LWL-Archivamt für Westfalen

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Der LWL vor 50 Jahren

1969: 18. Westfälischer Naturschutztag 1969

Am 2. und 3. Mai 1969 fand der 18. westfälische Naturschutztag im Landesmuseum für Naturkunde statt. In Zusammenarbeit mit dem Bezirksbeauftragten für Naturschutz und Landschaftspflege, der Fachstelle für Naturkunde und Naturschutz im Westfälischen Heimatbund sowie dem Westfälischen Naturwissenschaftlichen Verein wurde der Naturschutztag dem Thema „Naturschutz und Tierwelt“ gewidmet.

Am ersten Veranstaltungstag fanden wissenschaftliche Vorträge statt, die Themen reichten vom Faunenwandel als Folge menschlicher Eingriffe über die Rolle nützlicher Insekten in der Schädlingsbekämpfung bis zum Wasservogelschutz in Westfalen.

Am nächsten Tag wurden zwei Exkursionen durchgeführt: Während eine Fahrt in die Rieselfelder Münster führte, ging die zweite Exkursion mit Empfehlung der Mitnahme von Gummistiefeln und Ferngläsern in das Naturschutzgebiet „Zwillbrocker Venn“.

Lachmöwen im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn, Kreis Borken (Foto: Hellmund, Lichtbild-Archiv des Landesmuseums für Naturkunde, Münster).

Zur Eröffnung des Naturschutztages sagte Landesdirektor Walter Hoffmann: „Möge das Thema […] der Öffentlichkeit verständlich machen, dass im Gesamtorganismus der Natur jedes Geschöpf, sei es noch so winzig als Pflanze oder Tier, eine Funktion besitzt, die nur in ganz seltenen Fällen ohne Einbuße für unser eigenes Leben angetastet werden kann.“

Hiermit bezog er sich auf zwei elementare Erkenntnisse der zu der damaligen Zeit aktuellen Forschung.

  1. „In einem ungestörten Lebensraum stellt sich ein biologisches Gleichgewicht ein.“
  2. „Ein einzelner Eingriff in die Natur kann zu vorläufig nicht vorhersehbaren Reaktionen führen.“

So drückte es zumindest Prof. Dr. Franzisket, Direktor des Landesmuseums für Naturkunde, in seinem Vortrag aus. Hierin sagte er ebenfalls, dass „Unser Lebensraum […] in stetig zunehmendem Maße belastet [wird]: Von der Bevölkerungszunahme, von der Industrie, vom Verkehr, aber auch von wachsenden Ansprüchen des Komforts und des Genusses.“

Prof. Dr. Heddergott, Direktor des Pflanzenschutzamtes Münster, fügte dem hinzu, dass es daher die Naturschutzgesetze und die daraus resultierenden Naturschutzgebiete geben würde. Solche Gebiete hätten mehr als nur einmal seltene Pflanzen vor dem Aussterben gerettet und seien als solches wichtig für die Nachwelt. Für Tiere, die meist größere Lebensräume bräuchten, seien die Naturschutzgebiete in den häufigsten Fällen jedoch zu klein. Wenn den Menschen das Ungleichgewicht durch das Sterben nützlicher Tiere (hier: insektenfressende Vögel) auffallen würde, wäre es jedoch bereits zu spät - das Gleichgewicht wurde dann bereits zerstört.

Bereits vor 50 Jahren war der Appell an alle Mitmenschen somit: Man möge die Erde mit Bedacht behandeln, da wir nur eine besitzen.

Quellen:

  • LWL-Archivamt für Westfalen, Archiv LWL, Best. 115/832

Dieser Text ist Teil der Serie „Der LWL vor 50 Jahren“, in der die Auszubildenden zum/zur Fachangestellten für Medien und Informationsdienste (FaMI) – Fachrichtung Archiv des LWL-Archivamtes für Westfalen Einblicke in die Geschichte des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) geben.