Behandlung zu, da sie sowohl der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit, dem Training von motorischen Fähigkeiten sowie der Entfaltung der Persönlichkeit des Patienten diene. So wurde von den Ärzten angenommen, dass das Erfolgserlebnis der Patienten, etwas mit eigenen Händen zu erschaffen, die Heilung positiv beeinflussen könne.

Bereits am 10. September wurden ausgewählte Teilnehmer der Presse durch die Ausstellung geführt, in welcher immer wieder betont wurde, dass neben der Behandlung der Patienten, auch die anschließende Wiedereingliederung in die Gesellschaft für die weitere Entwicklung der geistigen Krankheit wichtig sei. Daher wurde die Ausstellung dafür konzipiert, tiefverwurzelte Vorurteile in der Gesellschaft gegenüber psychisch Kranken zu lockern und somit die Rehabilitation und soziologische Integration zu vereinfachen.

So wurde die Ausstellung „Künstlerische Aktivitäten in westfälischen Landeskrankenhäusern“ genutzt, um die Gesellschaft für ein wichtiges Thema in der Krankenbehandlung zu sensibilisieren.

Einladung zur Ausstellung "Künstlerische Aktivität in Westfälischen Landeskrankenhäusern"

Einladung zur Ausstellung "Künstlerische Aktivität in Westfälischen Landeskrankenhäusern", 14. September 1970 (Foto: LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/877

Neueröffnung des Museums für Vor- und Frühgeschichte

Nach dem letzten Krieg war das Westfälische Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte völlig zerstört. Es dauerte über ein Vierteljahrhundert, ehe ein kleiner Teil wieder für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte. Daher fand am 05.04.1970 eine Feier für die Neueröffnung statt.

Die Feierlichkeiten begannen mit einer Begrüßung des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe. Sassenroth berichtete von der Geschichte des Museums und den Bemühungen des Provinzialverbandes Westfalen - dem Vorläufer des heutigen Landschaftsverbandes - , das Museum wieder neu aufzubauen.

Entstanden ist das Museum 1925 aus dem Landesmuseum der Provinz Westfalen, nachdem die Sammlungen der Kunst- und Kulturgeschichte von den Sammlungen der Vor- und Frühgeschichte getrennt wurden. 1934 machte sich der Museumsteil dann selbstständig, ehe es 1945 völlig im Krieg zerstört wurde. Glücklicherweise konnten die wertvollsten Teile der Bestände, die Bibliothek und das Archiv durch Auslagerung gerettet werden, der Rest wurde vernichtet.

Nach dem Krieg über die folgenden Jahre hinweg, wurden die geretteten Bestände sowie Fundgut aus Nachkriegsausgrabungen in Behelfsbaracken untergebracht. 1961 begann man mit Restaurierungen.

1957 entschied man sich schließlich für einen Wiederaufbau und erstellt ein Raumprogramm. Ein Wettbewerb für die Suche eines Architekten wurde ausgeschrieben. 1959 erhielt Dipl.-Ing. Hans Spiertz den ersten Preis. 1963 folgte die Grundsteinlegung, es dauerte jedoch bis 1966 bis man die ersten Bauabschnitte beziehen konnte. Im Januar 1970 fand dann schließlich die Neueröffnung statt.

Es folgte eine Ansprache des Museumsdirektors Dr. Hans Beck zur Aufstellung der Schausammlung, in welcher er ebenfalls über die im Krieg untergegangenen Sammlungen sprach und die Bemühungen die wertvollsten Teile der Bestände auszulagern. Der Tag endete mit einer Führung von Dr. Beck durch die neuste Ausstellung.

Somit wurde durch die Ausstellung "Steinzeit und ältere Bronzezeit in Westfalen" nach 27 Jahren wieder eine Schausammlung für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2003 zog das Museum in einen Neubau in Herne und seit 2007 kennen wir es unter dem Namen LWL-Museum für Archäologie Westfälisches Landesmuseum.

Blick in die Ausstellungsräume des Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte, 1970

Blick in die Ausstellungsräume des neuen Westfälischen Landesmuseums für Vor- und Frühgeschichte. Hier: Teil eines Grabungsprofils durch die Spaltenfüllung in der Balver Höhe (Kreis Arnsberg). Im Vordergrund unter anderem Stoßzahn eines Mammuts aus der Lippe (Eiszeit) und Geweihstange eines Rentiers (Foto: LWL)

Text: Nadine Glaeser

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 110/516
  • Archiv LWL, Best. 115/864

Verabschiedung des Landesrates Heinrich Alstede (8.Januar 1970)

Heinrich Alstede trat am 21.April 1949 als Referent der Personalabteilung in den Dienst des LWL ein. Nachdem er ab Februar 1952 stellvertretender Leiter des Landesfürsorgeverbandes war, übernahm er mit seiner Wahl zum Landesrat ab dem 1.April 1954 die Leitung der Hauptfürsorgestelle bis zu seiner Pensionierung am 31.Dezember 1969.

Auch ehrenamtlich setzte er sich für Schwerbeschädigte, insbesondere für Kriegsblinde ein. Er förderte die Wohnungsfürsorge für Kriegsbeschädigte sowie Kriegshinterbliebene und engagierte sich für deren Rehabilitation. Er beteiligte sich beispielsweise an der Errichtung des Kriegsblinden-Kurheimes in Berleburg, der Planung des Kriegsblinden-Rehabilitationszentrums am gleichen Ort und half bei der Gründung der Blindenhörbücherei in Nordrhein-Westfalen.

Er war Vorsitzender des Bundesausschusses für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebene beim Bundesministerium des Innern sowie der Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Blindenhörbüchereien. Für seine Leistungen wurde Herr Alstede mehrfach mit dem Goldenen Ehrenzeichen sowie der Goldenen Ehrenmedaille von mehreren Organisationen der betroffenen Schwerbeschädigten ausgezeichnet. Am 17.11.1969 wurde ihm durch den Regierungspräsidenten Dr. Schneeberger (Bezirksregierung Münster) das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse verliehen.

Über 15 Jahre stand er im Dienst des LWL, ehe er aus Altersgründen sein Amt als Leiter der Hauptfürsorgestelle niederlegen musste. Sein Verabschiedung fand 08.01.1970 im Hotel Rheinischer Hof in Münster statt. In verschiedenen Ansprachen wurde sein herausragendes Engagement geehrt. Landesdirektor Hoffmann betonte, dass Alstede den Ansatz des LWL, Gesetze menschlich zu handhaben, "gerade noch in den Grenzen der Legalität" umgesetzt hätte, damit er seinen Mitmenschen wirkungsvoll helfen konnte.

Ernst Knäpper, Vorsitzender der Landschaftsversammlung, erinnerte an die Wahl Alstedes zum Landesrat und Leiter der Hauptfürsorgestelle 1954. Es sei nur durch Alstedes "Kenntnisse, Toleranz, menschliche Wärme und Zuverlässigkeit" möglich gewesen, dass er einstimmig durch die 4. Landschaftsversammlung 1966 wiedergewählt wurde. In seinen eigenen Abschiedsworten widmete sich Alstede seinem Werdegang und Lebensweg, welcher ihn Stück für Stück dem sozialen Bereich nähergebracht und schließlich in den Dienst des Landschaftsverbandes geführt hatte.

1969

Ausstellung jugendgefährdener Schriften am 9.Mai 1969 im Landeshaus Münster

"Die Tür zum großen Sitzungssaal des Landeshauses in Münster wird streng bewacht", schrieb die Westfälische Rundschau am 10.05.1969 - einen Tag nach dem ungewöhnlichen Ereignis, welches man nur mit besonderer Einladung erleben konnte.

Am 9. Mai 1969 tagten die beiden Landesjugendwohlfahrtsausschüsse der Landschaftsverbände Rheinland (LVR) und Westfalen-Lippe (LWL) zusammen mit dem Landesjugendring in Münster.

 

Zu diesem Anlass luden die Bundesarbeitsgemeinschaft Aktion Jugendschutz - mit Unterstützung vom Landesjungendamt des LWL und des Jugendamtes der Stadt Münster - Wissenschaftler, Pressevertreter, Politiker und Erzieher zu einer halboffenen Ausstellung und Diskussion über jugendgefährdende Schriften ins Landeshaus Münster ein.

Ausgestellt wurden Romane, Bildhefte, Schriften und Kurzfilme, die bildlich beschrieben oder zeigten, wogegen sich die Aktion Jugendschutz aussprach: "Schriften, die geeignet sind, Kinder oder Jugendliche sittlich zu gefährden. [...] Dazu zählen vor allem unsittliche, verrohend wirkende, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizende sowie den Krieg verherrlichende Schriften."

Gegliedert war die Ausstellung nach Literatur, die " Unter der Theke" zu erwerben war - also nicht verbotene, sondern nur Personen unter 18 Jahren unzugänglich gemachte Schriften - bis hin zu indizierter und verbotener Literatur. Zu den häufigsten Beispielen zählte die Vermischung von grotesk dargebotener Sexualität und der extremen Darstellung von Gewalt.

Nur mit Einladung war es den Pressevertretern, Politikern und Erziehern möglich, die Ausstellung zu betrachten. Eingeladen wurde unter der klar formulierten Frage: "Gibt es Schriften, die Kinder oder Jugendliche sittlich gefährden?", die der erste Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Aktion Jugendschutz Dr. Walter Becker, mit seiner Positionierung "Wir sagen ja, denn unsittliche, verrohend wirkende oder Rassenhass anreizende sowie den Krieg verherrlichende Schriften schaffen keine Leitbilder!" beantwortete.

Trotz der Ausstellung und den vielen Erklärungen der Bundesarbeitsgemeinschaft verlief die anschließende Diskussions- und Fragerunde laut Zeitungsberichten nicht ganz im Sinne des Veranstalters. Demnach waren sich viele der eingeladenen Gäste nicht sicher, ob Pornographie wirklich die verheerenden Auswirkungen habe, wie dies von der Aktion Jugendschutz dargestellt wurde.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen

  • Archiv LWL, Best. 115/834

Erster Landesrat Dr. Helmut Naunin wird in den Ruhestand verabschiedet

Am 31.März 1969 wurde der Erste Landesrat Dr. Helmut Naunin vom Landesdirektor Walter Hoffmann in den Ruhestand verabschiedet. Dabei wurden die Lebensstationen des als Chefideologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe titulierten Verwaltungsjuristen kurz gestreift. Naunin wurde am 16. September 1904 in Deutsch-Eylau (Westpreußen) geboren. 1920 zog die Familie nach Wanne-Eickel. Nach Abitur am Gymnasium in Gelsenkirchen-Schalke und Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Münster und Tübingen mit der Promotion zum Doktor der Rechte trat er 1932 als Verwaltungsrat in den preußischen Provinzialdienst beim Provinzialverband Westfalen. Dort wird er bereits im April 1939 zum Landesrat ernannt.

Im Zweiten Weltkrieg diente Naunin als Soldat und geriet in Kriegsgefangenschaft. Nach der Wiederaufnahme der Tätigkeit beim Provinzialverband Westfalen wurde ihm nach Abschluss des Entnazifizierungsverfahrens 1949 wieder eine Stelle als Landesrat zugeteilt. 1954 wurde er von der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe einstimmig zum Ersten Landrat gewählt und 1965 in diesem Amt bestätigt. Somit hat Naunin über 30 Jahre in führender Position im Landeshaus gewirkt. Seine Verdienste um Westfalen wurden in der Ansprache Hoffmanns als historisch gewürdigt. Insbesondere sein Einsatz für den Fortbestand der westfälischen Selbstverwaltung nach der Auflösung der preußischen Provinzialverbände und die Verabschiedung der Landschaftsverbandsordnung 1953 werden als maßgebliche Verdienste Naunins benannt, der in vielen Reden und Publikationen Leistungsnachweise für die landschaftliche Selbstverwaltung Westfalens vorlegte.

Dr. Helmut Naunin verstarb am 22. September 2002 in Münster, sein Nachlass befindet sich im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Archiv LWL, Bestand 909).

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen:

  • Archiv LWL, Best. 110/115
  • Archiv LWL, Best. 132/C 11 A Karton 374

50-jähriges Jubiläum des Westfälischen Landeskrankenhauses Gütersloh am 30.September 1969

Am 30. September 1969, feierte das damalige Westfälische Landeskrankenhaus (WLK) Gütersloh sein 50-jähriges Jubiläum. Mit dem Bau der Klinik wurde 1912 begonnen, 1919 konnten die ersten Patienten aufgenommen werden. Die Patientenzahl lag im Gründungsjahr bei 976. Fünfzig Jahre später befanden sich einen Tag vor dem Jubiläum 1203 Patienten verteilt auf 15 Krankengebäude in der Obhut der 78 Ärzte und sonstigen Klinikbeschäftigten.

Beim Festakt mit rund 350 Gästen fand im Festsaal der Klinik eine kurze Einführung statt. Dabei bekundete der Erste Landesrat des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Klaus Meyer-Schwickerath, seine Glückwünsche und stellte nachdrücklich fest: „In einigen Jahrzehnten wird unsere Demokratie nicht nach der Steigerung des Sozialprodukts beurteilt werden, sondern nach der Höhe der Aufwendungen für die Schwachen, Armen und Hilflosen - unter Einschluss der Völker in den Entwicklungsländern."

Im Rahmen des runden Jubiläums veranstaltete das WLK Gütersloh gleichzeitig seine international anerkannte Fortbildungswoche, die vom 30. September bis zum 3. Oktober dauerte. Unter dem Schwerpunkt „Sozialtherapeutische Anstalt" fanden die folgenden Tage Vorträge statt.

Zur Einführung der Fortbildungswoche sowie der Feier des Jubiläums wurde der erste Vortrag dem Thema Arbeitstherapie gewidmet. Der erste Direktor der damaligen Provinzialheilanstalt, Hermann Simon, war ein Pionier auf diesem Gebiet gewesen, hatte es erforscht und praktiziert und durch moderne Methoden so angewandt, dass es bis zum Jubiläum noch immer wegweisend und international als „Mekka der Psychotherapie" bekannt war. Zu Ehren seiner Arbeit wurde sein Buch „Aktivere Krankenbehandlung in der Irrenanstalt", das lange Zeit vergriffen war, neu aufgelegt. Des Weiteren wurde durch das LWL die eigene Publikation „Wandlung der Psychiatrie in 50 Jahren" herausgegeben.

In den darauffolgenden Tagen wurde die Fortbildungswoche durchschnittlich von 250 Gästen besucht und immer wieder positiv in den Medien erwähnt. Mit Schlagzeilen wie „Vorbildliche humanitäre Arbeit" (Westfalen-Blatt, 26.09.1969) oder „In Gütersloh entsteht ein Sozialzentrum" (Neue Westfälische, 26.09.1969) ist die Fortbildungswoche gut angenommen worden.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/845

Fotonachweis: Karl Franz Klose ©LWL-Medienzentrum für Westfalen

18. Westfälischer Naturschutztag 1969

Am 2. und 3. Mai 1969 fand der 18. westfälischen Naturschutztag im Landesmuseum für Naturkunde statt. In Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, der Fachstelle für Naturkunde und Naturschutz im Westfälischen Heimatbund sowie dem Westfälischen Naturwissenschaftlichen Verein wurde der Naturschutztag dem Thema "Naturschutz und Tierwelt gewidmet.

Am ersten Veranstaltungstag fanden wissenschaftliche Vorträge statt, die Themen reichten vom Faunenwandel als Folge menschlicher Eingriffe über die Rolle nützlicher Insekten in der Schädlingsbekämpfung bis zum Wasservogelschutz in Westfalen.

Am nächsten Tag wurden zwei Exkursionen durchgeführt: Während eine Fahrt in die Rieselfelder Münster führte, ging die zweite Exkursion mit Empfehlung der Mitnahme von Gummistiefeln und Ferngläsern in das Naturschutzgebiet "Zwillbrocker Venn".

Zur Eröffnung des Naturschutztages sagte Landesdirektor Walter Hoffmann: "Möge das Thema [...] der Öffentlichkeit verständlich machen, dass im Gesamtorganismus der Natur jedes Geschöpf, sei es noch so winzig als Pflanze oder Tier, eine Funktion besitzt, die nur in ganz seltenen Fällen ohne Einbuße für unser eigenes Leben angetastet werden kann."

Hiermit bezog er sich auf zwei elementare Erkenntnisse der zu der damaligen Zeit aktuellen Forschung:

  1. "In einem ungestörten Lebensraum stellt sich ein biologisches Gleichgewicht ein."
  2. "Ein einzelner Eingriff in die Natur kann zu vorläufig nicht vorhersehbaren Reaktionen führen."

So drückte es zumindest Prof. Franzisket, Direktor des Landesmuseum für Naturkunde, in seinem Vortrag aus. Hierin sagte er ebenfalls, dass "Unser Lebensraum [...] in stetig zunehmendem Maße belastet [wird]: Von der Bevölkerungszunahme, von der Industrie, vom Verkehr, aber auch von wachsenden Ansprüchen des Komforts und des Genusses."

Prof. Dr. Heddergott Direktor des Pflanzenschutzamtes Münster, fügte dem hinzu, dass es daher die Naturschutzgesetze und die daraus resultierenden Naturschutzgebiete geben würde. Solche Gebiete hätten mehr als nur einmal seltene Pflanzen vor dem Aussterben gerettet und seien als solches wichtig für die Nachwelt. Für Tiere, die meist größere Lebensräume bräuchten, seien die Naturschutzgebiete in den häufigsten Fällen jedoch zu klein. Wenn den Menschen das Ungleichgewicht durch das Sterben nützlicher Tiere (hier: insektenfressende Vögel) auffallen würde, wäre es jedoch bereits zu spät - das Gleichgewicht wurde dann bereits zerstört.

Bereits vor 50 Jahren war der Appell an alle Mitmenschen somit: Man möge die Erde mit Bedacht behandeln, da wir nur eine besitzen.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/832

Eröffnung des Neubaus der Blindenwerkstätte in Hagen

Gegründet im Juli 1937 mit ursprünglich elf blinden Handwerkern, wurde der Neubau der Blindenwerkstatt Hagen mit einem Gesamtkostenaufwand von rund einer Million Deutsche Mark errichtet, wovon die Hauptfürsorgestelle des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) - neben Leistungen des Landes, der Stadt Hagen und Sammlungsmitteln - den überwiegenden Teil der Mittel zu Verfügung gestellt hat. Die Finanzierung korrespondierte mit der Bedeutung der Werkstätten in Bielefeld, Dortmund, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Minden, Münster, Siegen und Wattenscheid für den LWL, die der Landesdirektor des LWL, Walter Hoffmann in seiner Eröffnungsansprache am 31. Januar 1969 mit dem Satz formulierte, dass die Arbeits- und Berufsfürsorge für körperlich und geistig Behinderte eine der vornehmsten Aufgaben des LWL sei. Er verwies darauf, dass manche vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und seinem Vorgänger, dem Provinzialverband Westfalen, auf freiwilliger Grundlage aufgegriffene Hilfsmaßnahme erst nachträglich gesetzlich verankert worden war. So auch Leistungen, die lange vor der Verabschiedung des Bundessozialhilfegesetzes darauf abgestellt waren, behinderten Menschen durch individuelle Hilfestellungen zur fördern.

Die Blindenwerkstatt in Hagen war 1969 mit über 40 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp einer Million Deutsche Mark im Jahr 1968 der größte Betrieb der Westfälischen Blindenarbeit. Der Schwerpunkt der Hagener Werkstatt war die Weberei.

Das Blindenwerk Werk in Hagen besteht auch heute noch, aktuelle Informationen sind über die Homepage abrufbar.

1968

Landesdirektor Dr. Dr. h.c. Anton Köchling

Am 31. Januar 1968 wurde in einer Sondersitzung der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe im Landeshaus in Münster der Direktor des LWL, Dr. Dr. h.c. Anton Köchling, offizielle verabschiedet. Köchling schied wegen Erreichens der Altersgrenze an diesem Tag aus seinem Amt.

Zur Biographie

Am 29. März 1954 wurde der damalige Oberkreisdirektor des Kreises Recklinghausen Dr. Dr. h.c. Anton Köchling durch die Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe mit einer großen Mehrheit zum ersten Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) berufen. Damit löste er seinen Vorgänger Landeshauptmann Dr. h.c. Bernhard Salzmann ab.

Anton Köchling wurde am 03.01.1903 in Paderborn als jüngstes von zehn Geschwistern geboren und verbrachten den Großteil seiner Jugend in Paderborn und Essen. Ab 1922 studierte er in Köln und München Rechts- und Staatswissenschaft und promovierte dann am 19. Juli 1926 zum Doktor der Rechte. Nach einigen Jahren, in welchen er als Gerichtsreferendar an verschiedenen Dienstorten arbeitete, wurde er 1929 zum Regierungsassessor des Landkreises Recklinghausen ernannt. Ab 1936 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war er als Dezernent in den Regierungspräsidien Stettin, Aussig und Köln eingesetzt.

Nach Ende des Krieges trat er 1945 in die CDU ein und wurde 1948 Hauptgeschäftsführer des Nordrhein-Westfälischen Landkreistages in Düsseldorf. Seine politische Karriere erreichte 1950 durch die Ernennung zum Oberkreisdirektor des Landkreises Recklinghausen sowie der Berufung zum Landesdirektor des Landschaftsverbandes 1954 ihren Höhepunkt.

Zur Amtszeit beim LWL

Seine Amtszeit ist verbunden mit einer expansiven Ausweitung des Personalbestands und der Verwaltungsleistung. Die Anzahl der Beschäftigten stieg zwischen 1954 und 1968 von 5859 auf 11267 rapide an und die Summe des ordentlichen Haushaltes erhöhte sich um das Fünffache von 192.205.750 DM auf 959.041.650 DM.

Er widmete sich vor allem den sozialen Aufgaben des Landschaftsverbandes sowie der landschaftlichen Kulturpflege. Dies führte er getreu dem Motto: „Wir haben im Landeshaus zu Münster keine großen politischen Entscheidungen zu treffen, sondern uns nur in echter Selbstverwaltung, das heißt Selbstverantwortung um das Wohl der Menschen unserer Landschaft zu mühen" aus.

Für seine Verdienste während seiner gesamten Laufbahn erhielt Anton Köchling einige Ehrungen und Auszeichnungen. So wurde er beispielsweise für seine Verdienste um die deutsch-belgischen Beziehungen mit dem Orden Leopolds 2. ausgezeichnet.

Am Sonntag, den 18.03.1990, verstarb Anton Köchling im Alter von 87 Jahren.

Quellen:

  • LWl-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 113/97
    • Archiv LWL, Best. 115/228
    • Archiv LWL, Best. 132
    • Archiv LWL, Best. 906/1-2
  • Planen, Bauen, Helfen, Pflegen. Dokumentation einer Verwaltung; [Landschaftsverband Westfalen-Lippe 1965-1970], hrsg. von Landschaftsverband Westfalen-Lippe, Münster 1970, 259 S..

Jubiläum zum 75-jährigen Bestehen des Westfälischen Denkmalamtes am 24. Juni 1968 im Münsteraner Erbdrostenhof

Am 24. Juni 1968 feierten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Kirchen, Bürgerschaft und Adel das 75-jährige Bestehen der eigenständigen westfälischen Denkmalpflege im Erbdrostenhof in Münster, dem damaligen Sitz des Landesamtes für Denkmalpflege beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe.

Die Jubiläumsveranstaltung wurde verbunden mit der Einweihung des wiederhergestellten Festsaals des Erbdrostenhofes sowie mit der Ausrichtung der Deutschen Denkmalpflegertagung in Münster

Als die Denkmalpflege vom Preußischen Staat im Jahr 1893 dezentralisiert wurde, ernannte die Regierung einen Beamten der Provinz Westfalen zum Provinzialkonservator, der fortan als Bindeglied zwischen Denkmalpflege der Provinz und den „den staatlichen Bestrebungen und Organen" fungierte. Er wurde mit den vielfältigen Aufgabenbereichen der Denkmalpflege betraut, worunter auch die Denkmalwache über die Kirche fiel.

Einladungskarte zum Festakt zum 75-jährigen Bestehen des Westfälischen Denkmalamtes

Die offizielle Einladungskarte zum Festakt (Quelle: Archiv LWL, Best. 115)

In seiner Begrüßungsansprache zum Festakt hob Landesdirektor Hoffmann die gute Zusammenarbeit des Landschaftsverbandes mit den staatlichen Stellen im Bereich der Denkmalpflege und die großzügige Unterstützung des Landes beim Wiederaufbau der zerstörten Bau- und Kunstdenkmäler hervor.

Ein Beispiel hierfür ist der Erbdrostenhof in Münster, der in Münster, der in Kooperation zwischen dem Grafen Droste zu Vischering als Eigentümer, dem Landschaftsverband, der Stadt Münster und dem Land Nordrhein-Westfalen wiederaufgebaut worden ist und als Kulturstätte genutzt wird. Dass die Jubiläumsveranstaltung genutzt werden konnte, um gleichzeitig vor Ort die Einweihung des Festsaals des Erbdrostenhofes zu feiern, war ein offensichtliches Zeichen der erfolgreichen denkmalpflegerischen Arbeit. Den besonderen Ereignissen entsprechen erfolgte die musikalische Umrahmung auf historischen Instrumenten, darunter ein Ruckers-Cembalo aus dem Jahre 1640.

Aufriss der Nordfront des Erbdrostenhofes aus dem Jahr 1958

Aufriss der Nordfront des Erbdrostenhofes aus dem Jahr 1958 (Quelle: LWL-Archivamt, Archiv LWL, Kartensammlung).

Verknüpft wurden diese beiden feierlichen Anlässe mit der Tagung der bundesdeutschen Denkmalpfleger, deren Hauptthema das Problem der "Steinfestigung und Steinsicherung" war. Für Westfalen hatte dieses Thema wegen der Einwirkung der industriellen Abgase besonders im Ruhrgebiet eine aktuelle Bedeutung. Zu den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Veranstaltung gehörten auch Gäste aus Schweden, Dänemark, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, der Schweiz, Österreich und Italien. Diese beachtliche Reichweite dokumentierte einerseits die Attraktivität des Veranstaltungsortes und des Tagungsthemas, andererseits aber auch die gute internationale Vernetzung der Denkmalpflege.

Die Bezeichnung des ehemaligen Landesamtes für Denkmalpflege lautet heute LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Dieses Amt ist 2011 hervorgegangen aus den ehemals eigenständigen Ämtern für Denkmalpflege und für Landschafts- und Baukultur.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 115/350
  • Archiv LWL, Best. 110/515

50 Jahre Bergwetterstation auf dem Kahlen Asten

Am 2. August 1968 hielt der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Walter Hoffmann, eine Rede anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Bergwetterstation auf dem Kahlen Asten und gab dabei auch einen Überblick auf die Geschichte der Einrichtung.

1918 wurde die Wetterstation auf dem zweithöchsten Berg Westfalens (841,9 m ü. NN) als Außenstelle des Meteorologischen Observatoriums der Stadt Essen eingerichtet. Bemerkenswert ist, dass das Observatorium bereits 1915/1916 dort Staubmessungen zur Luftverschmutzung im Ruhrgebiet durchführte und auch 1917 für die Heeresluftschiffer Windbeobachtungen anstellte. In den ersten Jahren wurde der Wetterdienst von einem Angehörigen des Provinzialverbandes, Turmwirt Klante, versehen. Er telegrafierte seine meteorologischen Meldungen dreimal täglich nach Essen, von wo sie auch an die Deutsche Seewarte in Hamburg weitergegeben wurden. Auch regelmäßige Klimabeobachtungen und deren Auswertungen gehörten zu seinen Aufgaben. Im Juli 1925 wurde die Station erstmals mit einem wissenschaftlichen Beobachter, Dr. Hoffmann, besetzt.

Nach Gründung des Reichswetterdienstes 1934 ist die Wetterstation 1937 zu einer Hauptwetterwarte unter Verwaltung des Reichsamtes für Wetterdienst umgebaut und am 1. November 1937 feierlich eingeweiht worden. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Kahle Asten und somit auch die Bergwetterstation durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und musste nach Beendigung der Kämpfe neu aufgebaut werden. Die britische Besatzungsmacht setzte bereits September 1945 die Tätigkeit der Wetterwarte mit 4 deutschen Angestellten fort und übergab die Wetterstation 1952 an den gerade gegründeten Deutschen Wetterdienst. In Zusammenarbeit mit dem LWL konnte die Wetterstation 1954 wieder in das ursprünglich genutzte Turmgebäude einziehen. Allerdings konnte der Dienst erst ab 1962 nach dem Abschluss weiterer Renovierungsarbeiten wieder wie vor dem Krieg im höchsten Turmraum ausgeübt werden.

Bis zum Jubiläum 1968 wurden etwa 150.000 Wettermeldungen abgegeben: Zu den Rekordmeldungen gehörten bis dato die am 1. Februar 1956 mit -26° gemessene niedrigste Temperatur, der höchste Tagesniederschlag mit 106,3 mm am 4. Januar 1932 und die höchste Schneedecke mit 1,97 m im Februar 1952.

 

Auszug aus den gemessenen Klimawerten der Bergwetterstation, 1918-1967

Auszug aus den gemessenen Klimawerten der Bergwetterstation (Quelle: Archiv LWL)

Die Wetterstation nahm auch eine wichtige Stellung im bundesdeutschen sowie internationalen Wetterdienst ein. Sie gehörte zu den 82 Stationen im Bundesgebiet die sich im Rahmen der UNO über ihre Erfahrungen und Beobachtungen austauschten. Außerdem unterstützte sie den immer mehr aufkommenden Luftverkehr durch die Messungen in den oberen Luftschichten und gab Auskünfte zu Wetterdaten an Interessenten aller Art wie beispielsweise Verkehrsvereinen und Einrichtungen der Forstwirtschaft.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 110/515
  • Archiv LWL, Best. 115/395
  • Archiv LWL, Best. 205/430

Ehrung der westfäliscfhen Olympiasieger

Vom 12. bis zum 27. Oktober 1968 fanden in Mexiko-Stadt die 19. Olympischen Sommerspiele statt. Mit insgesamt 5516 Athleten aus 112 Nationen steigerte sich das Teilnehmerfeld nochmal deutlich zu den vorherigen Spielen in Tokio 1964.

Die BRD, welche erstmals getrennt von der DDR an der Olympiade teilnahm, entsandte 275 Teilnehmer, davon 232 Männer und 43 Frauen, nach Mexiko. Diese traten in 154 Wettkämpfen in 17 Sportarten an und errangen dabei 26 Medaillen.

Die 27 Athleten aus Westfalen konnten dabei in 6 unterschiedlichen Disziplinen 9 Medaillen gewinnen:

  • Pferdesport: Dr. Reiner Klimke (Gold/Bronze), Hans-Günter Winkler (Bronze)
  • Schwimmen: Michael Klaus (Bronze), Michael Holthaus (Bronze)
  • Stabhochsprung: Claus Schiprowski (Silber)
  • Fünfkampf: Ingrid Becker (Gold)
  • Radsport: Karl-Heinz Henrichs (Silber)
  • Kanu: Detlef Lewe (Silber)

Um die Leistung der westfälischen Teilnehmer zu würdigen, sandte der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) Walter Hoffmann unter anderem ein Telegramm an Frau Ingrid Becker nach Mexiko-Stadt. Darin heißt es:

“Ihre westfälische Heimat ist stolz auf Ihre großartige Leistung. Stellvertretend für die Bevölkerung Westfalens übermittle ich Ihnen herzliche Glückwünsche zum ersten Gold für Deutschland.”

Nach Beendigung der Spiele empfing der Landschaftsverband am 04.12.1968 noch einmal 16 Athleten aus Westfalen im Hotel “Kaiserhof”. Beim gemeinsamen Mittagessen berichteten die Teilnehmer über ihre Erfahrungen in Mexiko und konnten sich anschließend noch in das “Goldene Buch” eintragen.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen
    • Archiv LWL, Best. 110/3
    • Archiv LWL, Best. 115/186
       

Glückwünsche von Landesdirektor Walter Hoffmann an die Olympiasiegerin Ingrid Becker

Glückwunsch von Landesdirektor Walter Hoffmann an die Olympiasiegerin Ingrid Becker (Quelle: Archiv LWL, Best. 115/186)

Konrad-von-Soest-Preis für bildende Kunst an Otto Piene verliehen

Für herausragende Leistungen im Bereich der bildenden Kunst, für ein einzelnes Werk oder die Gesamtleistung eines Künstlers, der entweder im Bereich des LWL tätig ist oder aus Westfalen stammt, wird vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe seit 1952 alle zwei Jahre der Konrad-von-Soest-Preis verliehen - in Erinnerung an den gleichnamigen großen deutschen Künstler. Am 19. Dezember 1968 ging er an Otto Piene.

„Der Kunstpreis soll ein Bekenntnis zur Kunst unserer Zeit sein. Die Impulse, die von ihm ausgehen, sollen nach unserem Wunsch den Künstler ebenso treffen und anregen wie die Gesellschaft" - So drückte es 1968 der damalige Landesdirektor Walter Hoffmann aus, als er die Ansprache zur Verleihung des Preises hielt.

Der Preis kann nur einmal an denselben Künstler verliehen werden, vielleicht einer der vielen Gründe, warum er in der Kunstszene und darüber hinaus stets an Ansehen hinzugewonnen hat. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der informelle Künstler Emil Schumacher (1956) oder ganz aktuell in 2018 die zeitgenössische Malerin Tatjana Doll.

In dem Jahr, auf welches wir uns dieses Mal beziehen - 1968 - wurde der Preis bereits zum neunten Male verliehen. Preisträger war Otto Piene, bekannt für seine Werke Rund um Licht, Schatten und Feuer. Weitere Bekanntheit erlangte er als Mitglied der Künstlergruppe ZERO.

Pienes bewegtes Leben begann am 18. April 1928 in Lassphe, Westfalen. Er studierte an verschiedenen internationalen Universitäten Kunst und Philosophie und widmete sich bereits früh der Kunst rund um Licht und Schatten. Ob Lichtballett, Rauchzeichnungen oder Feuergouachen; Piene gilt bis heute als Meister seiner Klasse.

1957 gründete er zusammen mit Heinz Mack die Künstlergruppe ZERO, in der er zeitlebens aktiv war. Auch hielt er beispielsweise an der University of Pennsylvania Vorträge über seine Kunst und war parallel dazu mit einem Lehrauftrag beschäftigt. Den Ruf auf einen Lehrstuhl an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart lehnte er 1971 gar ab, um 1972 für eine Professur im Fachbereich „Visual Design for Environmental Art“ (Professor der Umweltkunst) in Boston zur Verfügung zu stehen. Dort lebte und arbeitete er bis zuletzt. Der Kontakt zu seiner deutschen Wahlheimat Düsseldorf brach nie ab. Er verstarb am 17. Juli 2014 in Berlin.

Heute genau vor 50 Jahren, am 19. Dezember 1968 wurde der Konrad-von-Soest-Preis an Otto Piene verliehen. Ausgezeichnet wurden sein malerisches Werk sowie seine Lichtchoreographien. Die Jury begründete ihre Entscheidung mit folgenden Worten:

„Otto Pienes Werk stellt einen unverwechselbaren Beitrag zur Kunst unserer Zeit dar. Sowohl in seiner Malerei, die durch die Verwendung neuer Techniken zu einer eigenen Form fand, als auch in den Lichtballetten ist es ihm gelungen, ein ästhetisches Gegenbild zu unserer Wirklichkeit zu schaffen. Diese Beziehung zwischen Kunst und moderner technischer Welt ist auch Thema seiner neusten Arbeiten, die die Unterschiede zwischen den Gattungen der Künste aufhebend große Räume in die künstlerische Gestaltung einbeziehen. Das Werk hat den Bereich der bildenden Kunst erweitert.“

An der Harvard University, Carpenter Center for Visual Arts, sagte er im Jahr 1966 in einem seiner Vorträge: „Vielleicht würden die Menschen in den Städten der Zukunft zu Kunstwerken hochblicken, die über den Zonen reinen Lichts und reiner Stille stehen. Sie mögen Plastiken in der Art von Flugzeugen, oder Ballons oder atmende Gebilde mit fliegenden Kiemen oder die Haut der Stadt in merkwürdige Farben sein. Oder nichts von alledem. Nur ein Lichtstrahl. Ein Lichtstrahl zum Mond und ein Regenbogen. Vielleicht werden die Künstler einflussreicher sein: die Sinne zu wecken, entwickeln und verfeinern.“

Noch sind seine zahlreichen Phantasien über die Zukunft nicht eingetreten, und doch hat Otto Piene mit seinen Kunstwerken einen großen Schritt für die Licht-, Schatten- und Feuerkunst getan. In diesem Sinne hat der feierliche Rahmen des Festaktes zur Verleihung dieses angesehenen Preises bleibende Eindrücke hinterlassen, die bis heute im LWL-Archivamt für Westfalen archiviert und dokumentiert sind.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 110/515
    • Archiv LWL, Best. 702/1205

1967

75-jähriges Jubiläum des Naturkundemuseums

Am 10. Februar 1967 feierte das damals noch als "Westfälisches Landesmuseum für Naturkunde" bezeichnete "LWL-Museum für Naturkunde - Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium" in Münster seinen 75. Gründungstag. Die Feierlichkeiten waren für ein ungerades Jubiläum umso größer, da das 50. Jubiläum aus Kriegsgründen nicht stattfand. Als Gründungstag gilt der 10. Februar 1892, an dem die Mitglieder des Provinziallandtags das neue Museum unter Leitung von Landtagsmarschall Alexander Freiherr von Oheimb (1889-1903) besichtigten.

Vor 50 Jahren veranstaltete der Landschaftsverband am 10. Februar 1967 eine Feierstunde im Naturkundemuseum mit geladenen Gästen. Die Anwesenden wurden von dem Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Ernst Knäpper begrüßt, worauf Grußworte folgten. Der damalige Direktor des Naturkundemuseums, Dr. Ludwig Franzisket, hielt anschließend einen Festvortrag. Landesdirektor Dr. Dr. h.c. Anton Köchling verabschiedete schließlich die versammelten Gäste. Die Pressebesprechung zum Jubiläum, an der 17 Journalisten teilnahmen, fand bereits zwei Tage vorher am 8. Februar statt.

Bild zweier Fossilien aus der Ausstellung "Evolution" des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum

In diesem Rahmen erschien für das zu der Zeit meistbesuchte Museum Westfalens ebenfalls eine Festschrift. Diese reiht sich als Heft 1 im 29. Jahrgang (1967) in die "Abhandlungen aus dem Landesmuseum für Naturkunde zu Münster in Westfalen" ein. Interessant scheint heute, dass die Publikation weder ein Grußwort des Direktors des Landschaftsverbandes oder des Landesrates für Kultur noch eines des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung enthält, sondern als normale Publikation in die "Abhandlungen" passt.

Einige Schaukästen aus der Ausstellung "Evolution" des Westfälischen Landesmuseums für Naturkunde

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum

Ein paar Jahre später, im Jahr 1981 zog das Naturkundemuseum von seiner ursprünglichen Liegenschaft in der Himmelreichallee an seinen heutigen Standort am Aasee und erhielt ein Planetarium. Die Planungen hierzu wurden bereits im Jubiläumsjahr angestoßen. Damals teilte der Zoologische Garten dem Landschaftsverband seine Absicht mit, auf die Sentruper Höhe zu ziehen. Da das Museum seine Ausstellungen zu dieser Zeit eng mit dem Zoo abgestimmt hatte, beteiligte man sich fortan an den Planungen, um auch in Zukunft diese Praxis fortzuführen.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/770
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 702/1295

Eröffnung einer Heilstätte für sprachleidende Kinder und Jugendliche in Hamm

Vor 50 Jahren, am 23. Mai 1967, übergab der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die neu in Hamm erbaute Heilstätte für sprachleidende Kinder und Jugendliche ihrer Bestimmung. Bereits seit 1960 war es zwar möglich im Schloss Rheda erste umfangreiche stationäre Behandlungen für junge Patienten anzubieten, allerdings reichte der Platz dort bald nicht mehr aus. Durch den Neubau des Sprachheilinstituts konnten nun anstatt der ursprünglichen 18 fortan bis zu 60 Patienten für eine Behandlungszeit von 100 Tagen je Kur aufgenommen werden. Auch die unmittelbare Nähe zum Hammer Institut für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik war ein großer Vorteil, da so die Betreuung durch Ärzte des psychiatrischen Instituts ermöglicht werden konnte.

Zurückzuführen ist die Behandlung der Sprachstörungen auf das vom damaligen Provinzialverband Westfalen 1948 ins Leben gerufene soziale Hilfswerk für sprachleidende "Volksschulkinder". Der Provinzialverband nahm sich damit auf freiwilliger Basis als erste Einrichtung in Deutschland der Sprachheilfürsorge für sprachgestörte und sprechbehinderte Kinder und Jugendliche an.

Die Notwendigkeit für ein solches Projekt war insofern von hoher Priorität, als dass von den damaligen 900.000 Kindern in Westfalen-Lippe etwa 18.000 (2%) sprachgestört waren, oft bedingt durch Kriegs- und Kriegsfolgegeschehen wie Fluchterlebnisse oder Schockwirkungen durch Bombennächte. Sprachleiden wie Stottern, hervorgerufen durch einen schwachen körperlichen und seelischen Zustand, traten so immer häufiger auf. Dies war oftmals nicht nur für die Betroffenen tragisch, es belastete auch die Angehörigen.

Die Etablierung der westfälischen Sprachheilfürsorge verlief anfänglich nicht ganz ohne Komplikationen. So mangelte es an ausgebildeten Fachkräften wie Sprachheillehrern, ohne die eine effiziente, fachlich angemessene Durchführung der Therapien nicht möglich war. Konzepte wie die Errichtung von Sprachheilkindergärten und die post-stationäre Betreuung steckten bestenfalls noch in den Kinderschuhen.

Erst als 1958 auf Erlass des NRW-Kultusminister die Ausbildung zum Sprachheillehrer in der Pädagogischen Hochschule Dortmund aufgenommen wurde, trat Besserung ein. Bis 1968 konnten im Landschaftsverband Westfalen-Lippe so schon 36.000 sprachkranke Kinder und Jugendliche ambulant und etwa 2.000 stationär behandelt werden.

Mit Eröffnung der neuen Heilstätte 1967 in Hamm konnten Behandlungen unter aktuellsten pädagogischen und psychotherapeutischen Standards durchgeführt werden. Im Laufe der nächsten Jahre wurden die Behandlungsverfahren immer weiter ausgearbeitet. Möglich war dies, weil Sprachheilpädagogen mit Ärzten und Psychologen direkt zusammenarbeiten konnten.

Damit war eine wichtige Grundlage geschaffen, um langfristig eine westfalenweit flächendeckende Versorgung sprachleidender Kinder und Jugendlicher gewährleisten zu können.

 

Ansicht der neuen Sprachheilstätte Hamm 1967

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Fotosammlung

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 602/260
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/357
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 103/286
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 103/296
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186

Gründung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V.

Um psychisch Kranke nach ihrer Genesung und ihrer Entlassung aus den westfälischen Landeskrankenhäusern bei ihrer Wiedereingliederung und Resozialisierung zu fördern und ihre sozialen Interessen in der Öffentlichkeit zu vertreten, wurde 1967 innerhalb des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe im Landeskrankenhaus (LKH) Gütersloh die "Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V." gegründet.

Den Anstoß zur Gründung der Gesellschaft gaben Patienten einer offenen Männerstation des LKH Gütersloh, nachdem eben jene Problematik der Wiedereingliederung von psychisch Kranken in die Gesellschaft Kernthema der dort täglich geführten Diskussionsstunden, bestehend aus dem Klinikpersonal und den Patienten selbst, war.

Diese "Therapeutische Gemeinschaft", demokratisch geführt von Patienten, Pflegern und Ärzten gleichermaßen, verabschiedete so am 27. April 1967 eine Satzung, die es sich zum Ziel erklärt hatte, vor allem die Vorurteile gegenüber psychisch Kranken abzubauen. Innerhalb Deutschlands war sie somit die erste Institution dieser Art, im Ausland existierten solche Gesellschaften schon länger.

Der Zweck dieser Gesellschaft sollte duch folgende Punkte vornehmlich erreicht werden:

  1. Einflußnahme auf die in der Öffentlichkeit herrschenden Vorurteile gegenüber den psychisch Erkrankten und den zur Behandlung dieser Kranken geschaffenen Institutionen.
  2. Förderung von Maßnahmen zur Vorbeugung, Erkennung und Behandlung psychischer Erkrankungen.
  3. Einflußnahme auf Gesetzgebung und Verwaltung im gleichen Sinne.
  4. Lebenshilfe und Betreuung für psychisch Erkrankte.
  5. Förderung von Einrichtungen, die der Rehabilitation von psychisch Kranken dienen.

Aus: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423

Vor allem die in der Öffentlichkeit weit verbreitete Befangenheit, dass Geisteskrankheiten unheilbar seien und nur durch schlechte Erbanlagen entstehen, sollte aufgeklärt werden.

Im Zuge der ersten Sitzung in Gütersloh, an welcher etwa 100 Personen teilnahmen und wovon die Hälfte der anwesenden Teilnehmer Patienten waren, wurde Prof. Dr. Winkler, Direktor des LKH Gütersloh, zum Vorsitzenden der Gesellschaft gewählt. Desweiteren erhielten drei Patienten einen Platz in dem aus vier Personen bestehenden Beirat. Um den Beitritt möglichst vieler Personen zu ermöglichen, legt man sich auf einen Jahresbeitrag von 10.- DM fest.

1976 schloss sich die Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. mit ihrem niederländischen Pendant zum immer noch heute existierenden "Niederländisch-Deutschen Verein für seelische und geistige Gesundheit" zusammen.

Beitrittserklärung zur Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V.

Beitrittserklärung zur Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V. (Quelle: Satzung der Gesellschaft für geistige Gesundheit e.V., LWL-Archivamt für Westfalen, Bestand 620/423)

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/186
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/203
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/225
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/833
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 620/423

Festakt zum hunderjährigen Bestehen des Westfälischen Landeskrankenhauses Lengerich am 30. Mai 1967

Es war ein besonderes Jubiläum am 30. Mai 1967 in Lengerich. Das dort ansässige Westfälische Landeskrankenhaus feierte unter großer Anteilnahme hochrangiger Vertreter aus Kultur, Politik und Kirche sein hundertjähriges Bestehen. Als zweitälteste westfälische Provinzialheilanstalt nach Marsberg waren von der Gründung bis zum Jahresende 1966 dort etwas über 30.000 Patienten und Patientinnen aufgenommen worden. Eine Vielzahl der Patientenakten befindet sich im Archiv des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Archiv LWL) und ist nach Ablauf archivgesetzlicher Schutzfristen von der interessierten Öffentlichkeit einsehbar.

In seiner Ansprache zum Festakt umriss Landesdirektor Dr. Anton Köchling, der von einem Tag des Gedenkens, einem Rückblick in die Vergangenheit, aber auch einem Ausblick in die Zukunft sprach, die Wandlung der Einrichtung von der Gründung bis zum Jubiläum: Als das Landeskrankenhaus Lengerich vor 100 Jahren seine Pforten öffnete, galt es seelisch kranke Menschen unter möglichst menschenwürdigen Verhältnissen bis zum Ablauf ihrer Krankheit bzw. bis zum Ende ihres Lebens zu pflegen. Stand anfänglich ausschließlich die Bewahrung im Vordergrund, waren es mit voranschreitender Entwicklung Heilung und Rehabilitation.

Auch Name und Funktion der psychiatrischen Fachkrankenhäuser änderten sich im Laufe eines Jahrhunderts mehrfach. Während sie im 19. Jahrhundert als Irrenhäuser bekannt waren, hießen sie später Heilanstalten. Diese wurden zu Landeskrankenhäusern, aus denen heraus sich psychiatrische Fachkrankenhäuser entwickelten.

Die Phase des Nationalsozialismus brachte seelisch Kranken Menschen unsägliches Leid, namentlich sind 440 Patienten und Patientinnen bekannt, die aus der Heilanstalt Lengerich mit dem Ziel der Tötung abtransportiert wurden. Aber auch nach der NS-Zeit erschwerten vielfach Unverständnis oder gar Spott der Gesellschaft die soziale Integration seelisch kranker Menschen.

Für die Patienten selbst war eine Anstaltseinweisung oftmals gleichzusetzen mit dem Verlust von Freiheit. Im Zusammenhang mit dieser Situation stellt sich in den 1960er-Jahren die Frage, ob der strukturelle Aufbau der Landeskrankenhäuser der zeitgenössischen Auffassung von Unterbringung und Behandlung noch entspricht.

Köchling dankte der medizinischen Wissenschaft, der es gelungen war, seelische Erkrankungen in Verbindung mit der Pharmakologie nicht nur zu bessern, sondern immer öfter zu heilen. Lag der Anteil der Frühentlassungen (Entlassung innerhalb der ersten drei Monate nach der Aufnahme) 1950 bei rund 33% waren es Ende der 1960er-Jahre schon 65%.

Das hundertjährige Jubiläum stand somit auch im Zeichen einer grundsätzlichen Modernisierung psychiatrischer Krankenhäuser und der Hoffnung, dass eine seelische Erkrankung in Verbindung mit gesellschaftlicher Integration nicht mehr als Utopie zu betrachten war.

Im vergangenen Jahr wurde der Öffentlichkeit im Übrigen von der LWL-Klinik Lengerich ein umfangreiches Jubiläumsbuch zum 150-jährigen Bestehen präsentiert, in dem in sehr eindrücklicher Weise auf 552 Seiten die Klinikgeschichte dargestellt wird.

Quellen: LWL-Archivamt für Westfalen,

  • Archiv LWL, Best. 110/215
  • Archiv LWL, Best. 113/77
  • Archiv LWL, Best. 113/80
  • Archiv LWL, Best. 662/227
  • Archiv LWL, Best. 662/229

Beide Fotos aus:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Fotobestand

25 Jahre Ausbildung zur Sozialarbeit in Westfalen

Am 27. Oktober 1967 gab der damalige Landesdirektor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anton Köchling, anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der Landeshauptmann-Salzmann Schule in Bielefeld einen groben Überblick über den Werdegang dieser Einrichtung, die sich im Verlauf ihrer Geschichte von einer Provinzialschule für Volkspflege zu einer höheren Fachhochschule für Sozialarbeit entwickelt hatte.

Ursprünglich war die damalige Wohlfahrtsschule für Sozialarbeit 1941 als erste überkonfessionelle Schule in Dortmund gegründet worden. Ziel war es dabei, gute, anfangs nur weibliche, Fürsorgekräfte auszubilden und für den Berufsalltag vorzubereiten. Die Lage der Schule in Dortmund, die dazu führte, dass die Schülerinnen mit den sozialen Problemen der Stadt in Berührung kamen, sowie die religiöse Toleranz trugen laut Köchling zum Erfolg der Schule bei. Die erste Direktorin der Schule, Paula Schröder, schaffte es trotz der erschwerten Bedingungen durch den Zweiten Weltkrieg sowie der Zerstörung des Schulgebäudes 1943 gleich in der Anfangsphase für gute Anmeldezahlen zu sorgen.

Nach schwierigen Jahren, in denen die Schule immer wieder an verschiedene Orte verlegt worden war und Lehrpersonal sowie Schülerinnen gezwungen waren, zu pendeln, erfolgte am 1. Oktober 1954 der Einzug in ein Mädchenwohnheim des Johanneswerks in Bielefeld. Bereits kurz nach dem Krieg hatte es Überlegungen gegeben, die Schule wieder in eine große Stadt zu verlegen, um wie vorher in Dortmund die speziellen sozialen Einflüsse auf die Schülerinnen wirken lassen zu können.

Durch steigende Anmeldezahlen und den sich daraus ergebenden Platzproblemen im Gebäude des Johannesstifts entschied sich der LWL, ein neues, modernes Schul- und Internatsgebäude zu errichten, welches 1959 bezogen werden konnte. Durch eine neue Richtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen stellt die Schule ihre Ausbildung von einer zweijährigen auf eine dreijährige Ausbildung um, in deren Rahmen durch Praktika verschiedene Bereich der sozialen Arbeit veranschaulicht wurden. Infolgedessen und aufgrund der Verlegung der Schule in das neue Schulgebäude stieg die Zahl der Anmeldung mit 25 bis 30 neuen Schülerinnen pro Ausbildungsjahr weiter an.

Im Jahr 1966 ergab sich im Zuge des allmählich eintretenden gesellschaftlichen Wandels eine weiter große Veränderung für die Schule: Nachdem bislang ausschließlich Frauen ausgebildet worden waren, wurden jetzt auch Männern der Zugang zur Ausbildung als Sozialarbeiter ermöglicht.

Durch das neue Fachhochschulgesetz vom 02. Juli 1969 hat die Höhere Fachhochschule für Sozialarbeit dann den Rechtsstatus einer Fachhochschule erhalten und ging am 01. August in die Trägerschaft des Landes Nordrhein-Westfalen über.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen,
    • Archiv LWL, Best. 103/639
    • Archiv LWL, Best. 103/715
    • Archiv LWL, Best. 110/215
    • Archiv LWL, Best. 115/531

Fotonachweis:

  • Karl Franz Klose, ©LWL-Medienzentrum für Westfalen

1966

Einweihung eines neuen Schulgebäudes für die Blindenanstalt in Paderborn am 17.März 1966

Am 17. März 1966 wurde in einem kleinen Festakt das neue Schulgebäude der von-Vincke'schen Provinzial-Blindenanstalt in Paderborn (heute: Pauline-Schule - LWL-Förderschule, Förderschwerpunkt Sehen) von Kardinal Dr. Lorenz Jaeger geweiht und seiner Bestimmung übergeben. Im Jahr 1842 gründeten Pauline von Malinckrodt und Joseph Hermann Schmidt in Paderborn eine private Blindenanstalt. Diese wurde dann 1845 vom Provinzialverband Westfalen als katholische Abteilung der neugegründeten von-Vincke Provinzial-Blindenanstalt übernommen. Zeitgleich wurde in Soest eine evangelische Abteilung aufgebaut. Diese Aufgabenteilung blieb formal bis 1975 erhalten. Der Andrang auf die von Pauline von Malinckrodt und den Ordensschwestern der Christlichen Liebe geleitete Blindenschule war von Beginn an sehr groß. So mussten zwischen 1850 und 1944 immer wieder neue Gebäude errichtet werden, um den wachsenden Schülerzahlen gerecht zu werden.

Frontansicht des neuen Gebäudes der Vincke'schen Provinzial-Blindenanstalt

Frontansicht des Gebäudes (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/644)

Am 5.Dezember 1944 kam es dann zur völligen Zerstörung der Anlage durch Fliegerangriffe. Der Wiederaufbau der kompletten Blindenanstalt samt Schule, Kapelle, Internat und Werkstätten wurde am April 1950 beendet. In den 1950er- Jahren wurden dann auch hauptamtliche Lehrer eingestellt, die nicht Mitglieder des Ordens der Schwestern der Christlichen Liebe waren, zudem wurden nun auch sehbehinderte Kinder unterrichtet. Durch die starke Zuwanderung der Ostvertriebenen und eine sehr hohe Geburtenrate kam es schnell wieder zu Platzproblemen, die sich in allen Bereichen der Blindenanstalt bemerkbar machten. Mit dem Neubau der 12-klassigen Schule mit allerhand Sonderräumen (Physik, Chemie, Musik, Lehrküche, Aula, Turnhalle, Schwimmbad etc.) wurde im September 1964 begonnen. Dabei konnten die im Haushaltsplan vorgesehenen Baukosten in Höhe von 2,4 Millionen DM eingehalten werden. Anstelle von großen Kunstwerken oder Schmuck installierte man im Außenbereich des Gebäudes ein aufwändiges Glockenspiel aus 28 Bronzeglocken, die sich über 2½ Oktaven erstrecken.

Dreimal täglich sollten diese erklingen und von den Schwestern ausgewählte Melodien und Lieder spielen. Zusätzlich konnte das Glockenspiel auch über eine Klaviatur per Hand gespielt werden. Musikbegabte Schüler durften hier als "Glockenspieler vom Dienst" ihr Talent darbieten.

Der Münsteraner Organist Karl Seubel sagte dazu:

„Wenn diese Glockenspielmusik durch das fein ausgebildete Ohr der blinden Kinder den Weg zu ihrem Herzen findet, in ihnen später nachklingt und sie an die Zeit erinnert, die sie unter der Betreuung der Schwestern hier verbracht haben, dann hat diese Anlage ihren guten Zweck erfüllt."

Quelle und Bildnachweis:

LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/644

Westfalentag in Berlin

Im Jahr 1966 durften sich die in West-Berlin lebenden Westfälinnen und Westfalen auf einen eigenen (kleinen) Westfalentag freuen.

Dieser fand vom 1. bis zum 3. Mai 1966 in Berlin statt und wurde gemeinsam vom Westfalenbund und dem Sauerländischen Gebirgsverein (SGV) veranstaltet. Die Feierlichkeiten umfassten neben einem zentralen Festakt am letzten Tag auch die Teilnahme an der Mai-Feier vor dem Reichstagsgebäude, Arbeitstagungen und weitere Empfänge.

Gefeiert wurden sowohl das 75-jährige Bestehen der Abteilung Berlin des SGV, als auch der 70. Jahrestag der Gründung des Westfalenbunds Berlin. Bei so einer Feierlichkeit durfte natürlich auch der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) nicht fehlen und entsendete zwei Vertreter: den stellvertretenden Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Richard Borgmann für das Grußwort sowie den Pressesprecher Clemens Herbermann für den Festvortrag.

Borgmann, gleichzeitig Landrat des damaligen Landkreises Tecklenburg, sollte in Berlin einen seiner letzten öffentlichen Auftritte haben, denn er verstarb wenige Monate später am 22.Juli 1966. Herbermann sprach in seinem Festvortrag zum Thema "Westfalen - gestern und heute". Er war in seiner Funktion als Pressesprecher auch Chefredakteur und Herausgeber des Westfalenspiegels, der im April 1966 den Westfalen in Berlin eine eigene Ausgabe widmete und über die Veranstaltung berichtete.

Bundespräsident Heinrich Lübke, selbst gebürtiger Westfale und Mitglied des Westfalenbundes, hielt eine Ansprache an seine Landsleute. Ihn begleitete seine Frau Wilhelmine, wiederum Mitglied des SGV Berlin.

Dieser Westfalentag ist allerdings nicht mit dem Westfalentag zu verwechseln, den der Westfälische Heimatbund alle zwei Jahre organisiert. Die diesjährige (2016) Ausgabe findet am 25. Juni in Hagen statt.

Wiedereröffnung der Denkmalgaststätte Porta Westfalica

Das Kaiser Wilhelm Denkmal in Porta Westfalica zieht seit seiner Errichtung Ende des 19. Jahrhunderts jährlich viele Tausende Besucher aus nah und fern an. Um diesen Menschen ein attraktives Ausflugsziel zu bieten, wurde 1896 mit dem Bau des Denkmals gleichzeitig auch eine Gastwirtschaft errichtet.

In den 1960er-Jahren entschied man sich dazu, den ursprünglichen Holzfachwerks-Pavillon nach über 70 Jahren zeitgemäß den modernen Ansprüchen anzupassen. Hierzu wurde nach einem Entwurf des Mindener Architekten Wilhelm Hempel der Holzpavillon komplett durch einen modernen Gastraum ersetzt.

Das Gasthaus am Kaiser-Wilhem-Denkmal vor dem Umbau von 1966

Der Holzpavillon vor dem Umbau (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655)

Die Zahl der Sitzplätze stieg von 201 auf 214 im Innenbereich, für die Terrasse waren insgesamt 154 Plätze vorgesehen. Für die Umbaukosten wurden einschließlich der technischen Neuausstattung mit Lüftungs- und Heizungsanlage 328.00 DM veranschlagt. Nach der Sommersaison 1965 konnten die Abriss- und Umbauarbeiten am 18. November beginnen. Um sicherzustellen, dass das Gebäude unabhängig von der Witterung spätestens zum Sommer 1966 wieder benutzbar sein konnte, errichtete man ein beheiztes Schutzgebäude aus Holz und Kunststofffolie um den Bau herum. So konnte die Gaststätte am 13. Juni 1966 vom damaligen Pressechef des LWL, Clemens Herbermann und Landesrat Friedrich Röhrs feierlich wiedereröffnet werden. Dabei wurde rückblickend an die großen Feierlichkeiten zur Ersten Einweihung des Denkmals durch den damaligen Kaiser Wilhelm 2. und seine Frau Auguste Viktoria erinnert. Tradiert ist, dass der Kaiser zu den Klängen eines imposanten Posaunenheeres von 700 Männern den Westfalen ein „Hurra!" auf das Denkmal zurief, dass sie seinem Großvater gesetzt hatten. Im Vergleich zu dieser prachtvollen Einweihung lief die Wiedereröffnung der Gaststätte in wesentlich bescheidenerem Rahmen ab.

Die neue Gaststätte am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Wesfalica 1966

Die sanierte Gaststätte im Charme der 60er-Jahre (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655)

50 Jahre danach legten Bundesbauministerien Dr. Barbara Hendricks und LWL-Direktor Matthias Löb am 15. September 2016 bei bestem "Kaiserwetter" den Grundstein - inklusive einer Zeitkapsel gefüllt mit Münzgeld und aktueller Tageszeitung - zur Erneuerung der kompletten Ringterrasse des Denkmals einschließlich eines Besucherzentrums und der Gastronomie. Das 12,4 Millionen Euro umfassenden Projekt soll Anfang 2018 fertiggestellt sein.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/655
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum Pothmann

Jubiläum der Siedlungsgesellschaft Rote Erde

2016 würde die "Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH" (kurz: Rote Erde) ihren 100. Gründungstag feiern. Nun existiert die "Rote Erde" bereits seit 1970 nicht mehr, doch vier Jahre zuvor feierte sie noch im Festsaal des Rathauses Münster sehr selbstbewusst ihr 50-jähirges Jubiläum.

Der LWL-Landesdirektor bekleidete traditionell den Vorsitz des Aufsichtsrates der Roten Erde. So kam es, dass Dr. Dr. h.c. Anton Köchling bei den Feierlichkeiten zum 50. Gründungstag der Siedlungsgesellschaft die Begrüßung vornahm. Professor Dr. Hans K. Schneider, Direktor des Institutes für Siedlungs- und Wohnungswesen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, hielt den Festvortrag zum Thema "Raumordnung und regionale Strukturpolitik im ländlichen Siedlungsraum". Eingerahmt wurden die Festlichkeiten von Auftritten der Kammermusikvereinigung der Nordwestdeutschen Philharmonie.

Ihren Gründungstag erlebte die "Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH" in den Wirren des 1. Weltkrieges am 3. Juni 1916. Ihre Hauptaufgabe, die Schaffung von Wohn- und Arbeitsstellen für Kriegsteilnehmer und Hinterbliebene, wurde in den ersten Jahren durch das zivile Bauverbot und die hohen Preise für Baumaterial erheblich erschwert. Mit der Satzung vom 6. Oktober 1925 gewann die Vermehrung der Bauernstellen und Vergrößerung der landwirtschaftlichen Betriebe an Bedeutung.

Aufgrund der politischen Änderungen ab 1933 ergaben sich auch für die Siedlungsgesellschaft einige Probleme in der Ausführung ihrer Aufgaben. Obwohl die Förderung der Bauernstellen weiterhin einen großen Stellenwert einnahm, musste der Ankauf von Siedlungsland ab 1938 eingestellt werden, da die ausführenden Organe der Roten Erde die vorgegebene Einheitssatzung des Reichsernährungsministeriums ablehnten. Daraufhin wurde die Anerkennung als gemeinnütziges Siedlungsunternehmen entzogen. Zudem kam die Geschäftstätigkeit der Roten Erde während des Zweiten Weltkrieges fast vollständig zum Erliegen, da viele Mitarbeiter zum Kriegsdienst einberufen waren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Roten Erde die wichtige Rolle zuteil, die sogenannten "Heimatvertriebenen" aus den ehemaligen "Ostgebieten" des vergangenen Dritten Reiches mit Wohn- und Arbeitsraum zu versorgen.

Siedlung "Am Eichert" in Siegen im Jahr 1965

"Am Eichert in Siegen - Eine Siedlung der Roten Erde von 28 Nebenerwerbstellen, die auf einen Besuch des Aufsichtsrates im Jahr 1965 wartet". (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Bibliothek, WN 21 - Festschrift " 50 Jahre Gemeinnützige Siedlungsgesellschaft Rote Erde GmbH", [Münster 1966], S.68)

So wurden im Zeitraum 1948 - 1965 insgesamt 13.554 Hektar Siedlungsland erworben, welches durch verschiedene Kultivierungsarbeiten nutzbar gemacht wurde. Aufgrund ihrer herausragenden Leistung bekam die Siedlungsgesellschaft im Jahre 1965 die Plakette "Hilfe durch Grün" durch den damaligen Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und späteren Bundespräsidenten Dr. h.c. Heinrich Lübke verliehen.

In den ersten 50 Jahren der Siedlungsgesellschaft standen vor allem die Förderung der ländlichen Siedlung und die Wiedereingliederung der Vertriebenen der beiden Weltkriege im Vordergrund. Von nun an sollte, bedingt durch die sich ändernden Verhältnisse, die Planung und Durchführung von Maßnahmen im öffentlichen Raum (Bodenordnung, Ortssanierung, Ortsentwicklung) sowie die Rationalisierung des Bauens im Bereich landwirtschaftlicher Siedlungen und Agrarstrukturverbesserungen eine größere Bedeutung erhalten.

Allerdings wurde die Rote Erde 1970 mit den nordrhein-westfälischen gemeinnützigen Wohnungsunternehmen "Rheinische Heim GmbH, "Rheinische Heimstätte GmbH" und "Westfälische Lippe Heimstätte GmbH" zur Landesentwicklungsgesellschaft NRW mbH (LEG) fusioniert. Diese agiert heutzutage als LEG Immobilien AG, nachdem sie zwischenzeitlich von 2008 bis 2013 unter dem Namen LEG NRW GmbH firmierte.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/662 (Pressekonferenz)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 110/215 (Rede Landesdirektor)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 307/269 (Satzung, 1925-1939)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/448 (Satzung, 1961-1968)
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Bibliothek, WN21

Irmgart Wessel-Zumloh - Erste Preisträgerin des "Konrad-von-Soest-Preises"

Alle zwei bis drei Jahre wird der "Konrad-von-Soest-Preis" an herausragende Künstler, welche in Westfalen-Lippe geboren wurden oder leben, vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), verliehen. Von 1952 bis 2016 wurde der "Konrad-von-Soest-Preis" insgesamt 32mal an regionale Künstler verliehen.

Vor 50 Jahren, bei der bis dato 8. Verleihung, wurde die Preisträgerin Irmgart Wessel-Zumloh 1966 mit diesem Preis für ihre zeitgenössische Kunst von besonderer Bedeutung geehrte. Sie war vor 50 Jahren die erste von bis heute insgesamt sechs weiblichen Preisträgerinnen, welche vom LWL für ihre Arbeit gewürdigt wurden.

Die Jury, welcher unter anderem der damalige Landesrat Robert Paasch, Leiter der Kulturpflegeabteilung, angehörte, verlieh am 16.12.1966 der in Grevenbrück geborenen Malerin den mit 10.000,- DM und einer Ausstellung im Westfälischen Landesmuseum für Kunst- und Kulturgeschichte Münster (heute LWL Museum für Kunst und Kultur) dotierten Preis für ihr künstlerisches Werk, welches:

„… sich in lebendiger Auseinandersetzung mit der Malerei unserer Zeit entwickelt und an wenigen Themen den Reichtum von Farbe und Form entfaltet"

Begründung der Jury zur Verleihung des Preises an Irmgart Wessel-Zumloh

Ausschnitt aus dem Programm zur Ausstellung anlässlich der Verleihung des "Konrad-von-Soest-Preis"

Ausschnitt aus dem Programm zu Ausstellung anlässlich der Verleihung des "Konrad-von-Soest-Preis" (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/667)

Die 1907 geborene Irmgart Wessel-Zumloh wuchs ab 1909 in Kleve am Niederrhein auf und begann 1928 zunächst in München Jura zu studieren, konnte aber bald ihren Traum eines Kunststudiums in Königsberg und Berlin verwirklichen. Nachdem sie 1932 zwischenzeitlich die Prüfung für das "Künstlerische Lehramt an Höheren Schulen" ablegte, folgte 1934 die Hochzeit mit dem bekannten Iserlohner Künstler Wilhelm Wessel und der Umzug nach Hemer, wo sie die Möglichkeit hatte, sich vollends ihrer Malerei zu widmen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges unternahm Wessel-Zumloh längere Italienreisen, welche entscheidenden Einfluss auf Ihre Kunst nahmen. Aufgrund dessen wichen Landschaften und Figuren in Ihren Kunstwerken nach und nach Stillleben. Weitere Studienaufenthalte in Paris, Spanien, Griechenland und dem Vorderen Orient trugen zudem zu einer vielfältigen malerischen Gestaltung bei, wobei jedoch ihr persönlicher Stil nicht verloren ging.

Die Weiterentwicklung ihrer Kunst findet sich auch in der Glasmalerei, welche unter anderem in der Dreifaltigkeitskirche Iserlohn und der Pfarrkirche von Letmathe-Lasbeck zu sehen ist.

Im Laufe ihres Lebensweges stieg die Popularität ihrer Malerei stetig, sodass ihre Bilder beispielsweise für deutsche Kunstausstellungen in Washington, Neuseeland und Paris ausgewählt wurden. Auch Honorierungen ihrer Werke durch diverse Preise belegen den steigenden Anklang ihrer Kunst.

25 Jahre nach der Preisverleihung wurde der Verein "Wilhelm Wessel / Irmgart Wessel-Zumloh e.V." mit Sitz in der Villa Wessel Iserlohn, zur Pflege und Präsentation des künstlerischen Nachlasses gegründet. Dadurch werden die Kunstwerke des Ehepaares Wessel-Zumloh auch heute noch der Öffentlichkeit zugängig gemacht.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/657 (Pressemitteilung)

1965

Die Einweihung des jugendpsychiatrischen Instituts in Hamm

Als am 01.04.1965 die Einweihungsfeier des Westfälischen Instituts für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik Hamm (heute: LWL-Universitätsklinik Hamm der Ruhr-Universität Bochum - Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik im LWL-Psychiatrieverbund Westfalen) stattfand, handelte es sich nicht um einen Neubeginn sondern vielmehr um die konsequente Fortführung eines Weges in neuer Örtlichkeit, der zum Beginn des vorangegangenen Jahrzehnts in Marsberg begonnen wurde.

Im St. Johannes-Stift Marsberg, das 1881 als Erziehungs- und Pflegeanstalt für Kinder und Jugendliche gegründet worden war, wurde im Herbst 1951 eine kinder- und jugendpsychiatrische Abteilung eingerichtet, um „durch Beobachtung festzustellen, welche therapeutischen oder erzieherischen Maßnahmen bei gefährdeten Jugendlichen und Fürsorgezöglingen angezeigt sind". Kurze Zeit später, am 07.04.1952, wurde die Abteilung nach Gütersloh verlegt und der dortigen "Heil- und Pflegeanstalt" angegliedert. Nach etwas weniger als einem Jahr am 05.03.1953, wurde die Abteilung durch eine Verfügung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) von der Klinik Gütersloh emanzipiert. Fortan trut sie den Namen Westfälische Klinik für Jugendpsychiatrie und erhielt den Status einer eigenständigen Anstalt. Schließlich wurde im April 1954 der Klinik ein eigener Etat zugesprochen, welcher die Selbstständigkeit unterstrich.

Nach längeren Planungen, die schon 1955 begannen, gab es im Januar 1961 die ersten Baubesprechungen für den neuen Standort Hamm. Das zugrundliegenden Grundstück "Heithof" im östlichen Stadtgebiet war bereits 1959, aufgrund der verkehrstechnisch günstigen und in Westfalen zentralen Lage, nach einem Beschluss des Landschaftsausschusses von der Stadt Hamm erworben worden. Zu den Gründen für den Standort zählte sowohl die Nähe zum Ruhrgebiet wie zur Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster, mit der eine enge Kooperation angestrebt wurde. Auch der Fakt, dass Hamm einen D-Zug-Halt besaß, führte letztendlich dazu, dass sich der Landschaftsverband für Hamm statt Bad Sassendorf oder Münster-Kinderhaus entschied. Die Hoffnung war, dass sich die Angehörigen durch eine einfachere Verkehrsanbindung besser in die Therapie einbinden ließen.

Letztendlich erfolgte im März 1961 die parlamentarische Genehmigung des Baus der Westfälischen Klinik für Jugendpsychiatrie durch die Landschaftsversammlung. Den ersten Spatenstich feierte man am 29. Juni 1961 auf dem Grundstück "Heithof". Um für den Bau der Einrichtung auch Landeszuschüsse zu erhalten, wurde 1962 der Namensbestandteil "Institut" gewählt. Um nicht von dem eigentlichen Zweck, der Behandlung, abzulenken, hängte man häufig den Namenszusatz "mit klinischer Abteilung" oder "mit angeschlossener Klinik" an.

Am 19.02.1965 konnte der Umzug abgeschlossen werden. Der Bau kostete 4 Millionen Mark, die Innenausstattung weitere 430.000 DM. Die Anzahl von ursprünglich 55 Betten in Gütersloh wurde im Neubau verdoppelt. Der Öffentlichkeit wurde die Klinik am 24. März im Rahmen einer Pressebesprechung präsentiert.

Westfälisches Institut für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik Hamm, 1968

Das Westfälische Institut für Jugendpsychiatrie und Heilpädagogik Hamm im Jahr 1968 (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 847/Fotoalbum).

In Gütersloh wurden zwischen 1952 und dem Umzug nach Hamm 5906 Kinder behandelt. In Hamm wurden in den ersten fünf Jahren bis 1970 dann 2855 Kinder behandelt.

Quellen:

LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL,

  • Best. 103/689
  • Best. 115/614
  • Best. 620/876
  • Best. 843/0036
  • Best. 843/0083
  • Best. 843/ 0126

Landschaftliche Selbstverwaltung. Wiederaufbau in Westfalen 1945-1951, bearb. von Helmut Naunin, Dortmund, 1952

Jugendschutz in Deutschland und den Niederlanden - Von Ausreißern bis zu gewaltbereiten Rockergruppen

Nachdem in Nordwalde am 26.5.1964 die erste niederländisch-deutsche Konferenz über Jugendschutzprobleme im Grenzgebiet stattgefunden hatte, lud die "Belangengemeenschap Twente - Ost Gelderland" gemeinsam mit dem Landesjungendamt Westfalen zu einer Arbeitstagung am 27.4.1965 im Ferienzentrum "Het Stift" in Weerselo (Niederlande) ein. Die Zusammenkunft wurde unter dem Thema "Jugend in der Freizeit" abgehalten und sollte dem Erfahrungsaustausch auf dem Gebiet des sittlichen Jugendschutzes dienen sowie die Unterschiede in der Organisation der Jugendhilfe in beiden Ländern beleuchten.

Probleme im Bereich des Jugendschutzes gab es im Besonderen mit deutschen Jugendlichen, die in den Niederlanden kriminell auffällig wurden. Die Zusammenarbeit zwischen den deutschen und den niederländischen Jugendschutzbehörden hatte zur Folge, dass diese kriminellen Jugendlichen direkt dem Landesjugendamt Münster gemeldet wurden, welches dann Kontakt zu den Familien aufnahm. Ein weiteres Phänomen waren Jugendliche, die versuchten, sich über die niederländische Grenze von zuhause abzusetzen. Kein Problem mehr waren hingegen einige Jahre zuvor erfolgte gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen deutschen und niederländischen Jugendgruppen aus der Rock'n'Roll Szene in der niederländischen Ortschaft Overwinkel an der deutschen Grenze bei Gronau, da sich die involvierten Banden im Zuge von subkulturellen Veränderungen in der Zwischenzeit aufgelöst hatten.

Die verbesserte Zusammenarbeit der Behörden stieß jedoch bei den unterschiedlichen gesetzlichen Bestimmungen über den Jugendschutz an ihre Grenzen. So waren beispielsweise Druckerzeugnisse mit pornographischen oder gewaltverherrlichenden Inhalten für Jugendliche in den Niederlanden - anders als im Falle ihrer deutschen Altersgenossen - zugänglich.

Programm der Konferenz "Jugend in der Freizeit" in Weerselo 1965

Programm der Konferenz in Weerselo (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, 115/616)

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/616

Fotonachweis "Het Stift"

Hochwasserkatastrophe und schnelle Hilfe in Ostwestfalen

Am 16. und 17. Juli 1965 kam es in Ostwestfalen insbesondere in den Kreisen Paderborn, Büren und Warburg zu einer Hochwasserkatastrophe. Durch heftigen Starkregen stiegen Bäche und Flüsse wie die Alme und Diemel rasch an und traten über die Ufer, in den Talungen kam es zu verheerenden Überschwemmungen. Vielerorts wurden Brücken und Häuser teilweise bis vollständig zerstört.

Überschwemmung in Ettlen am 16.Juli1965

Der heute zur Borchen gehörende Ortsteil Etteln wird am 16.Juli 1965, dem "Schwarzen Freitag", besonders schwer von den Fluten getroffen. Sechs Menschen ertrinken in den Fluten. (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Der Landesverband Westfalen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) setzte im Katastrophengebiet 300 Fachkräfte ein, die besonders auf dem sozialen Gebiet Hilfe leisteten. So wurden Feldküchen für die Verpflegung eingerichtet sowie Betten, Matratzen und Decken für die von Obdachlosigkeit Betroffenen zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig gab es einen Spendenaufruf "Hochwasserhilfe Westfalen" des DRK an die Bevölkerung, um den schwer geschädigten Menschen durch Geldspenden zu helfen.

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Präsident des Landesverbandes des DRK Westfalen, Dr. Anton Köchling, bat in einer Pressemitteilung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe alle Westfalen darum, dem Spendenaufruf zu folgen. Mit gutem Beispiel gingen die Westfälischen Provinzial-Versicherungsanstalten - die Westfälische Provinzial-Feuersozietät und die Provinzial-Lebensversicherungsanstalt Westfalen - voran, indem sie einen Betrag in Höhe 30.000,- DM spendeten.

Zwei Tage nach dem Unglück überflog Köchling mit einem Hubschrauber der Bundeswehr das Katastrophengebiet, um sich von der Durchführung der notwendigen organisatorischen Arbeiten und dem Stand der Aufräumarbeiten ein Bild zu machen. In Gesprächen mit den vielen Geschädigten wurde ihm bestätigt, dass der Einsatz des Deutschen Roten Kreuzes und der Straßenverwaltung Westfalen des LWL hervorragend geklappt hatte. Baudirektor Hans Fischer von der Straßenverwaltung Westfalen des LWL war auch vor Ort um sich ein Bild über die Zerstörung insbesondere an Straßen und Brücken zu verschaffen.

Die zerstörte Almebrücke in Bürgen-Wewelsburg

Die zerstörte Almebrücke in Bürgen-Wewelsburg (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Größere Brücken wie die Diemelbrücke südlich von Warburg (Bundesstraße 7) oder die Almebrücke westlich von Paderborn (Bundesstraße 64) wurden durch das Hochwasser so zerstört, dass sie nicht mehr benutzbar waren. Einspurige Behelfsbrücken wurden von Pioniereinheiten und Firmen eingebaut, sodass sie schon am 22.7 in Betrieb genommen werden konnten. Weitere Brücken wie die Lippebrücke in Sande zwischen Paderborn und Delbrück (Bundesstraße 64 oder die Almebrücke westlich von Paderborn (Landstraße 813) mussten zeitweilig teilweise oder ganz für den Verkehr gesperrt werden.

Die zerstörte Almebrücke in Schloß Neuhaus 1965

Die Almebrücke in Schloß Neuhaus kann dem Druck nicht standhalten und zerbirst in den frühen Morgenstunden des 17.Juli. (Foto: Kreisarchiv Paderborn)

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/ 185, Best. 843/0175
  • Kreisarchiv Paderborn, 3 Fotots; an dieser Stelle vielen Dank an den Leiter des Kreisarchivs Paderborn, Wilhelm Grabe, für die Bereitstellung der Fotos.

Literaturhinweis:

  • Wilhelm Grabe, Niemand konnte sich erinnern, je eine solche Regenmenge erlebt zu haben. Die Hochwasserkatastrophe vom Juli 1965 im Kreis Paderborn, in: Die Warte 166 (2015), S.2-9.

Verkehrsübergabe des Teilabschnitts der Bundesautobahn 1 (Hansalinie) von Kamen nach Münster am 9. September 1965

„Im Netz der Bundesautobahnen schafft die Hansalinie eine wichtige Verbindung zwischen dem Rhein-Ruhrgebiet und den deutschen Nordseehäfen und stellt neben der 1962 fertiggestellten Bundesautobahn Hamburg - Frankfurt - Basel eine zweite Nord-Süd-Verbindung dar. Die Hansalinie wird zwischen West-Süd-Europa und Skandinavien ebenfalls dem Transitverkehr dienen, der im Bundesautobahnnetz eine wichtige Grundlage für einen reibungslosen zwischenstaatlichen Güteraustausch innerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes vorfindet. Neben dem Fernverkehr erfährt auch der Regionalverkehr eine entscheidende Förderung durch die Hansalinie. Die Wirtschafts- und Verkehrsstruktur des Münsterlandes, des Emslandes sowie des Oldenburger Landes wird erheblich verbessert. Diese Erkenntnisse veranlassten die von der Neubaustrecke berührten Städte und Industrie- und Handelskammern unter Federführung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe bereits am 1.12.1955 in einer Denkschrift auf die Dringlichkeit der Verwirklichung der Hansalinie hinzuweisen. Im April 1958 folgte die zweite Denkschrift über die Notwendigkeit des Baubeginns."

Mit der vorstehenden Charakterisierung wurde die Verkehrsbedeutung der Hansalinie 1965 im Baubericht der Straßenverwaltung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe über den Abschnitt Kamen-Münster erläutert. Heute führt die Bundesautobahn 1 mit einer Länge von 749km von Heiligenhafen an der Ostsee bis nach Saarbrücken. Nach wie vor ist diese Westdeutschland durchziehende Autobahn Grundlage für den Großteil jeglichen Nord-Süd-Verkehrs. Geplant wurde diese Strecke bereits im Grundnetz der Reichsautobahn 1933, um die "Ruhrtangente" über das Kamener Kreuz, Münster und Osnabrück mit Bremen zu verbinden.

Das am 9.September 1965 übergebene Teilstück führt über 36,7km vom Kamener Kreuz bis an die Anschlussstelle Münster Süd. Insgesamt betrugen die Baukosten 214 Millionen DM. Darin enthalten waren auch die Kosten für umfangreiche Ausgleichsmaßnahmen, für die 1,2 Millionen Bäume gepflanzt und 15 Tonnen Gras- und Kleesaaten verwendet wurden. Besonderer Wert wurde hierbei auf die in vier bis fünf Kilometer Abständen an landschaftlich reizvollen Punkten platzierten Rastplätze gelegt: „Sie geben dem Verkehrsteilnehmer die Möglichkeit, Fahrzeugreparaturen durchzuführen und vor allem ungefährdet vom rollenden Verkehr zu rasten", wie es in der damaligen Pressemitteilung hieß.

Eröffnet wurde die Strecke feierlich durch den Minister für Landesplanung, Wohnungsbau und öffentliche Arbeiten, Joseph P. Franken, den Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, und den Bundesminister für Verkehr, Dr.-Ing. Hans-Christoph Seebohm. Neben der Verwaltungsspitze waren auch die geistlichen Würdenträger vertreten. So wurde die Autobahn durch den Bischof von Münster, Prof. Dr. Joseph Höffner, geweiht und vom Oberkirchenrat Otto Schmitz gesegnet. Auch der Landesrabbiner Emil Davidovic sprach einige Grußworte zur Übergabe.

Übersichtsplan Bundesautobahn 1 im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, 1965

Die Rot markierte Strecke befand sich in der Planung, die graue Strecke befand sich im Bau und die lila Strecke wurde bereits zuvor eröffnet.

Quelle:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/630

Tanzturnier als Heiltherapie

Ein Tanzturnier mit einer sehr ungewöhnlichen Zuschauerkulisse fand am 16.Oktober 1965 im westfälischen Landeskrankenhaus Eickelborn statt. Die Teilnehmer waren aus mehreren Städten der Bundesrepublik angereist, um am Amateur-Tanzturnier des Turnieramtes Hamburg teilzunehmen.

Das Besondere waren in diesem Fall jedoch nicht die Teilnehmer selbst, sondern die Zuschauer, nämlich die Patienten der Anstalt. Am Vormittag vor der offiziellen Veranstaltung haben die Kranken in festlichen Sommerkleidern das Tanzbein geschwungen. „Am Nachmittag fand dann das „Experiment mit fraglichem Ausgang" statt, wie die Westfälische Rundschau ihren Bericht betitelte. Wolf-Achim Kühn, Inhaber einer Dortmunder Tanzschule stellte die Turnierpaare vor, die Herren in Frack, die Damen in eine Tüllwolke gehüllt. Die Zuschauer waren Patienten, sehr ruhig und gelassen im Verhalten, jedoch geizten sie nicht mit Applaus für die Tanzpaare. Im Vorfeld der Veranstaltung waren die Patienten genau ausgewählt worden, im Zeitungsbericht werden sie als „harmlose Patienten und weitgehende gebesserte Fälle" skizziert. Auch Patienten mit forensischem Hintergrund aus dem abgesicherten Bereich der Klinik nahmen an der Veranstaltung teil.

Außenansicht des Festsaals der Landesklinik Eickelborn

Außenansicht des Festsaals der Landesklinik Eickelborn (Quelle: Archiv LWL Best. 847/Fotoalbum Pothmann)

Im Anschluss an das Turnier fand für die eingeladene Presse zusätzlich noch eine Führung durch die Landesklinik statt. Dabei wurde erläutert, dass der Direktor der Einrichtung, Dr. Schneller, stets bemüht sei, den Patienten den Aufenthalt in der Anstalt so angenehm wie möglich zu machen. Es würde versucht, den Patienten Besserung zu verschaffen, denn eine Heilung sei nur in wenigen Fällen möglich. Im Gespräch erklärte Dr. Schneller:

„Vielen von ihnen müssen wir die Freiheit nehmen. Denn nur wenige von ihnen kommen freiwillig zu uns. Sie stehen unter Zwang und Druck, und wenn wir nicht die Türen abschließen, laufen sie uns weg. Auf der anderen Seite bemühen wir uns, sie von der seelischen Last des Eingesperrt seins zu befreien. Wir machen mit ihnen Ausflüge, feiern ein Schützenfest, führen sie in Kino und zu unterhaltsamen Abenden. Auch dieses Tanzturnier gehört zur Therapie".

Als Randnotiz bleibt zu erwähnen, dass der Anstaltsarzt Dr. Schulka mit seiner Frau zusammen mit 20 anderen Paaren tanzte und den 4. Platz in der Seniorenklasse 2 errang.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/631, Best. 656/248

1964

Werner Adams und die Westfälische Landeseisenbahn AG

Verabschiedung und Ehrung des langjährigen Direktors

Die Westfälische Landeseisenbahn AG (WLE) wurde 1881 als "Warstein-Lippstädter Eisenbahngesellschaft" mit Sitz in Lippstadt gegründet. Hauptanteilseigner des Unternehmens war ursprünglich der Provinzialverband Westfalen, zu den weiteren Aktionären zählten Landkreise und Gemeinden im Einzugsbereich der Bahn sowie verschiedene Unternehmer. Als Verkehrsmittel mit regionaler Bedeutung erschloss sie verkehrsarme Gebiete Westfalens und bediente die Klein- und Mittelindustrie sowie den Berufsverkehr.

Aufschlüsselung des Verkehrsaufkommens nach Strecken und Güterarten der Westfälischen Landeseisenbahn 1959

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/15

Von 1932 bis 1963 lenkte Werner Adams als Vorstandsmitglied in führender Position die Geschicke der WLE. Auf der Hauptversammlung des Verkehrsunternehmens am 17.Januar 1964 in Bad Waldliesborn wurde er vom Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Anton Köchling verabschiedet. Köchling würdigte die "langjährige, verdienstvolle und erfolgreiche Tätigkeit" und bedankte sich für die vertrauensvolle und gute Arbeit, insbesondere auch in den schweren Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Werner Paul Gottfried Maria Adams wurde am 22.06.1898 in Berlin geboren. Nachdem er als Gefreiter im 1. Weltkrieg gedient hatte, begann er 1919 ein Bauingenieursstudium an der Technischen Hochschule Berlin. Seine praktische Ausbildung begann Adams 1923 im Bereich Eisenbahn- und Straßenbau bei der Reichsbahndirektion, welche er 1925 erfolgreich abschloss. 1926 bestand Werner Adams die zweite Staatsprüfung und übernahm anschließend die örtliche Bauleitung für den Bau einer Kleinbahnanlage in Altena. Im Januar 1927 trat Adams eine Stelle bei der Reichsbahn im Reichsbetriebsamt Duisburg 3 an. In dieser Zeit sammelte er enorme Erfahrung im Bereich des Eisenbahnwesens und erhielt zeitweise die Leitung über den Bahnhof Essen-Bergeborbeck. Auch die Bauleitung beim Bau des Haltepunktes Duisburg-Obermeiderich übernahm Adams und war außerdem an der Umgestaltung des Bahnhofes in Oberhausen beteiligt. Am 8.April 1932 wurde Werner Adams für den in den Ruhestand getretenen Eisenbahndirektor Hermann Mumme in den Vorstand der Westfälischen Landeseisenbahn AG berufen, weshalb er sich bei der Reichsbahn beurlauben ließ. Nachdem ihm die Leitung des technischen Dezernats übertragen wurde, welches er bis zu seiner Pensionierung Ende 1963 leitete, kündigte er zum 3.Januar 1934 bei der Reichsbahn und vollzog damit den vollständigen Übertritt zur Westfälischen Landeseisenbahn.

Von 1941 bis zu seiner Pensionierung war Adams auch der Geschäftsführer der Kraftverkehr Westfalen GmbH - einer Tochtergesellschaft der WLE mit dem Ziel, die Personenbeförderung aus Rationalisierungsgründen auf den Omnibusbetrieb zu verlagern.

Verkehrsnetz der Westfälischen Landeseisenbahn AG sowie der Kraftverkehr Westfalen GmbH aus dem Jahr 1964

Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 308/373

Im Mai 1964 überreichte Ernst Schlensker, Regierungspräsident des Regierungsbezirks Arnsberg, Werner Adams das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Adams erhielt die Auszeichnung für seine großen Verdienste als oberster Betriebsleiter des kommunalen Verkehrsunternehmens. Hervorgehoben wurde, dass es ihm zu verdanken sei, dass die Westfälische Landeseisenbahn sofort nach 1945 wieder in Gang gekommen und trotz der zunehmenden Verlagerung des Verkehrs von der Schiene auf die Straße lebensfähig geblieben sei.

Schon in den 1950er-Jahren zeichnete sich durch die zunehmende Verlagerung des Verkehrs auf die Straße eine größere Unrentabilität der Landeseisenbahn ab. Seit Ende der 1960er-Jahre jedoch verschärfte sich die finanzielle Situation der Westfälischen Landeseisenbahn AG zunehmend und der Betrieb konnte nur durch Zuschüsse des Landes und des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) aufrecht erhalten werden. 1976 musste als Bedingung einer Liquiditätshilfe des Landes der Personenverkehr eingestellt werden.

Am 11.12.1979 wurden die WLE-Aktien des LWL sowie der Kreise Soest, Warendorf und Borken auf die Westfälische Verkehrsgesellschaft übertragen und die AG wurde in eine GmbH umgewandelt.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/184; Best. 132/ Personalakte Werner Adams; Best. 110/424; Best. 308/5; Best. 307/16; Best. 303/1; Best. 303/41
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archivbibliothek, WV 3

Westfälisches Landeskrankenhaus Münster

Feierliche Eröffnung einer Simultankirche und Verabschiedung von Direktor Dr. Engelman

Am 28. Juni 1964 um 15.00 Uhr erfolgte nach zweijähriger Bauzeit die Übergabe der neuerrichteten Simultankirche St. Lukas und St. Thiatildis und der Kapelle St. Johannes von Gott an das Westfälische Landeskrankenhaus (WLK) Münster. Anwesend waren neben dem Direktor des Landschaftsverbandes Dr. Köchling und diversen Vertretern der Landschaftsversammlung auch der frühere Oberbürgermeister der Stadt Münster, Dr. Busso Peus, der Direktor des WLK Münster, Dr. Engelmann, der Architekt Albert Kreuzheck, sowie der Vertreter der Katholischen und der Evangelischen Kirche. Dem Charakter der Simultankirche entsprechend hielten in der Feierstunde in ausgewogener Form neben Domkapitular Stammkötter und Superintendent Braun auch der katholische Anstaltspfarrer Drees sowie der evangelische Pfarrer Drobnitzky Ansprachen.

In seiner Rede beim anschließenden Kaffeetrinken im Festsaal des WLK Münster erläuterte Köchling, dass " im Gegensatz zur Kirche im bombenzerstörten Hauptgebäude und zur Behelfskirche im sogenannten Lazarettgebäude des WLK dieses Gotteshaus eine Simultankirche ist und beiden Konfessionen dienen soll." Weiter führte er aus, das "in erste Linie bei dem Entschluss, die Kirche möglichst schlicht und einfach zu halten, an die Kranken selbst gedacht wurde, damit sie nichts ablenkt und beunruhigt. Hier können sie wahrhaft andächtig sein." Köchling nutzte die Gelegenheit auch zur Würdigung des Direktors Dr. Engelmann, welcher zwei Tage nach der Eröffnung der Simultankirche seinen Abschied nach 14 Jahren als Leiter des Krankenhauses feiern sollte: " Der so häufige Wiederspruch zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Altersgrenzen und der geistig-körperlichen guten Form einer Persönlichkeit, auf deren Mitarbeit wir nur schweren Herzens verzichten, ist in Ihrem Fall besonders offensichtlich. Aber das Gesetz schreibt uns Ihre Verabschiedung vor. Wir müssen uns fügen. Unter Ihrer Leitung wurde im Zuge der allgemeinen Entwicklung aus 'Marienthal', der Anstalt, ein echtes Krankenhaus".

Paul Josef Engelmann, wurde am 01. Juli 1899 in Lohne bei Oldenburg geboren. Nach dem Kriegsdienst begann er ein Medizinstudium an der Universität Münster, welches ihn auch an die Universitäten München, Wien, Berlin und Freiburg führte. In Freiburg legte er im Frühjar 1923 das ärztliche Staatsexamen ab, dem kurze Zeit später auch die Promotion folgte. Nach mehreren Stationen in Einrichtungen des Provinzialverbandes wurde Dr. Engelmann am 01. Mai 1949 schließlich mit den Aufgaben des Direktors des Landeskrankenhauses Münster betraut.

In einer Feierstunde am 2. Juli 1964 im Festsaal des Westfälischen Landeskrankenhauses Münster bedankte sich Landesrat Hagemann ausdrücklich bei Dr. Engelmann für sein Wirken beim Wiederaufbau des fast völlig zerstörten Landeskrankenhauses Münster und entließ den Landesmedizinaldirektor in den wohlverdienten Ruhestand.

Quellen: Archiv LWL, Best. 132/C11A Nr. 738 (Personalakte Engelmann), Best. 132/ C11A Nr. 1172 (Personalakte Drees), Best. 110/213, Best. 115/184,. Best. 115/Pressebesprechungen (unverzeichnet)

Fotos:

  • Bild Simultankirche: Archiv LWL, Best. 658
  • Bild Engelmann: Archiv LWL Best. 132 / C11A Nr. 738

What does the name Westfalia stand for?

Frachtmotorschiff Westfalia befährt das Weltmeer zwischen Hamburg und Yokohama

Am 26.8.1964 ist das 164,33 Meter lange Frachtmotorschiff "Westfalia", das im Auftrag der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hamburg-Amerika-Linie) auf der Werft "Blohm & Voss" gebaut wurde, vom Stapel gelaufen und getauft worden. Die Tragfähigkeit des auf der Ostasienroute eingesetzten Schiffes betrug 12000 Tonnen und ihre Dienstgeschwindigkeit 21 Knoten. Nach Äußerungen Wilhelm Trabers (Vorstandsmitglied der Hamburg-Amerika-Linie) bei der Taufe dürfte Westfalia " das schnellste Schiff der deutschen Handelsflotte werden".

Datenblatt des Frachtmotorschiffes Westfalia, 1964

Kerndaten zum Frachtmotorschiff Westfalia (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26)

Die Taufe nahm die Gattin von Prof. Dr. Baumann, Vorstandsvorsitzender der chemischen Werke Hüls in Marl, unter den Worten vor: " Ich taufe dich auf den Namen Westfalia! Ich wünsche dir allzeit glückliche Fahrt! Künde auf allen Meeren und in aller Welt von unserem Lande Westfalen".

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, überreichte die Grüße und Glückwünsche des Westfalenlandes und bemerkte bei der Taufansprache, dass eine stille und heimliche Liebe der Westfalen von frühester Zeit an der Seefahrt gelte. Auch erinnerte Köchling an die westfälische Beteiligung an der Hanse. Er schloss mit den Worten: " Möge MS „Westfalia" eine allzeit glückliche Fahrt haben, möge sie auf den Meeren der Welt Zeuge sein für die Tüchtigkeit der Männer von Blohm & Voss, für den hansischen Wagemut der Hamburg-Amerika-Linie und möge sie auf stets friedlicher und guter Fahrt stolz den Namen unseres Westfalenlandes über die Meere in alle Welt tragen."

Auch Ernst Christian Freiherr von Werthern, Vorstandsmitglied der Blohm & Voss AG Hamburg und Sohn eines ehemaligen Landrates des Kreises Soest, bekundete bei der Tauffeier seine Freude über die Benennung des Schiffes nach seiner westfälischen Heimat.

Im Dezember 1964 fand die Jungfernfahrt der „Westfalia" von Hamburg über Bremerhaven, Rotterdam, Antwerpen, Port Said, Djibouti, Singapur, Hong Kong, Pusan und Kobe nach Yokohama statt. Zu den repräsentativen Empfängen in den Häfen, die das Schiff anlief, war ein Informationsprospekt unter dem Titel " What does the name Westfalia stand for?" erstellt worden, welcher über den Landesteil Westfalen informierte. Dieser Prospekt wurde samt eines Erinnerungspakets mit westfälischen Fleischwaren, einer Flasche Steinhäger, einer Dose Dortmunder Bier, Pumpernickel und zu guter Letzt einer Serviette aus westfälsichen Leinen an die Gäste übergeben.

Knapp ein Jahr später repräsentierte Landesdirektor Dr. Köchling abermals die westfälische Landschaft auf dem Motorschiff: Anlass war eine vorweihnachtliche Sendung des ZDF über ein Schiff der Handelsflotte auf großer Fahrt während der Weihnachtszeit. Hierfür wurde als repräsentatives Schiff die „Westfalia" ausgewählt. In seiner Eigenschaft als Schiffspate übergab Dr. Köchling im Rahmen der Dreharbeiten dem Kapitän der „Westfalia", Gerhard Hynitzsch am 12.November 1965 in Antwerpen einen Weihnachtsbaum mit Wurzel und Erde, der landschaftsverbandseigenen Forstgut Ammeloe stammte. Auch wurde für die 54-köpfige Besatzung des Schiffes Bücher der westfälischen Autoren Karl Schulte-Kemminghausen, Paul Pieper und Ursula Bours als Weihnachtsgeschenk überreicht.

Weihnachtsfest an Bord der "Westfalia" am 26.12.1965

Weihnachtsfest an Bord der "Westfalia" am 26.12.1965 mit jugendlichen Gästen es Kapitäns und der beleuchteten westfälischen Tanne im Hintergrund (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26)

Quellen

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/26, 115/185
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archivbibliothek, XC 15 (Januarausgabe des Westfalenspiegels 1966)

Westfalen grüßt die Medaillengewinner von Tokio

Vom 10. bis 24. Oktober fanden in Tokio und damit zum ersten Mal in Asien die bis dato teuersten Olympischen Spiele aller Zeiten statt. 683 Frauen und 4.457 Männer aus 93 Ländern nahmen an den 163 Wettbewerben in 20 Sportarten teil.

Deutschland wurde letztmalig bis zur Wiedervereinigung durch eine gesamtdeutsche Olympiamannschaft mit 376 Olympioniken vertreten, darunter 182 westdeutsche und 194 ostdeutsche Athleten. Von diesen Sportlern schafften es 209 in den jeweiligen Sportarten unter die besten sechs zu gelangen. Insgesamt holten die deutschen Olympioniken 10 Goldmedaillen, 22 Silbermedaillen und 18 Bronzemedaillen. Willi Daume, Präsident des bundesdeutschen Nationalen Olympischen Komitees (NOK), warnte jedoch vor unbegründetem Jubel: „Wir sind noch einmal davongekommen, die Medaillen von Tokio sind nicht die von Mexiko 1968."

Unter den Deutschen Medaillengewinnern befanden sich auch neun Westfalen:

  • Dr. Reiner Klimke (Münster): Goldmedaille in der Mannschaftsdressurprüfung sowie eine Silbermedaille in der Einzeldressurprüfung
  • Karl-Heinz Henrichs (Bocholt): Goldmedaille im 4.000 Meter Mannschaftsverfolgungsrennen
  • Klaus Kobusch (Bocholt): Goldmedaille im Tandem
  • Harry Bold (Iserlohn): Goldmedaille in der Mannschaftsdressurprüfung sowie eine Silbermedaille in der Einzeldressurprüfung
  • Hans-Günther Winkler (Warendorf): Goldmedaille im Springreiten (Preis der Nationen)
  • Harald Norpoth (Münster): Silbermedaille im 5.000 Meter Lauf
  • Klaus Jürgen Rost (Witten-Annen): Silbermedaille im Freistilringen (Leichtgewicht)
  • Fritz Ligges (Dortmund-Asseln): Bronzemedaille in der Military Einzel- und Mannschaftswertung
  • Günther Lyhs (Kierspe): Bronzemedaille im Mannschaftsturnen (Zwölfkampf)

Um die westfälischen Olympiasieger zu beglückwünschen, wurde ihnen bei ihrem Eintreffen in der westfälischen Heimat ein kurzes standardisiertes Gruß- und Glückwunschtelegramm vom damaligen Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Anton Köchling, übersandt. Beim Ehrungsprozedere hielt man sich im Übrigen seitens des LWL bewusst zurück. Hintergrund war die Erinnerung an einen vier Jahre zurückliegenden Artikel in der Zeitung "Die Welt", in der damals in Zusammenhang mit der Ehrung westfälische Olympiateilnehmer in ironischem Unterton über eine Glückwunschflut von Dr. Köchling berichtet worden war.

Planung eines Regionalflughafens in Ostwestfalen-Lippe - "Nagelsholz bleibt Nagelsholz wird nicht der Bielefelder Stolz"

Anfang der 1960er-Jahre wurde in Ostwestfalen im Raum Bielefeld der Bau eines Flughafens für den Nah- und Bedarfsverkehr geplant. Einer ersten Planungskonferenz, an der die Landkreise Bielefeld und Detmold sowie die jeweiligen Industrie- und Handelskammern aus Bielefeld und Detmold teilnahmen, folgte die Gründung der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsflughafen Ostwestfalen-Lippe. Nachdem insgesamt zehn verschiedene Flughafengelände vorgeschlagen und diskutiert wurden, verblieben nach einem Vergleichsgutachten drei möglich Standorte für den Regionalflughafen (zwei in Nagelsholz, einer in Lockhausen-Uebbentrup).

Die Landesplanungsgemeinschaft Westfalen bezog in einer gutachtlichen Stellungnahme im Jahre 1964 Position zugunsten eines Standortes in Nagelholz. Lärmbelastungsbedenken des Staatsbades Salzulfen spielten hierbei ebenso eine Rolle wie die starke Siedlungsdichte und das Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse in der Nähe von Lockhausen-Uebbentrup. Auch sah man auf dem Gelände in Nagelholz eher die Möglichkeit einer späteren Erweiterung des Regionalflughafens. Trotzdem entschied sich die Mehrheit der Mitglieder des „Arbeitskreises Ostwestfalen-Lippe" Ende 1964 für den Standort Lockhausen-Uebbentrup.

Der Landesplaner Heinz Langer bezeichnete es daraufhin als einen „landesplanerischen Schildbürgerstreich", wenn „wir gleichzeitig einen Nahverkehrsflughafen in Lockhausen und das Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse verfolgen". Erst nach einer Stellungnahme des Ministers für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Gerhard Kienbaum, welcher aufgrund des Siedlungsvorhabens Altenhagen-Milse erklärte, dass „nur der Standort Nagelsholz Aussicht auf Verwirklichung habe", kam es zu einer Entscheidung zu Gunsten von Nagelsholz.

Am 30. Juni 1966 wurde daraufhin die Flughafen Ostwestfalen-Lippe GmbH gegründet, welcher die Stadt und der Kreis Bielefeld sowie die Industrie- und Handelskammer Bielefeld und Detmold angehörten. Im Juli 1970 genehmigte der Minister für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen den Bau und den Betrieb des Regionalflughafens, nachdem der Regierungspräsident von Detmold, Ernst Graumann, zu dem Schluss kam, dass „eine unzumutbare Lärmbelästigung der benachbarten Siedlungsgebiete nicht zu befürchten sei", und die am Verfahren Beteiligten „den Bau des Regionalflughafens befürworten bzw. im Wesentlichen bedenkenfrei beurteilt hätten".

Plan mit Einzeichnungen des Gelände Nagelsholz und Lockhausen-Uebbentrup sowie dem Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse

Plan mit Einzeichnungen der Gelände Nagelsholz und Lockhausen-Uebbentrup sowie dem Siedlungsvorhaben Altenhagen-Milse (Quelle: LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/608).

Jedoch standen Fragen der Finanzierung und Weigerung von Eigentümern ihre Grundstücke zu verkaufen einem Baubeginn im Wege. Zudem kam es zu massiven Protesten von Seiten der Bevölkerung, die eine starke Lärmbelästigung befürchteten: Demnach hätten der zu erwartende dauerhafte Lärum durch den Flugverkehr sowohl gesundheitliche Folgen für die Anwohner gehabt, als auch zu einer Minderung der Lebensqualität und der Grundstückswerte geführt. Auch wurde die Zerstörung der Landschaft und der Umwelt als Argument angeführt und der Bedarf des Regionalflughafens im Verhältnis zum finanziellen Aufwand in Frage gestellt. Doch nicht nur von Seiten der Bevölkerung kam es zu Protesten, auch die Städte Enger und Spenge sowie das Amt Werther versuchten das Projekt zu verhindern.

Aufgrund der ablehnenden Haltung der Bevölkerung, anhaltender Finanzierungschwierigkeiten und negativer Berichterstattung der Presse vermehrten sich nun auch die kritischen Stimmen in der Politik, was eine Verwirklichung des Projekts immer unwahrscheinlicher machte. Im Mai 1980 bezeichnete die Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Verkehr des Landes NRW, Liselotte Funke, das Flughafen-Projekt als „nicht mehr zeitgemäß" und beendete es.

Heute steht eine Eiche vor dem Rathaus der Stadt Spenge, welche mit einer Informationstafel mit folgender Inschrift versehen ist: „Diese Eiche wurde 1982 zur Erinnerung an die erfolgreichen Bemühungen zur Verhinderung des Flugplatzes Nagelsholz gepflanzt."

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 141/608
  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archivbibliothek, XC 19/98 (98. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensburg, darin: Pia Schmutzler, Der Regionalflughafen Bielefeld-Nagelholz - Kommunale Großprojektplanung und öffentlicher Widerstand, Bielefeld 2013)
  • Nachweis für das Zitat im Titel siehe: https://www.bielefeld.de/de/biju/stadtar/rc/rar/01022008.html (Abgerufen am 12.12.2014, Link nicht mehr verfügbar)
  • Bildnachweis Informationsschild Spenge: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:2010-04-20_Spenge_079.jpg, Autor TUBS

Weiter Literaturangaben:

  • „Dummheit und Stolz wollen Nagelsholz; der Kampf gegen den Regionalflughafen im Gebiet Lenzinghausen-Jöllenbeck" von Maike Bartsch (Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 2000, Bielefeld 1999)
  • „Wer schießt denn da mit Paragrafen? Verhinderung eines Flugplatzes" von Maike Bartsch, 1999 (Beitrag zu Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten)

1963

Der Neubau der Landesfrauenklinik Paderborn

Bis 1983 wurde vom LWL in Paderborn eine Landesfrauenklinik betrieben. Diese Klinik, deren Ursprung auf dem 1834 begründeten Paderborner Hebammen-Lehrinstitut beruht, ging 1876 in die Trägerschaft des Provinzialverbandes Westfalen über. 1928 wurde zusätzlich zur Lehranstalt für die Ausbildung von Hebammen und der Säuglingsklinik eine gynäkologische Abteilung eingerichtet.

Seit 1949 wurde ein Neubau des Lehrinstituts geplant. Primärer Grund war der Platzmangel in dem alten Klinikgebäude, der dazu führte, dass die werdenden Mütter sogar im Keller untergebracht werden mussten. Der Operationssaal war zu klein und es konnte nicht zwischen der Frauen- und der Säuglingsklinik getrennt werden. Zudem erschwerten dei Treppenstufen am Eingang werdenden Müttern den Zugang zur Klinik. Der dann im August 1958 begonnene Neubau sollte für insgesamt 200 Schwestern, 200 Patientinnen und 105 Neugeborene Platz bieten.

Nach vierzehnjähriger Planungs- und Bauphase wurde der Neubau der Landesfrauenklinik in Paderborn am 1. Februar 1963 eingeweiht. Unter den zahlreichen Gästen waren unter anderem Erzbischof Dr. Lorenz Jäger, der Direktor des Landschaftsverbandes Dr. Anton Köchling, der Chefarzt der Klinik Dr. Fritz Peters sowie der Vorsitzende der Landschaftsversammlung Albrecht Gehring (MdB), anwesend.

Dr. Köchling sagte in seiner Rede bei der Eröffnungsfeier der neuen Landesfrauenklinik Paderborn: " Die vornehmste Aufgabe dieses Hauses ist damals wie heute die Ausbildung von Hebammen. Sie dient dem Leben unmittelbar. Ich kenne keine Aufgabe, die sittlicher, ethischer und volkswirtschaftlich bedeutsamer wäre. Denn eine Frau, die Leben gebiert, ist der Mittelpunkt der Welt."

Zum 1. April 1983 verkaufte der LWL die Westfälische Landesfrauenklinik an die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Vincenz von Paul zu Paderborn.

Quelle: Archiv LWL 110/212 und Archiv LWL 115/183

Die Landschaftsverbandsordnung als Fundament regionaler Selbstverwaltung

Als im Mai 1953 die Landschaftsverbandsordnung für das Land Nordrhein-Westfalen als staatsrechtliches Fundament der beiden Landschaftsverbände mit großer Mehrheit vom Landtag verabschiedet wurde, war eine siebenjährige Auseinandersetzung um den Erhalt der regionalen Selbstverwaltung in Westfalen und im Rheinland, die sich über drei Landtagswahlperioden hinzog, beendet.

In Erinnerung an die Geburtsstunde der beiden Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe und anlässlich des zehnjährigen Bestehens trafen sich deren Landschaftsausschüsse und die jeweiligen Landesräte als Wahlbeamte zu einer gemeinsamen Arbeitstagung vom 7. bis 9. Mai 1963 in Westfalen. Das Programm mit Empfang in Münster und Besuchen des Heilbades Bad Waldliesborn, der Landesfrauenklinik Paderborn und der Blindenschule Soest war eng gestrickt. Dem kollegialen Gedanken- und Erfahrungsaustausch sowie der Demonstration rheinisch-westfälischer Geschlossenheit dienten auch Vorträge zum Thema " 10 Jahre Landschaftsverbandsordnung" von Landesdirektor Anton Köchling und vom Ersten Landesrat Helmut Naunin, der in Presseausschnitten zur Arbeitstagung auch als Chefideologe der Landschaftsverbände bezeichnet wird.

Naunin brachte zum Schluss seines Vortrages den Wunsch zum Ausdruck, " dass die Landschaftsverbände als lebenswichtige Bausteine des Landes vertrauensvoll mit einer sicheren Stetigkeit ihrer Entwicklung rechnen dürfen." Und wohl nicht nur im Rückblick auf den jahrelangen Kampf um den Erhalt der landschaftlichen Selbstverwaltung warnt er: " Es geht nicht an, dass immer wieder einmal von berufener und unberufener Seite die Existenzfrage angeschnitten wird".

Auf die Sinnhaftigkeit und den Nutzen regionaler Selbstverwaltung hebt auch Köchling in seinem Vortrag ab, wenn er abschließend resümiert: " Die Idee des Freiherrn vom Stein, Selbstverwaltung als natürliche Grundlage eines Staates, ist heute so modern wie zu seiner Zeit".

Der bedeutsame Stellenwert der Landschaftsverbandsordnung für die landschaftliche Selbstverwaltung wird in der Ansprache des Vorsitzenden der Landschaftsversammlung Westfalen-Lippe, Albrecht Gehring, zur Begrüßung des Landschaftsverbandes Rheinland am 7. Mai 1963 im Landeshaus deutlich, indem er sie als "eine Art zweites Grundgesetz unseres Landes" bezeichnet.

Im Rahmen der gemeinsamen Arbeitstagung übermittelten die beiden Vorsitzenden der Landschaftsversammlungen Rheinland und Westfalen-Lippe dem NRW-Ministerpräsidenten Dr. Meyers ein Telegramm, in dem sie ihn ausdrücklich als Förderer der Selbstverwaltung würdigen.

Quelle: Archiv LWL 115/Pressebesprechungen

Fiedln - Temporärer Bestandteil der Bildungsarbeit im Jugendhof Vlotho

Der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, Dr. Anton Köchling, eröffnete am 28.10.1963 ein einwöchiges Treffen der Fidelfreunde auf dem Jugendhof Vlotho, bei dem Fidelbauer und -spieler mit Komponisten und Herausgebern von Fidelmusik sowie mit Pädagogen zusammenkamen. Der Anlass für die Zusammenkunft lag in dem 20-jährigen Jubiläum des Baus der ersten "modernen Fidel" (eine vereinfachte Form der historischen "Fiedel" des Mittelalters), die 1943 von Peter Harlan gebaut wurde. Mit dieser Fiedel, einem kleinen handlichen Instrument, das auch im Marschgepäck eines Soldaten Platz hatte, wollte Harlan einen Kontrast zur Trostlosigkeit der letzten Kriegsjahre setzen. Diesem Gedanken folgte der spätere Geschäftsführer des Jugendhofes Vlotho, Karl Frank, der im Krieg nahe seiner Heimatstadt Mittenwald bei Garmisch-Partenkirchen diente. Unter seiner Anleitung sind zahlreiche Fideln hergestellt worden, die in den Schützengräben gespielt wurden.

Der gelernte Maschinenbauingenieur Karl Frank blieb seiner Leidenschaft, der Herstellung von Musikinstrumenten, auch nach dem Krieg treu. So fand er beim Geigenbaumeister Johann Reiter in Mittenwald von 1946-1950 eine Anstellung als Fidelbauer. Von 1951 bis zu seiner Einstellung beim Jugendhof Vlotho am 01.07.1955 verdingte er sich als selbständiger Fidelbauer mit eigener Werkstatt. Die mit der Einstellung Franks beim Jugendhof verbundene Idee, den Fidelbau und das Fidelspiel in das Angebot des Jugendhofes aufzunehmen, fand großen Zuspruch. Zur Unterstützung stifteten der LWL und der damalige Bundesvetriebenenminister Theodor Oberländer je zwei Fideln. Bereits im November 1955 wurde der erste Fidellehrgang erfolgreich abgeschlossen und die erste öffentliche Vorstellung eines Fidelchors des Jugendhofes folgte zeitnah bei einer Dichterlesung. In den darauf folgenden acht Jahren bis zum Jubiläumstreffen in Vlotho 1963 wurden nahezu tausend Fideln und etwa halb so viele verwandte Instrumente auf dem Jugendhof hergestellt und bald eineinhalbtausend Männer und Frauen aller Altersgruppen und aus allen Teilen Westfalens absolvierten die angebotenen Fidelspiel-Lehrgänge.

Chor vor dem Eingang zum Jugendhof Vlotho, 1957

Beispiel für musische Bildung beim Jugendhof Vlotho: Chor vor dem Eingang zum Altbau 1957 (Foto: Karl Franz Klose, LWL-Medienzentrum für Westfalen)

Auch politisch fand das musikalische Engagement des Jugendhofes Beachtung. Auf einen Besuch des Landesrabbiners Dr. Meyer und dessen Ehefrau bei Dr. Anton Köchling im Januar 1960 folgte alsbald ein Treffen des Ehepaares Meyer mit Karl Frank in Vlotho. Geplant wurde eine sechs- bis achtwöchige Reise von Frank nach Israel, um auf Wunsch der jüdischen Jugendorganisation die führenden Jugendgruppen in Israel mit dem Fidelspiel und dem Fidelbau bekannt zu machen. Zu dieser Reise sollte es jedoch aus organisatorischen Gründen nie kommen; allerdings wurden unter dem Zeichen der Völkerversöhnung in Vlotho 26 durch Spendengelder finanzierte Fideln für das israelitische Kinderdorf Ben Shemen hergestellt.

Quellen: Archiv LWL 115/183, 132/C11SichernA 498, 110/213, 702/1991

Die Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises (Westfälischer Literaturpreiss).

"Friedrich Sieburg schrieb ein Teil der Weltliteratur mit"

Die Festveranstaltung des Westfalentages in Brakel am 28.September 1963 bot unter Teilnahme des Bundespräsidenten Dr. Heinrich Lübke den feierlichen Rahmen für die Verleihung des Westfälischen Literaturpreises, den der in Altena geborene Professor Dr. Friedrich Sieburg erhielt. Die vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe gestiftete Preissumme betrug dabei erstmalig 10.000 DM.

Friedrich Sieburg und Anton Köchling, 1963

Preisträger Prof. Dr. Sieburg (links) und der Direktor des LWL, Dr. Anton Köchling (rechts). In seiner linken Hand hält Köchling die Ansprache zur Preisverleihung, die sich im Archiv LWL (Best. 110/213) befindet und deren erste Seite unten abgebildet ist. (Foto: LWL/Medienzentrum).

Seit 1935 wurde in der Regel alle zwei Jahre der Westfälische Literaturpreis verliehen. Im Jahre 1946 ist der Preis umbenannt worden und hieß von nun an "Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis". Er dient der Erinnerung an die große deutsche Dichterin Annette von Droste-Hülshoff. Die Auszeichnung wird bis heute für besondere dichterische Leistungen vergeben und zeichnet entweder ein einzelnes Werk oder die Gesamtleistung des Dichters aus. Auch die Herkunft des Preisträgers spielt bei der Preisverleihung eine große Rolle. Wie auch für den Westfälischen Literaturpreis gilt für den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis bis heute die Bestimmung, dass der Preisträger entweder in Westfalen geboren, aufgewachsen oder im Bereich des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe ansässig sein muss. Die Möglichkeit einer Ausnahme besteht nur dann, wenn das auszuzeichnende Werk eine besondere Bedeutung für Westfalen hat.

Das Preisgericht bestand aus neun Mitgliedern. Als vier ständige Mitglieder gehörten der Jury an: Landesrat Paasch als Vertreter des LWL, der auch den Vorsitz bekleidete, Prof. Dr. Rasch als Inhaber des Lehrstuhls für neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Münster, Bibliotheksdirektor Dr. Meyer als Vertreter der Fachstelle Schrifttum des Westfälischen Heimatbundes und schließlich der Bibliotheksdirektor Dr. Thiekötter als Vertreter der Droste-Gesellschaft. Der Fachausschuss für landschaftliche Kulturpflege bestimmte im Sommer 1963 die fünf weiteren Mitglieder. Neben zwei Vertretern des Fachausschusses selbst, Karl Hoffmann und Prof. Dr. Karl Zuhorn, wurden aus dem Bereich des deutschen Schrifttums und der Literaturkritik Dr. Clemens Herbermann, Ernst Meister (Preisträger aus dem Jahre 1957) und Herta Trappe in die Jury berufen.

Nach einer bratenden Sitzung am 26.August 1963 sprach sich die Jury einstimmig für den am 18.Mai 1893 in Altena geborenen Professor Dr. Friedrich Sieburg aus. Als Begründung hob die Jury hervor, dass Sieburg ein hervorragender Essayist sei und als der beste historische Belletrist gelte. Seine Romanbiographien über Robespierre, Napoleon und Chateaubriand wurden in mehrere Sprachen übersetzt und sind ein Stück Weltliteratur. Seine Arbeiten verweisen auf die Eigenart seiner westfälischen Herkunft durch die Verbindung von Weltoffenheit und Eigenwilligkeit, von Beharrung und Sinn für das Neue. Zum internationalen Durchbruch führte sein 1929 erschienenes Buch "Gott in Frankreich?". Es wurde in 8 Sprachen übersetzt.

In einer feierlichen Zeremonie überreichte Dr. Köchling, Direktor des LWL, den Preis mit folgenden Worten: "Nehmen Sie heute den Annette-von-Droste-Hülshoff-Preis entgegen als Dank und Anerkennung und vor allem als Ausdruck der Verbundenheit Ihrer westfälischen Heimat mit Ihnen und Ihrem literarischen Schaffen. [...] Wir schätzen uns glücklich, heute einen Autor auszeichnen zu können, der durch die Kraft seines weithin wirkenden Wortes das geistige Gesicht der Zeit mitgeprägt hat."

Erste Seite der Ansprache Dr.Köchlings zur Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises 1963 (Foto: LWL/Archivamt)

Erste Seite der Ansprach Dr. Köchlings zur Verleihung des Annette-von-Droste-Hülshoff-Preises am 28.September 1963

Quellen: Archiv LWl: 103/527, 702/1195, 702/1991, 110/213

Vierspuriger Ausbau des Ruhrschnellweges

Schleichweg wieder Schnellweg - Freigabe einer Verkehrsschlagader

Die Autobahn 40 und die Bundesstraße 1 bilden bis heute die wichtigste Ost-West-Verbindung im Kern des Ruhrgebiets. Der sogenannte Ruhrschnellweg zwischen Essen und Unna ist 52,7 km lang. Im 34 km umfassenden westfälischen Teil verbindet diese Straße die Städte Bochum, Dortmund und Unna. Bereits vor dem zweiten Weltkrieg wurde die damalige Reichsstraße 1 innerhalb von 7 Jahren gebaut und 1935 dem Verkehr übergeben. Das starke Aufkommen des Verkehrs nach dem Krieg stellte die Frage nach einem Ausbau dieser Verkehrsverbindung. In Folge eines Antrags der SPD-Bundestagsfraktion aus dem Jahre 1952 wurde das Landesstraßenamt Bochum mit der Ausbauplanung eines vierspurigen Ruhrschnellweges beauftragt.